Die Fasnet nimmt am heutigen Schmotziga Doschdig richtig Fahrt auf. Richtig in Fahrt sind die Narren aber schon seit geraumer Zeit, in der vergangenen Woche begab sich ein Teil von Ihnen gar auf große Fahrt. Eine Abordnung der Vereinigung freier oberschwäbischer Narrenzünfte (VFON) machte sich auf den Weg nach Berlin und verbrachte dort drei Tage. Rund 160 Narren aus verschiedenen Zünften fuhren nach Berlin – auch die Unterhausener Krautscheißer waren dabei. Wir trafen Katja Thomas und haben die Zunftmeisterin der Krautscheißer nach ihren Erlebnissen gefragt. 

Warum fahren schwäbische Narren nach Berlin?
Katja Thomas: Der Bundestagsabgeordnete Michael Donth hat die Vereinigung freier oberschwäbischer Narrenzünfte eingeladen. 

Fotostrecke 2 Fotos

Dann habt ihr in Berlin den Pausenclown gemacht?
Thomas: Wir waren die Attraktion beim schwäbischen Abend in der Landesvertretung von Baden-Württemberg. 

Was war da los?
Thomas: Viel, unsere Kapellen haben für Stimmung gesorgt. Wir haben so eine Art Mini-Brauchtumsabend gemacht mit Tänzen, Hexenakrobatik und Späßen. 

Wie war die Stimmung?
Thomas: Das waren halt etwas andere Gäste als wir gewohnt sind. Es war alles etwas steifer, aber wir haben es geschafft die Gäste mitzureißen. 

Apropos: Wie haben denn die Berliner auf Euch reagiert?
Thomas: Wir hatten einmal eine Zwangspause in der Nähe vom Friedrichstadtpalast und mussten auf den Bus warten. Da haben wir – also alle 160 Frauen und Männer – Straßenparty gemacht


Das heißt?
Thomas: Die Lumpakapellen aus Großengstingen und Burladingen haben gespielt und den Passanten sind wir Spalier gestanden. Da hatten wir unseren Spaß.

Und die Berliner?
Thomas: Ich glaube schon auch (schmunzelt). 

Wie war der Besuch im Bundestag?
Thomas: Aufregend.

Warum?
Thomas: Wegen der Sicherheitsbestimmungen, die haben sich seit meinem letzten Besuch vor 14 Jahren, damals im Schloss Bellevue, noch mal ziemlich verstärkt. 

Inwiefern?
Thomas: Wir durften keine Masken mitnehmen und keine Schellen.

Dann ward ihr ja nur halbe Narren.
Thomas: So kann man es auch sagen. Aber es war ja noch ganz lustig. Zur Mengener Narrenzunft gehört nämlich ein angemaltes Gesicht, das kann man nicht so einfach abnehmen (lacht). Das fiel auch unter das Vermummungsverbot. 

Hört sich interessant an.
Thomas: War es auch, eigentlich hätten sie nicht rein dürfen. Man muss halt jeden erkennen. In diesem Fall gab es noch einmal eine Ausnahme. 

Welcher Narr hat im Bundestag eine Rede gehalten?
Thomas: Keiner. Es war Holocaust Gedenktag und außerdem noch Koalitionsgespräche, da war es schon ein Wunder, dass wir überhaupt in den Bundestag gedurft haben. Die Gedenkfeier haben wir allerdings nicht miterlebt. Wir hatten einen strammen Terminplan. Zu der Zeit waren wir schon eine Ecke weiter. Aber wir waren tatsächlich auch in einem Zimmer der Macht.

Jetzt wird’s spannend. 
Thomas: Die Fraktion der CDU/CSU hat uns in ihr Fraktionszimmer eingeladen. Donth hat uns dort vorgestellt mit den Worten: zum ersten Mal sind hier lauter Narren drin. Was zu viel Gelächter geführt hat. 

Wie fühlt man sich in so einem Raum? Herrscht da eine besondere Atmosphäre?
Thomas: Naja nicht unbedingt. Jeder Platz hat ein Mikro, man fühlt sich wie in einem Saal an der Uni. Übrigens: ich bin in Sachsen gesessen. 

Wie?
Thomas: Die Sitzordnung ist nach Ländern eingeteilt.


Was bleibt von der Fahrt in die Hauptstadt?
Thomas: Dass Berliner nicht schwäbisch kochen können und wir einen Riesenspaß gemeinsam hatten.

Ach noch eine Frage von einem Laien: Warum seid ihr eigentlich nicht nach Köln gefahren, das passt doch ...
Thomas: ...aber nicht zur schwäbisch-alemannischen Fasnet. In Köln ist Karneval, bei uns Fasnet. 

OK, danke. 
Thomas: Bitte. 


    Interview von Dieter Reisner