Die diesjährige Auswertung der Mitgliederzahlen bestätigt, was sich 2016 bereits vorsichtig ankündigte: Vereinssport liegt wieder voll im Trend. Die Mitgliederzahl in baden-württembergischen Sportvereinen ist gestiegen. Zum Stichtag 1. Januar 2017 zählt der Landessportverband Baden-Württemberg e. V.
3 737. 583 Mitglieder, die in 11 372 Vereinen organisiert sind. Dies entspricht einem Mitgliederzuwachs von 0,70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und macht damit deutlich, was sich 2016 bereits in einem leichten Wachstum abgezeichnet hat: Der Vereinssport hat in unserer Gesellschaft noch lange nicht ausgedient. Jeder dritte Baden-Württemberger ist Mitglied eines Sportvereins. Wir haben beim LSV nachgefragt Elvira Menzer-Haasis, Präsidentin des Landessportverbandes Baden-Württemberg, hat sich die Zeit genommen und geantwortet.

Hallo Frau Menzer-Haasis woher kommt der Zuwachs?
Elvira Menzer-Haasis: Zunächst ist Sport die Freizeitbeschäftigung Nummer 1 der Bundesbürger. Der Zuwachs im organisierten Sport zeigt auf, dass es in unserer Gesellschaft den Wunsch nach sozialer Teilhabe gibt. Die Freude sich einzubringen, auf Gleichgesinnte zu treffen und dabei Spaß an der Bewegung zu haben, fit zu bleiben scheint für viele ein sinnstiftendes Motiv zu sein. Sportvereine mit ihrem vielfältigen Angebot bieten dafür genau die richtige Plattform und für jeden die Möglichkeit seine individuellen Bedürfnisse gemeinsam mit anderen zu erfüllen. Dies wird v. a. durch die unermüdliche Arbeit unserer vielen Ehrenamtlichen und Freiwilligen ermöglicht.

In welcher Altersgruppe gibt es denn den größten Zuwachs?
Menzer-Haasis: Den größten prozentualen Zuwachs gibt es in der Altersgruppe 0 bis 6 Jahren, also bei unseren ganz Kleinen. Das freut uns natürlich, weil die Kinder hier nicht nur in frühen Jahren schon spielerisch eine motorische Grundausbildung erhalten, sondern auch mit Gleichaltrigen in Kontakt kommen und dauerhafte soziale Bande knüpfen. Vereine als wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft legen damit den Grundstein für eine spätere Eingliederung des einzelnen in unsere Mitte. Aber auch in der Altersgruppe der 61-109-Jährigen verzeichnen wir viele neue Mitglieder.

Die Räume und Platzangebote sind ja jetzt schon sehr begrenzt. Mehr Mitglieder schaffen mehr Begehrlichkeiten. Kann das denn immer abgedeckt werden?
Menzer-Haasis: In der Tat gibt es immer wieder Engpässe bei Hallenbelegungszeiten, mit kreativen Ideen und Kooperationen mit anderen Partnern finden wir jedoch Lösungen. Es braucht nicht immer die genormte Halle, Sportangebote können auch im kirchlichen Gemeindehaus oder in anderen geeigneten Räumlichkeiten stattfinden. Im Moment können wir sagen, dass wir dank unserer zahlreichen Ehrenamtlichen und Freiwilligen, die tagtäglich unglaubliche Arbeit in den Vereinen leisten, gut aufgestellt sind und Sportwillige immer eine Möglichkeit der Betätigung finden.

Wo gibt es vor allem Bedarf?
Menzer-Haasis: Wichtig ist, dass die Rahmenbedingungen für den Sport in Baden-Württemberg stimmen. Hierzu zähle ich nicht nur die politischen Entscheidungen der Kommunen und des Landes Baden-Württemberg, die Einfluss auf den Sport, die Vereine und den einzelnen Sportler beziehunsweise Ehrenamtlichen haben, sondern auch die Bereitstellung von modernen Sportstätten. Zeitgemäße Sportanlagen, die die Lust an der Bewegung fördern und optimale Bedingungen für ein Training – sei es im Leitungs- wie im Breitensport – bieten, sind hierfür unerlässlich. Mit der Unterzeichnung des Solidarpaktes III haben das Land und der LSV einen Bund geschlossen, der unter anderen dieser Modernisierung der Anlagen zu Gute kommt.

Nicht-Sportvereine klagen über Nachwuchsmangel. Was raten Sie denen?
Menzer-Haasis: Jede Organisation hat ihre spezifischen Charakteristika, die es zu erkennen gilt und die den jeweiligen Bedürfnissen der Mitglieder zu Gute kommen können. Dementsprechend kann man die Angebote jeweils an die Nachfrage anpassen. Aus Erfahrung kann ich für den Sport sprechen, dass es gilt, Menschen zu begeistern und ihre Anliegen ernst zu nehmen und sie aktiv in Entscheidungen miteinzzubinden.
    Interview von Dieter Reisner