Eine interaktive Umfrage der Verbraucherzentralen bundesweit hat gezeigt: Hersteller geben die Portionsgröße auf Müsli- und Chips- Packungen viel zu gering an. Worauf Verbraucher beim Einkauf achten sollten, weiß Amelie Wolf von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wir wollten es genauer wissen und haben bei ihr nachgefragt.


Interessiert Verbraucher die Nährwertkennzeichnung überhaupt?
Amelie Wolf: Ja sehr, denn nahezu 1 500 Verbraucherinnen und Verbraucher nahmen an unserer nicht-repräsentativen Umfrage zu Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen im Frühjahr teil. Auch die Portionsgrößenangaben auf Verpackungen waren der Mehrheit der Befragten (86%) bekannt. 


Wodurch kam es zur großangelegten Umfrage der Verbraucherzentralen?
Wolf: Neben der seit Dezember 2016 gesetzlich verpflichtenden Nährwertkennzeichnung für verpackte Lebensmittel geben viele Hersteller zusätzlich Nährwertangaben pro Portion an. Das Ziel der Umfrage der Verbraucherzentralen war es zu prüfen, wie Verbraucher ihre eigenen Portionen einschätzen und wie diese im Vergleich zur vom Hersteller angegeben Portionsgröße ausfallen und zu beurteilen sind. 

Was müssen Hersteller angeben und was nicht?
Wolf: Nährwertangaben sind seit Dezember 2016 Pflicht auf allen verpackten Lebensmitteln. Ziel ist, den Verbrauchern umfangreichere Informationen zur Nährstoffzusammensetzung sowie zum Energiegehalt des jeweiligen Produktes zu geben. Angegeben werden dabei die Gehalte an Energie, Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz- jeweils bezogen auf 100 Gramm oder 100 Mililiter. Daneben geben viele Hersteller zusätzlich noch freiwillig die Nährstoffzusammensetzung pro Portion an. Die Portionsgrößen können von den Herstellern selbst gewählt werden. 

Machen Portionsangaben überhaupt Sinn?
Wolf: Nährwertangaben pro Portion machen nur dann Sinn, wenn sie sich auf konkrete Portionen beziehen, wie zum Beispiel ein Schokoriegel oder ein Becher Joghurt.
In den meisten Fällen werden allerdings willkürlich festgelegte Portionsgrößen verwendet, die eine Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Lebensmitteln nicht so einfach zulassen. Außerdem unterscheiden sich die Essgewohnheiten grundsätzlich von Person zu Person, wie unsere Umfrage zeigte.

Dabei sollten Verbraucher die Portion Müsli und Chips abfüllen, die ihren tatsächlichen Essgewohnheiten entsprach. Beim Müsli lag die Portionsgröße, die Verbraucher abfüllten, im Durchschnitt bei 81 Gramm, bei den Chips betrug sie 63 Gramm. Die Hersteller hatten bei Müsli jedoch lediglich 40, bei Chips 30 Gramm als Portion angegeben. Damit waren die tatsächlichen Portionen mehr als doppelt so groß wie die Portion, die die Hersteller auf der Verpackung empfahlen.

Worauf sollten Verbraucher achten? 
Wolf: Wer die Nährwerte von Lebensmitteln vergleichen will, sollte sich nicht an Portionsgrößen orientieren. Bessere Vergleichbarkeit bieten die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen zum Nährstoff- und Energiegehalt in Bezug auf 100 Gramm beziehungsweise 100 Mililiter des Lebensmittels. Diese werden in der Regel auf der Rückseite von Verpackungen in tabellarischer Form angegeben. 
Die freiwilligen Portionsangaben der Hersteller (prominent oft bereits auf der Schauseite des Produktes) sind häufig viel zu gering. Nach unserer Auffassung rechnen viele Hersteller ihre Produkte mit den kleineren Portionen »gesund«. Denn: Aus kleineren Portionsgrößen ergeben sich automatisch auch geringere Mengen etwa an Zucker oder Fett, die Verbraucher vermeintlich zu sich nehmen.

    Fragen stellte Isabelle Wurster