Der rote Teppich in Hollywood ist eingepackt – die Oscars sind verliehen. Doch wen interessiert das schon wirklich, haben wir doch in der Region echte, publikumsnahe Filmemacher, die jeder kennt. Die Rede ist von der Schwabenlandfilm GmbH. Und die feiert dieser Tage zehnjähriges Jubiläum. Laible und Frisch - »Do goht dr Doig« und »Dolores« oder stammen aus der Feder von Mitgründer Sebastian Feld. Wir haben uns mit Geschäftsführer und Produzent Frieder Scheiffele unterhalten und wollten wissen, was demnächst ansteht.

Herr Scheiffele, wie die Zeit vergeht: Schwabenlandfilm gibt es tatsächlich schon zehn Jahre. Wie fühlt sich das an?

Scheiffele: Unendlich lange, denn es war sehr viel Pionierarbeit. Dank der tollen Unterstützung der Menschen von hier - ob Bürgermeister, Dienstleister, Motivgeber, Presse wie dem Wochenblatt oder Komparsen konnten wir unsere schöne Region auf Film festhalten.

Es gab einige Höhen und Tiefen in der Zeit. Was war für Sie die größte Herausforderung?

Scheiffele: Uns nach dem Erfolg der Serie »Laible und Frisch« neu und breiter aufzustellen. Nun produzieren wir mit der Marke »Branded Experience« neben Kino- und Dokumentarfilmen auch Werbe- und Imagefilme für Unternehmen.

Mit »Do goht dr Doig« habt Ihr den Sprung auf die Kinoleinwand geschafft. Da kann man schon ein wenig stolz sein. Oder?

Scheiffele: Ja, weil die Finanzierung extrem schwierig war. Filme in schwäbischer Mundart sind ein Nischenprodukt mit viel Potential. Die Zuschauer haben es mit dem Gang ins Kino oder dem Kauf der DVD in der Hand, ob es solche Filme weiterhin geben wird.

Schauspieler Simon Licht, der eigentlich in einer ganz anderen Liga spielt, fühlt sich in der Region sehr wohl. Wundert Sie das?

Scheiffele: Überhaupt nicht. Simon hat die Schwäbische Alb mit seiner leckeren Küche kennen und lieben gelernt. Er kommt gerne auch privat in unsere Region. 

Wie kam er eigentlich zur Rolle des Bäckerfieslings Manfred Frisch?

Scheiffele: Simon musste zu einem Vorsprechen kommen und spielte so überzeugend, dass eigentlich keiner mit ihm arbeiten wollte. Er war einfach Manfred Frisch. Er folgte dann einer privaten Einladung und hat auch zwischenmenschlich den Rest des Teams überzeugt. Er hat Manfred dann auch zusätzliche, schöne Facetten gegeben, die die Figur vielschichtiger machen.

Und wie geht es Winfried Wagner, alias Walter Laible?

Scheiffele: Winfried fiebert seinem 40. Bühnenjubiläum entgegen. Es war ein Wagnis ihn mit einer Hauptrolle zu besetzen, da er bis damals noch nicht als Schauspieler gearbeitet hatte. Er ist ein Talent und großer Gewinn für »Laible und Frisch« und macht seine Sache richtig toll. 

Ihr arbeitet ja nach wie vor von Dettingen und Reutlingen aus. Dialekt und Heimat stehen bei Euch hoch im Kurs. Wie sieht denn Euer Arbeitsalltag aus, wenn nicht gerade ein neuer Film gedreht wird?

Scheiffele: Er ist sehr arbeitsintensiv und hat wenig Glamour und Partys. Frühere Projekte müssen abgewickelt und abgerechnet werden. Zukünftige Filme wollen entwickelt werden. Wir schreiben Verträge, kümmern uns um Finanzierung. Kein Tag ist wie der andere. Es gibt ständig neue Herausforderungen. Über unsere SchwabenlandfilmTour führen wir Gruppen an unsere Drehorte. Ich engagiere mich dazu ehrenamtlich über den bemerkenswerten Ausschuss für die Medien- und Filmwirtschaft bei der IHK Reutlingen. Unsere Branche braucht mehr Aufmerksamkeit, denn sie bietet wirtschaftlich und touristisch große Chancen.

Gibt es neue Projekte?

Scheiffele: Für Das Erste haben wir im Auftrag des SWR und der ARD DEGETO einen Fernsehspielfilm mit dem Titel »Eine Hochzeit platzt selten allein« gedreht. Mit dabei sind viele Stars wie Herbert Knaup, Michael Brandner, Oliver Wnuk und Inka Friedrich. Das Buch stammt von Jürgen Werner (»Tatort«) und Comedy-Star Christoph Sonntag.

Klingt gut. Und darf die Laible und Frisch Gemeinde mit einer Fortsetzung rechnen?

Scheiffele: Wir arbeiten an einem spannenden Drehbuch mit vielen regionalen Bezügen. Die Entscheidung liegt aber im Zustandekommen der Finanzierung. Wer »Do goht dr Doig« im Kino schaut oder die DVD vorbestellt, trägt aktiv dazu bei, dass es weitergeht.