Rund 3,4 Millionen TV-Haushalte in Deutschland nutzen DVB-T über Haus-, Außen- oder Zimmerantenne. Da der Rundfunk künftig für die Übertragung via Antenne weniger Frequenzen nutzen kann als bisher und über DVB-T keine Programme in HD-Qualität übertragen werden, ist eine Modernisierung notwendig. Diese trägt die etwas sperrige Bezeichnung DVB-T2 HD. Was hat damit auf sich hat, wen die Umstellung genau wann betrifft und was dies für Kosten bedeutet, haben wir Karin Thomas Martin, Fachberaterin Telekommunikation, Internet, Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, gefragt. 

Frau Thomas-Martin, was bedeutet eigentlich DVB-T2 HD und warum kommt es jetzt zur Umstellung?

Karin Thomas-Martin: Unter DVB-T versteht man die Verbreitung digitaler Signale per Antenne. Das T steht für »terrestrisch«. Mit DVB-T2 HD ist nun die Übertragung in hochauflösender HD-Qualität nicht nur per Kabel und Satellit, sondern auch per Antenne möglich. DVB-T wurde eingeführt, als Röhrenfernseher noch sehr weit verbreitet und Flachbildfernseher mit großen Bilddiagonalen erst im Kommen waren. Die Programme werden zwar digital, aber in Standardqualität (SDTV) übertragen. Auf modernen Flachbildfernsehern ist daher DVB-T kein wirklicher Bildgenuss mehr.

Wen betrifft die Umstellung?

Thomas-Martin: Am 29. März 2017 wird DVB-T2 HD zunächst in Ballungsgebieten auf Sendung gehen. Gleichzeitig wird DVB-T abgeschaltet. Einen Parallelbetrieb wird es nicht geben. Von der Umstellung betroffen sind also Verbraucher, die in Ballungsgebieten wohnen und Fernsehen über DVB-T-Antenne empfangen.

Was kann ich machen, wenn ich mir nicht sicher bin, ob mich die Umstellung betrifft?

Thomas-Martin: Aufschluss gibt eine Karte auf einer Infoseite der TV-Unternehmen (www.dvb-t2hd.de), auf der gekennzeichnet ist, in welchen Regionen die Umstellung zu welchem Zeitpunkt erfolgt.

Was brauche ich, damit ich ab April nicht in die Röhre schaue?

Thomas-Martin: Die bisherigen Antennen sind weiter für den Empfang nutzbar. Aber Fernseher, die nur DVB-T können, brauchen dann eine Empfangs-Box, die DVB-T2 HD kann. Geeignete Geräte sind in der Regel erkennbar an dem grünen Zeichen für DVB-T2 HD. Wer sich nach 2014 einen neuen Flachbildfernseher angeschafft hat, sollte im Zweifelsfall zunächst beim Hersteller nachfragen, ob der Fernseher bereits mit DVB-T2 HD kompatibel ist. Im Februarheft der Stiftung Warentest gibt es zu den nötigen Geräten ausführliche Tests.

Was kostet die Umstellung den einzelnen Verbraucher etwa?

Thomas-Martin: Wie viel die Umstellung kostet, lässt sich nicht pauschal sagen, das hängt unter anderem davon ab, mit welcher Empfangsbox nachgerüstet wird und wie viele Sender die Verbraucher sehen wollen. Denn dadurch, dass private Sender ihre Programme künftig verschlüsselt ausstrahlen und Verbraucher für die Entschlüsselung zahlen müssen, kommen noch zusätzliche Kosten zur Umstellung dazu. Mit der Verschlüsselung der »Privaten« entsteht eine Art »Pay-TV-light«, für das Verbraucher ab Juli 69 Euro pro Jahr zahlen müssen. Die öffentlich-rechtlichen Programme werden unverschlüsselt ausgestrahlt. Wer nur diese nutzen will, dem reichen die preiswerteren Empfangsboxen ohne Decoder für das Privatfernsehen »freenet TV«. Wessen Fernseher schon DVB-T2 HD fähig ist, braucht trotzdem für den Empfang der Privaten ein zusätzliches Decoder-Modul.

Viele Verbraucher sind durchaus verunsichert – manche Unternehmen nutzen diese Verunsicherung mit bestimmten Angeboten, die die Verbraucher gar nicht benötigen oder mit Warnungen vor dem schwarzen Bildschirm, obwohl es die Verbraucher gar nicht betrifft. Was kann man da machen?

Thomas-Martin: Verbraucher sollten sich nicht zum Abschluss neuer Verträge drängen lassen. 
Bei den Verbraucherzentralen haben sich Betroffene gemeldet, denen mit Hinweisen auf die DVB-T-Abschaltung teure Kabelverträge als Ersatz angeboten worden sind oder die Postwurfsendungen von IPTV-Anbietern bekommen haben. Vodafone zum Beispiel hat mit amtlich aufgemachten Schreiben versucht, dringenden Handlungsbedarf vorzutäuschen. Mittlerweile hat die Bundesnetzagentur reagiert und Vodafone untersagt, Werbeschreiben zu versenden, in denen Verbraucher unter Fristsetzung zu einer telefonischen Kontaktaufnahme aufgefordert werden. 

In den letzten Jahren gab es ja immer mal wieder Umstellungen beim Fernsehempfang. Ist das jetzt mit DVB-T2 HD vorbei?

Thomas-Martin: Technik entwickelt sich immer weiter – wann ein neuer Übertragungsstandard kommt lässt sich nicht voraussagen.

Interview von Torsten Franken