Im Januar erschien „Alice - The Darkest Hour“ im Handel, ein Film vom Regisseur Michael Effenberger. Der Reutlinger Komponist, Stephan Dominikus Wehrle, schrieb die Musik dazu. Die Tonaufnahmen entstanden in Kooperation mit dem Reutlinger Nachwuchsorchester (NWO). Um mehr über das  künstlerisches Dasein des Komponisten und Dirigenten zu erfahren, haben wir ihn in seiner Wohnung in Reutlingen getroffen und nachgehakt.

 

Stephan Dominikus Wehrle, wie kamen Sie zur Filmmusik für den aktuellen Mistery-Thriller?

Stephan Dominikus Wehrle: Der Regisseur Michael Effenberger wurde durch meine zahlreichen Projekte mit der Filmakademie auf mich aufmerksam.  Dies ist bereits das zweite Mal, dass ich Musik für einen seiner Filme geschrieben habe.

 

Was unterscheidet eigentlich eine übliche Komposition von der eines Soundtracks? Auf was kommt es an?

Wehrle: Filmmusik ist dann besonders, wenn man sie während des Schauens gar nicht bemerkt. Wichtig ist dass die Bilder und der Klang miteinander verschmelzen, Handlungen unterstrichen oder sogar Gegensätze erzeugt werden.

 

Was ist die größte Herausforderung beim aktuellen Film gewesen?

Wehrle: Die Atmosphäre und die Grundstimmung des Filmes einzufangen.

 

Eine gruselige?

Wehrle: Nein, weniger gruselig. Es ging mehr darum mystische  Klanglandschaften zu erzeugen.

 

Herr Wehrle, mal eine andere Frage: Wie kommt es, dass sie so viele Instrumente spielen, besonders so alte und besondere?

Wehrle: Nun, ich komme aus der Mittelalter- und Irish-Folk-Szene und trete  auch mit meiner Band „Tinnitus Brachialis“ seit rund 10 Jahren auf Mittelalterrmärkten auf.  Ich habe diese Musik schon immer gelebt. Um die Leute zu unterhalten, war es schon in diesem Zeitalter  geschickt, mehrere Instrumente spielen zu können. Das galt damals als virtuos.

 

Das sieht heutzutage anders aus, oder?

Wehrle: Ein Musiker legt sich meistens eher auf ein einziges Instrument fest und studiert es dann eventuell auch. So, dass er das Instrument irgendwann in all seinen Fassetten beherrscht. 

 

Das „Mittelalterliche“ konnten sie auch bisher immer wieder in Ihr Schaffen einbringen, oder?

Wehrle: Ja. Ich denke auch in meinen Kompositionen hört man immer wieder Parallelen zwischen Mittelalter und Renaissance heraus.

 

Damals in der St. Wolfgangkirche, bei der Uraufführung ihres Werkes „Ebenen der Stille – Psalm 23“ vermischten sie alte Kompositionstechniken und Klänge mit elektroakustischer Musik? Warum das?

Wehrle: Mir war wichtig, die Kompositionstechniken nicht unbedingt gegenüber zu stellen, sondern sie eher miteinander zu verschmelzen. Und auch die Ästhetik zwischen  Musik und Architektur einfließen zu lassen.

 

Wie bewerkstelligten Sie das?

Wehrle: Die typische Konzertsituation (Musiker vorne, Publikum davor sitzend)  löste ich auf. Stattdessen schaffte ich bewegte Klänge im ganzen Raum. Natürlich auch mit Hilfe von spezieller Technik, die im ganzen Kirchenschiff zum Einsatz kam.

 

Bei der Einspielung des Soundtracks: dirigierten Sie das Reutlinger Nachwuchsorchester?

Wehrle: Nein. Nur ein Stück. Ich verfolgte als Komponist lieber die Umsetzung der Stücke durch die engagierten Musiker. Die Leitung hatte die Dirigentin Maria Eiche.

 

Welches Projekt folgt als nächstes?

Wehrle: Auf jeden Fall konzertiere ich mich stark auf das Dirigat. Und zusätzlich ist die Gründung eines professionellen Barockorchesters am Laufen. Das wird sicherlich sehr spannend.

 

Oh, schön. Das lässt gespannt sein. Wo dirigieren Sie denn?

Wehrle: Ich habe während meines Studiums in Trossingen hier und da ausgeholfen und wollte mehr Praxiserfahrung sammeln. Daraufhin hab ich mich beim Blasorchester des Musikvereins Sunthausen beworben und trete dort seitdem auch als Dirigent zum Vorschein.            

 

Und das geplante Barockorchester, werden Sie es auch dirigieren?

Wehrle: Normalerweise dirigiert man bei Barockensembles nicht, weil die Musik immer vom Basso Continuo bzw. vom Konzertmeister ausgeht.

 

Was bedeutet das?

Wehrle: Im Barock wurden die Musiker  vom Bass aus angeleitet, etwa von dem, der das Cembalo spielte.

 

Interessant. Und im geplanten Barockensemble?

Wehrle: Das professionelle Barockorchester wird voraussichtlich neue Musik mit historischen Instrumenten spielen. Auch meine Kompositionen werden wir dem Publikum zu Gehör bringen. Diese Kompositionen werde ich dann auch dirigieren.

 

Sie komponieren also nicht nur Filmmusik?

Wehrle: Nein. Neben diversen musikalischen Tätigkeiten erforsche ich schon seit Jahren durch Versuche, Installationen und Konzerte neue, eigene Klangwelten und halte diese in etlichen Kompositionen fest.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Wehrle: Mehr interessante Projekte, neue Kooperationen. Menschen, die mit mir zusammenarbeiten, so dass Neues entsteht.

 

Schön gesagt. Viel Erfolg wünsche ich Ihnen weiterhin. Danke für das Interview.

Wehrle: Danke auch.

 

Stephan Dominikus Wehrle ist:

Komponist, Klangkünstler/ -designer  und Dirigent

Er spielt: Schlüsselfidel, Dudelsack, Tin-whistle, Cembalo, Irish Bouzouki, Schalmei und noch viele mehr.

 

Kontakt und zusätzliche Informationen:

Stephan_wehrle@gmx.de

wehrleart.tumblr.com

wehrlemusic.wixsite.com/wehrlemusic

 

Interview von Isabelle Wurster