Einkaufen im Supermarkt, selbst in Bio-Märkten, entwickelt sich schnell zur Müllschlacht. Alles ist verpackt - manchmal doppelt oder sogar dreifach und meist mit Plastik. Und oft ist es gar nicht notwendig, wie bei der eingeschweißten Gurke. Bei Obst und Gemüse lässt sich der Verpackungsmüll noch recht einfach mit einem Besuch auf dem Wochenmarkt vermeiden. Doch bei Nudeln, Mehl, Schokolade oder Seife wird es schon schwieriger. Die Lösung bieten Unverpackt-Läden. Hier können Kunden die Waren in mitgebrachte Gefäße abfüllen. Die deutsche »Unverpackt«-Bewegung wurde Anfang 2014 in Kiel gestartet. Mittlerweile existieren über 40 Läden nach dem gleichen Konzept in Deutschland. Wir haben mit Lina Fritz der Inhaberin des Reutlinger Unverpackt Ladens »Fridi unverpackt« über das immer beliebter werdende Konzept gesprochen.

 

Frau Fritz, wie funktioniert ein Unverpackt Laden ganz praktisch?

Lina Fritz: Die Idee ist, dass die Kunden komplett auf Verpackungsmaterial beim Einkauf verzichten, also im besten Fall gar keinen Gelben Sack mehr zuhause brauchen. Sie bringen entweder ihre eigenen Vorratsdosen mit, der Kunde kann dann alles direkt in die eigenen Gläser oder Dosen einfüllen. Wer möchte kann auch Baumwollbeutel mitbringen oder bei uns kaufen. Dann wiegt der Einkauf weniger und lässt sich besser transportieren. Außerdem sind wir im Moment dabei einen Lieferservice aufzubauen. Ganz grundsätzlich decken wir das gesamte Sortiment eines Supermarktes ab. Wir haben über 700 Produkte im Angebot. Man kann also alles bei uns kaufen, was man für das tägliche Leben braucht. Inzwischen machen immer mehr Kunden ihren Wocheneinkauf bei uns und kommen zufrieden wieder. Wir sind natürlich ständig dabei unser Sortiment zu erweitern. Gerne nehmen wir auch Vorschläge von auf.

Wie entstand bei Ihnen die Idee einen Unverpackt Laden zu eröffnen?
Fritz (lacht): Aus der eigener Not heraus. Ich versuche mit meiner Familie schon seit Jahren auf Plastikverpackungen beim Einkauf zu verzichten. Bei Nudeln, Mehl und Hygiene Artikel kamen wir aber schnell an unsere Grenzen. Im Internet habe ich dann von Unverpackt Läden in anderen Städten Deutschlands gelesen und immer darauf gehofft, dass auch hier bei uns einer eröffnet. Aber nichts passierte, da meinte mein Mann: »Mach doch selbst einen Laden auf!« Und schon war die Idee geboren. Das war im Sommer 2016. 

Ist der Einkauf wirklich plastikfrei? Schließlich müssen ja
auch Sie die Waren beziehen.

Fritz: Natürlich kommen nicht alle Waren ganz ohne Plastik bei uns an. Bei, zum Beispiel, Nüssen geht das schon aus Gründen der Frische nicht. Aber in diesem Fall liefert der Hersteller große Gebinde an, so wie er sie selbst von den Produzenten angeliefert bekommt. Das Umverpacken in kleine, sogenannte verbraucherfreundliche Verpackungen, fällt weg. Viele Hersteller haben inzwischen auch ein Mehrwegsystem aus wiederverwendbaren Boxen und Eimern entwickelt. Wenn wir mit Lieferanten verhandeln, achten wir zum einen auf Regionalität und natürlich auf Hersteller, die möglichst Müll frei liefern. An dem Konzept arbeiten wir gemeinsam mit anderen Unverpackt Läden, damit immer weniger Verpackungsmaterial anfällt. Wir stehen da in engem Kontakt miteinander.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von den Kunden?
Fritz: Durchweg positive. Wir haben keine typische Kundschaft. Zu uns kommen Familien, Senioren, Alleinstehende: einfach ganz gemischt. Das Konzept spricht jeden an. Ein großer Vorteil für Alleinstehende und ältere Menschen ist, dass man genau die Menge an Lebensmittelen einkaufen kann, die man tatsächlich verbraucht. Man kann also beliebig kleine und große Menge einkaufen. Damit fallen natürlich auch keine Reste mehr an. Ein weiterer ökologischer Vorteil. Und Geld spart man darüber hinaus auch.