Es ist ein deutschlandweites Problem: Skrupellose Hundehändler, die kranke Welpen zu Dumping-Preisen anbieten. Sie werden auf Autobahn-Parkplätzen aus dem Kofferraum verscherbelt, sind völlig verstört und oft auch sterbenskrank. Welpen, die auf illegalen Wegen, aus Massenvermehrungs-Anstalten nach Deutschland finden, sollte niemand kaufen, weil man damit einen skrupellosen Handel unterstützt. Oftmals werden die Welpen über das Internet angeboten. In Deutschland besteht Handlungsbedarf. Im Fokus stehen unseriöse Anbieter, die oft das Internet nutzen, um die Ware Hund anzupreisen. Wir haben mit Birgitt Thiesmann von Vier-Pfoten einer international agierenden Tierschutzorganisation über dieses Problem gesprochen.

Frau Thiesmann Wie akut ist das Problem des illegalen Welpenhandels?
Brigitt Thiesmann: Der illegale Welpenhandel boomt und hat unglaubliche Dimensionen angenommen, nach Drogen- und Waffenhandel ist der Tierhandel insgesamt das lukratives Geschäft. Täglich werden unzählige Tiere aus unbekannter Herkunft und mit falschen Angaben auf Onlineplattformen angeboten.

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Was bedeutet dieser Handel für die Welpen? Woher kommen die Welpen ganz konkret?
Thiesmann: Nicht nur für die Welpen, sondern besonders auch für die Muttertiere, die als reine Gebärmaschinen missbraucht und dann entsorgt werden, bedeutet der illegale Handel unermessliches Leid. Meistens stammen die Tiere aus sogenannten Vermehrerstationen in Osteuropa wie Tschechien, Polen, Rumänien, Ungarn oder der Slowakei.

Welche Gefahr besteht für den Käufer?
Thiesmann: Viele Welpen sind schon beim Kauf todkrank. Es ist sehr schmerzlich mit anzusehen, wenn ein wenige Wochen altes Hundebaby große Schmerzen ausstehen muss und es oftmals trotz aller Bemühungen und Klinikaufenthalte nicht schafft. Aber auch für die Hundebesitzer besteht eine gesundheitliche Gefährdung durch Zoonosen (Krankheiten, die von Tier zu Mensch übertragen werden können) wie zum Beispiel Giardien. Auch wenn es bis jetzt noch nicht vorgekommen ist, kann es jederzeit passieren, dass ein illegal eingeführter Welpe die Tollwut mitbringt, eine für Mensch und Tier tödliche Krankheit. Wenn ein Käufer einen chronisch kranken Hund erworben hat, können die Tierarztkosten ins Unermessliche steigen.

Hat der Handel mit Welpen in der letzten Zeit spürbar zugenommen? 
Thiesmann: Da es keine verlässlichen Zahlen gibt, lässt sich das leider nicht belegen. Vier- Pfoten liegen jedoch Hunderte von Fällen allein in Deutschland vor und fast täglich kommen neue hinzu. Zudem steigt auch die Häufigkeit der illegalen Transporte, die von Grenzschutz und Polizei bei stichprobenartigen Kontrollen entdeckt werden.

Gibt es konkrete Zahlen, wie viele Welpen über die Grenzen nach
Deutschland gebracht werden?

Thiesmann: Leider nein, da der illegale Handel im Verborgenen abläuft.

Welche Maßnahmen zur Bekämpfung des illegalen Hundehandels sind denkbar?
Thiesmann: Das Wichtigste ist, den anonymen Handel auf den Onlineplattformen zu stoppen und einen Identifikationsnachweis für die Anbieter einzuführen. Solange das nicht passiert, sind illegalen Händlern Tür und Tor geöffnet und die Käufer ihnen schutzlos ausgeliefert. Zudem setzt sich Vier- Pfoten seit Jahren für eine EU weite Chip- und Registrierungsspflicht für alle Hunde ein.

Was kann man tun, wenn man beim Welpenkauf das Gefühl hat, hier stimmt was nicht?
Thiesmann: Auf jeden Fall so schnell wie möglich das zuständige Veterinäramt verständigen, in akuten Fällen direkt die Polizei.

Wo und vor allem wie sollte man beim Kauf/Anschaffung eines Hundes vorgehen?
Thiesmann: Jeder interessierte Käufer sollte sehr sorgfältig vorgehen, wenn er sich einen Hund anschafft. Unüberlegte Internet-Käufe aufgrund niedlicher Fotos, herzzerreißender Geschichten oder niedriger Preise können den illegalen Handel und somit Tierleid unterstützen. Wichtig ist, immer zu dem Verkäufer direkt zu fahren, um sich selbst ein Bild von dem Welpen, dem Muttertier und der Umgebung zu machen. Ein seriöser Züchter ist andersherum ebenfalls an dem Käufer und seinem Background interessiert. Laut Gesetz darf ein Welpe bis zur achten Woche nicht von seiner Mutter und den Geschwistern getrennt werden, um die so wichtige Prägephase nicht zu unterbrechen. Besser ist es jedoch, wenn er erst ab der der zehnten oder zwölften Woche das Nest verlässt. Grundsätzlich sollte der erste Gang jedoch immer ins Tierheim führen, denn dort warten viele große und kleine Vierbeiner sehnsüchtig auf ein neues Zuhause.