Wenn Menschen ernsthaft erkranken, setzt sich ein professionelles medizinisches Räderwerk in Gang. Kann man in einer solchen Lebenssituation ernsthaft an gute Laune denken? Man kann nicht nur, man sollte sogar. Eine positive Stimmung fördert den Genesungsprozess wie zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zeigen, die von der Stiftung »Humor hilft heilen« des Entertainers Dr. Eckart von Hirschhausen gefördert werden. Am Dienstag, 9. Januar, ab 16 Uhr spricht der Entertainer im Festsaal der neuen Aula darüber. Die Veranstaltung ist ausverkauft. Wir haben mit dem Initiator, dem Diplom-Psychologen Stefan Lüttke, gesprochen, der an der Uni Tübingen zu den Ursachen und einer besseren Diagnose der Depression forscht. 

Hallo Stefan Lüttke, lachen Sie gern?
Stefan Lüttke: Ja, sehr gern! Ich lache sogar recht schnell, wo manche überlegen, warum lacht der jetzt? In einem Lied von Grönemeyer heißt es: Lache, wenn’s nicht zum Weinen reicht! Lachen ist für mich eine sehr gute Medizin.

Patienten ist ja meist nicht so zu Lachen zumute. Wie soll das dann funktionieren mit der Therapie, wenn man krank ist? 
Lüttke: Es geht nicht so sehr um ein »Totlachen«, sondern darum, der eigenen Krankheit mit einer anderen Einstellung zu begegnen. Wichtig ist auch, menschliche Nähe und Warmherzigkeit herzustellen. Patienten werden oft mit Fachbegriffen zugeschüttet, da kann ein Lächeln oder eine witzige Bemerkung viel Zuversicht verbreiten. 


Was bewirkt Humor in medizinischer Hinsicht?
Lüttke: Zu unterscheiden sind psychische und körperliche Aspekte. Bei der Psyche wissen wir, dass eine positivere Einstellung zur Krankheit mit einer besseren Prognose einhergeht, zum Beispiel bei Brustkrebs. Auch lassen sich Schmerzen besser ertragen. Im Hinblick auf den Körper zeigen Studien, dass Lachen positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System und die Atmung hat. Beispielsweise wird das Stresshormon Kortisol weniger ausgeschüttet und die Atmung bei Asthmatikern erleichtert.

Sie selbst arbeiten an der Entwicklung eines Frühwarnsystems für Depression bei Kindern. Schildern Sie doch mal kurz und verständlich ihre Grundidee dabei.
Lüttke: Erste Anzeichen einer Depression sind bei Kindern nur schwer zu erkennen, oft erst, wenn es schon eine »richtige« Depression ist. Kinder unterhalten sich aber viel über ihre Smartphones und WhatsApp. Von Erwachsenen wissen wir wiederum, dass sie während einer Depression zum Beispiel andere Wörter verwenden. Ich will untersuchen, ob man in der veränderten »WhatsApp«-Sprache bei Kindern Anzeichen für eine Depression erkennen kann. Dann könnten wir schon viel früher und mit weniger Aufwand helfen.

Wie verbreitet ist Depression bei Kindern?
Lüttke: Leider mehr als man denkt. Die Depression gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bis zum 18. Lebensjahr, jedes 20. Kind wird bis dahin daran erkranken. Das sind etwa 700 000 – vergleichen Sie das mal mit der Anzahl an Krebserkrankungen in dieser Altersgruppe.


Was ist mit denen, die nicht behandelt werden?
Lüttke: Das größte Problem: Die Mehrheit wird auch noch als Erwachsene mit Rückfällen kämpfen. Wir müssen also bei den Kindern anfangen! Trotzdem geht hier nur wenig Geld in die Forschung – Kinder mit Depression haben halt keine Lobby. Daher habe ich eine Unterstützungsaktion gestartet - einfach mal im Internet schauen unter www.startnext.com/whatsapp-against-depression.

Jetzt haben wir so viel über Humor gesprochen, nun brauchen wir noch was Lustiges. Erzählen Sie uns doch mal Ihren Lieblingswitz!
Lüttke: Ich merke mir kaum Witze. Ich habe es eher mit dem Wortwitz und wenn es die Situation hergibt. Passend zur Jahreszeit fällt mir jedoch ein: »Wie bestellt ein Sachse in New York einen Weihnachtsbaum? Äh Tännschen, please!«


 Interview von Dieter Reisner