Fahrradklau findet stündlich zigfach in Deutschland statt. Der Schaden beläuft sich auf rund 177 Millionen Euro im Jahr. Das Diebesgut wird »am Stück« oder in Einzelteilen auf Floh- und Wochenend-Märkten aber auch via Internet weiterverkauft. Letztes Jahr waren es insgesamt 332 486 gestohlene Fahrräder. Die Polizei kennt sich mit dem Thema aus, hat jährlich etliche »Anzeigen gegen unbekannt« aufzunehmen. Aus diesem Grund haben wir bei Andrea Kopp vom Polizeipräsidium Reutlingen nachgehakt.

Frau Kopp, wie viele Fahrraddiebstähle wurden denn in den Landkreisen Tübingen und Reutlingen vergangenes Jahr gemeldet?

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Andrea Kopp: Im Landkreis Reutlingen waren es 570 Fälle, da gingen die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr 2015 um 160 zurück. Im Landkreis Tübingen verzeichneten wir 701 Diebstähle und damit nach 2015, wo es noch ein Fall mehr gewesen war, nochmals den Höchststand der vergangenen fünf Jahre.

Können Sie eine Prognose für 2017 abgeben?
Momentan ist die Tendenz im Landkreis Tübingen eher fallend, dafür im Landkreis Reutlingen eher steigend. Das können wir erst zum Jahresende verlässlich bilanzieren. Ein unterjähriger Trend kann sich schnell wieder ins Gegenteil verkehren, weshalb die Polizei die Zahlen sinnvollerweise immer erst im neuen Jahr veröffentlicht.

Wer steckt dahinter und wie ist die Vorgehensweise?

Kopp: Es gibt den Einzeltäter, der ein Rad behalten will, aber auch denjenigen, der sich durch den Verkauf der heißen Ware eine regelmäßige Einnahmequelle verschafft. Gerade in den letzten Jahren stecken aber oft organisierte Banden dahinter. Die fahren in der Gruppe vor, knacken die Schlösser und laden die Räder reihenweise in Transporter, um sie im Ausland zu verkaufen.

Von welcher Schadenssumme reden wir? 
Kopp: Im vergangenen Jahr haben wir in den beiden Landkreisen zusammen einen Gesamtschaden von rund 367 000 Euro registriert.

Wie viele Fahrräder werden wiedergefunden und unter welchen Umständen?

Kopp: Das lässt sich kaum beziffern, weil es dazu keine Statistik gibt, aber die Zahl ist allgemein gering. Dennoch gelingt durchaus mal ein größerer Fang. So konnten Kollegen in Bayern im September 2016 auf der A8 einen ganzen Transporter voller Fahrräder sicherstellen, die zum Großteil in Tübingen gestohlen worden waren. Damit die Räder aber auch als gestohlen identifiziert und dem Eigentümer zugeordnet werden können, braucht die Polizei bei einer Diebstahlsanzeige unbedingt die notwendigen Daten. Wir raten deshalb, Rahmennummer, Codierung und andere Daten sowie ein Foto in einem Fahrradpass parat zu haben.

Letztes Jahr lag die Aufklärungsquote deutschlandweit bei nur 8,8 Prozent. Das bedeutet auch: 9 von 10 gestohlenen Fahrrädern bleiben für immer verschwunden. Woran liegt das?

Kopp: Die Aufklärungsquote in diesem Deliktsbereich ist naturgemäß niedrig. Der Diebstahl eines Fahrrads geht schnell, wird kaum von Zeugen als solcher bemerkt und meist erst geraume Zeit nach der Tat angezeigt, sodass meist keine Ermittlungsansätze bestehen. Aber einer beim Kriminalkommissariat Tübingen seit Herbst 2016 für mehrere Monate tätigen Ermittlungsgruppe »Ducato« ist es gelungen, zahlreiche Mitglieder einer Tätergruppe aus dem ehemaligen Jugoslawien dingfest zu machen. Ihnen werden mehrere hundert Fahrraddiebstähle im Raum Tübingen zur Last gelegt. Sie sitzen in Haft, Anklage beim Landgericht Tübingen, auch wegen weiterer, schwerer Verbrechen, ist erhoben. Die Aufklärung dieser Fälle wird statistisch dann im Jahr 2017 zu Buche schlagen.

Was können Radler tun, um ihr Gefährt bestmöglich zu schützen?

Kopp: Es gilt, sein Rad immer ordentlich zu sichern und keinesfalls minderwertige Schlösser zu verwenden, die innerhalb von Sekunden geknackt sind. Geeignet sind nur besonders massive Bügel- oder Panzerkabelschlösser und das Rad sollte an einen festen Gegenstand angeschlossen werden.

Weitere Ratschläge findet man auch unter www.polizei-beratung.de.


    Interview von Isabelle Wurster