Regionalität ist ein wichtiges Kriterium beim Lebensmittelkauf. Doch Begriffe wie »regional« oder »aus der Region« sind rechtlich nicht geschützt. Ob regionale Angaben eine echte Einkaufhilfe oder eher Verwirrspiel sind, wollten die Verbraucherzentralen in einem bundesweiten Marktcheck wissen. Die Untersuchung zeigt: Regionalwerbung erfolgt oft unspezifisch und ist im schlimmsten Fall sogar irreführend. Wir haben bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg nachgefragt. Christiane Manthey hat geantwortet. 

Was genau haben die Verbraucherzentralen untersucht?
Christiane Manthey: Bundesweit haben Verbraucherzentralen stichprobenartig 121 Produkte in Supermärkten, Discountern und Bioläden unter die Lupe genommen, davon 63 mit dem blau-weißen Regionalfenster und 58 mit sonstiger Regionalwerbung. Untersucht wurden neben Eiern, Milch- und Fleischprodukten auch Obst und Gemüse. 

Was versteht man eigentlich grundsätzlich unter Region?
Manthey: Das genau ist nicht eindeutig definiert und damit auch das Problem: Man versteht darunter ein zusammenhängendes Gebiet, eine Einheit, beispielsweise geographisch oder politisch. Es kann sich um einen Naturraum, wie das Allgäu, den Spreewald oder die Rhön handeln. Aber auch eine Gemeinde, Landkreise, ein Bundesland, ganz Deutschland oder gar Europa kann die »Region« sein. Auch wirtschaftlich oder ökologisch (Biosphärengebiete) können Regionen gebildet werden. Bei Lebensmitteln, die als »regional« beworben werden, ist für Verbraucher nicht immer klar erkennbar, wie der Händler oder Hersteller die Region festgelegt hat. Die Verbrauchererwartung kann dann aber eine ganz andere sein.

Man hat das Gefühl, der Begriff wird von den Konzernen vor allem dafür verwendet um noch mehr Umsätze zu generieren.
Manthey: Das ist richtig, Begriffe wie »Gutes aus der Heimat«, »Das Beste von hier« oder Ähnliches sind ungenau, die Herkunft der Rohstoffe häufig nicht nachvollziehbar. Aber sie werden gerne zur Absatzförderung von Produkten genutzt. Oft bleibt dabei auch unklar, ob nur die Verarbeitung der Rohstoffe in der Region stattfindet und wie die Region definiert ist.

Was kann das Regionalfenster?
Manthey: Es gibt Auskunft über die Region, den Ort der Verarbeitung sowie den Anteil der verwendeten regionalen Zutaten. Zwar bieten Lebensmittel mit dem freiwilligen Regionalfenster gute Orientierung beim Einkauf, diese ist aber noch nicht in allen Supermärkten zu finden. Aber auch ein genauer Blick aufs Etikett ist nötig, denn Produkte mit Regionalfenster können deutschlandweit vermarktet werden.«

Wie sieht es bei den Zutaten aus?
Manthey: Bei Mischprodukten wie Wurst oder Keksen schwankt der Anteil regionaler Zutaten stark.
Mindestens 51 Prozent des Produkts müssen aus der angegebenen Region stammen. Bei Sülzfleischwurst fanden Verbraucherschützer in der Stichprobe etwa nur gut die Hälfte an regionalen Zutaten, bei Bratwurst hingegen 94 Prozent. Unterschiedlich ist also, wie viel Regionalität Verbraucher für ihr Geld bekommen. Teilweise sind mehrere Bundesländer zu einer Region zusammengefasst. Doch weder Großregionen erfüllen nach Auffassung der Verbraucherzentrale die Erwartungen der Konsumenten an ein regionales Produkt noch weite Transportwege, wenn die Orte der Produktion und des Verpackens weit auseinanderliegen.

 
Und bei Regionalwerbung? 

Manthey: »Das Beste von hier«, »Gutes aus der Heimat« oder »nah« sind typische Beispiele für Regionalwerbung. Doch solche Hinweise sind unspezifisch und häufig nicht nachvollziehbar. Dahinter verbergen sich teilweise erhebliche Entfernungen und meist eine unklare Herkunft der Rohstoffe. Ein Beispiel: Eine Wurst wurde mit der Angabe »aus maximal 30 Kilometer Umkreis« beworben, hergestellt wird diese aber in einem 130 Kilometer entfernten Fleischwerk, die Herkunft der Rohstoffe bleibt unklar. Auch Obst und Gemüse wird als »regional« beworben, obwohl nur die verpflichtende Herkunftsangabe »Deutschland« zu finden ist.

Das ist doch irreführend.
Manthey: So sehen wir das auch. Aus Sicht der Verbraucherzentrale reichen die bisherigen gesetzlichen Regelungen nicht aus, um einen transparenten Einkauf regionaler Produkte zu ermöglichen und vor irreführender Werbung zu schützen. Das Regionalfenster ist ein Schritt in die richtige Richtung, dennoch sind gesetzliche Vorgaben, neutrale Kontrollen und Sanktionen erforderlich, um der unseriösen Werbeflut einen Riegel vorzuschieben.

Momentan bleibt alles beim Alten. Was wäre denn schnell umsetzbar?
Eine erste Maßnahme wäre es, wenn Werbung mit Regionalität Produkten vorbehalten wäre, die mittels Regionalfenster klar über Region, Herkunft der Zutaten und Verarbeitungsort informieren. Dem stehen aber die gegenwärtigen gesetzlichen Rahmenregelungen entgegen.

Interview von Dieter Reisner