Die zehn Publikumspreisträger beim diesjährigen swt-Umweltpreis der Stadtwerke Tübingen stehen fest. Klarer Sieger im Finale bei der Online-Abstimmung ist die Initiative Foodsharing Tübingen des Vereins foodsharing e.V.. Ein Ziel der Initiative ist es, Lebensmittel zu retten, die sonst in der Tonne landen würden. Um mehr darüber zu erfahren, haben wir bei Raika Slomma, Botschafterin von Foodsharing Tübingen, nachgefragt.

Frau Slomma, was genau bedeutet Foodsharing?
Raika Slomma: Foodsharing bedeutet zunächst eigentlich nur zu vermeiden, dass genießbare Lebensmittel in der Mülltonne landen, indem man sie weitergibt und mit anderen teilt.
Denn auch wenn die meisten von uns eine gut geplante Vorratshaltung haben, wird trotzdem noch jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, weggeworfen. Darüber hinaus gibt es aber auch große Mengen an genießbaren Lebensmitteln, die Lebensmittelmärkte, Bäckereien und weitere Händler entsorgen (müssen), weil der Verbraucher – also wir – jeden Tag Schönes und Frisches einkaufen möchte.

Wann wurde Foodsharing ins Leben gerufen?
Slomma: Mit dem Ziel auf diese Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen und noch genießbare Lebensmittel vor der Mülltonne zu retten, wurde 2011 der Verein Foodsharing e.V. gegründet. Daraus sind in vielen deutschen Städten lokale Foodsharing Gruppen entstanden, so auch in Tübingen und Reutlingen.

Wer ist daran beteiligt? 
Slomma: Die Foodsharing Gruppen bestehen aus vielen Ehrenamtlichen: Bei uns in Tübingen sind es zurzeit 250 sogenannte Foodsaver, also Lebensmittelretter und es werden immer mehr!
Außerdem kooperieren verschiedene Lebensmittelbetriebe – kleine und große – mit Foodsharing und so retten Foodsaver dort Lebensmittel, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr verkauft werden können.

Wie sieht das logistische Vorgehen aus?
Slomma: In Tübingen haben wir bei unseren Kooperationsbetrieben feste Abholzeiten und retten so wöchentlich in insgesamt 20 Abholungen etwa 240 Kilogramm Lebensmittel vor der Tonne. Diese Lebensmittel werden an Freunde und Nachbarn weiterverteilt oder auch in Fairteiler gebracht – damit sorgen wir dafür, dass sie ihrem ursprünglichen Zweck als Nahrung dienen. 
Die Koordination der Abholungen läuft über die Plattform foodsharing.de, auf der alle Foodsaver angemeldet sind.

Sind viele Unternehmen dazu bereit, ihre übriggebliebenen Lebensmittel für lau zu veräußern?
Slomma: Foodsharing Tübingen kooperiert zur Zeit mit acht Betrieben und wir haben feststellen dürfen, dass die meisten Verantwortlichen sehr offen dafür sind, sich mit uns zusammen gegen die Lebensmittelverschwendung einzusetzen. Das freut uns natürlich sehr! Die Betriebe können durch eine Kooperation mit Foodsharing auch Geld sparen: So reduzieren sich die Zeit für das Sortieren der nicht mehr verkäuflichen Lebensmittel in genießbar und ungenießbar und die Kosten für die Müllentsorgung.
Gerne können sich Betriebe, die Interesse an einer Kooperation haben oder mehr über Foodsharing erfahren wollen, bei uns melden.

Woran hapert es noch beim Thema Lebensmittelrettung?
Slomma: Bei einigen Betrieben fallen große Mengen zu rettender Lebensmitteln an, so dass wir bei diesen Abholungen noch ein Auto benötigen. Um die Abholungen in Tübingen nachhaltiger zu gestalten, wollen wir uns von dem Preisgeld des Publikumspreises nun ein Lastenrad kaufen. 
In einer Studentenstadt wie Tübingen kommt es in den Semesterferien ab und zu zu Engpässen bei den Abholungen. Hier hoffen wir in nächster Zeit auf einen Zuwachs an (nichstudentischen) Foodsavern, die auch in den Semesterferien in Tübingen sind und auch dann verlässlich abholen.

Wie wird man selber zum Foodsharer?
Slomma: Foodsharer wird man indem man darauf achtet, übriggebliebene, aber noch genießbare Lebensmittel nicht zu entsorgen, sondern sie weitergibt oder in einen Fairteiler bringt. 
Um Foodsaver zu werden, meldet man sich zunächst auf foodsharing.de an und absolviert, nach bestandenem Foodsaver-Quiz, drei Abholungen mit erfahrenen Foodsavern. Dabei können offene Fragen geklärt werden. Eins ist klar: Wir freuen uns über jeden neuen Foodsaver!

    Interview von Isabelle Wurster