Glyphosat ist das meist verwendete Pestizid der Welt. Der Einsatz hat nicht nur verheerende Folgen für die Tierwelt, sondern auch für den Menschen. Nun hat die EU-Kommission allen Mitgliedsstaaten empfohlen, den Einsatz des Pflanzengiftes für weitere zehn Jahre zu erlauben. Der BUND und mehr als 40 europäische Umwelt-, Naturschutz- und Gesundheitsorganisationen sind dagegen und haben eine Kampagne gestartet. Mindestens eine Million Unterschriften für das Verbot braucht es, um sich im Europaparlament überhaupt Gehör zu verschaffen. Die Europäische Bürgerinitiative (EBI) hat auch die Region erreicht. Eine, die sich dafür stark macht und fleißig Unterschriften sammelt, ist Hildegard Graf-Welte aus Reutlingen. Wir haben mit der Pädagogin gesprochen.

Frau Graf-Welte, was ist Glyphosat?
Graf-Welte: Glyphosat ist ein Unkrautvernichter. Dieses Gift gelangt über den Boden und ins Wasser und damit in die Nahrungskette von Mensch und Tier. Die Weltgesundheitsorganisation vermutet krebserregende Stoffe darin und erteilt dem Mittel die Note »2A« - die zweithöchste Gefahrenstufe.

Wie ist der aktuelle Stand?
Graf-Welte: Seit 2011 gilt die EU-Pestizidverordnung 1107/2009, die eigentlich eine Wiederzulassung des gefährlichen Pestizids verhindern sollte. Aber Globalplayer wie der Chemiekonzern Monsanto kämpfen mit allen verfügbaren Mitteln logischerweise dagegen. Die EU-Kommission ging den Weg des vermeintlich geringsten Widerstands und entschied im vergangenen Jahr – allerdings erst nach der Enthaltung Deutschlands und trotz heftiger Proteste der Bevölkerung – Glyphosat für weitere 18 Monate zuzulassen. Unglaublich: Denn sonst wäre die Sache längst vom Tisch.

Und jetzt?
Graf-Welte: Wir leben in einem freien Land, wo zum Glück noch jeder seine Meinung frei äußern darf. Und wir wehren uns mittels einer gigantischen Unterschriftenaktion, die bislang knapp 800 000 Menschen unterzeichnet haben. Eine Million Stimmen müssen es bis Ende Juni sein, dann geht’s nach Brüssel. Der Protest geht also weiter. Denn die Wiederzulassung hätte niemals passieren dürfen.

Sind Sie guter Dinge, dass die Aktion erfolgreich endet? 
Graf-Welte: Ich hoffe es. Aber es müssen auch die Umweltverbände noch mehr für Aufklärung sorgen. Die Bauern und Kleingärtner machen es vor. Da kommt bei vielen keine Chemie zum Einsatz sondern bewährte Methoden wie beispielsweise der Pflug.

Was erwarten Sie von den deutschen Behörden?
Graf-Welte: An die Behörden und Politiker, die Verantwortung empfinden, geht ein klarer Auftrag, sich für die Gesundheit der Bevölkerung einzusetzen. Die Herstellung und Verbreitung von Glyphosat gehört verboten. Dieser Appell geht in erster Linie an Monsanto, respektive die Bayer AG, denn das Leverkusener Traditionsunternehmen hat den Chemiekonzern erst kürzlich aufgekauft. Die manipulierten und zu ihren Gunsten geschriebenen Scheinpublikationen, in denen auf die Harmlosigkeit immer wieder hingewiesen wird, sollten vom Markt verschwinden.
    Die Fragen stellte Gabi Piehler

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Europäische Bürgerinitiative gegen Glyphosat (EBI): Die EU erwägt, ob das Pestizid Glyphosat für weitere zehn Jahre zugelassen wird. Das will die EBI verhindern und braucht bis Ende Juni 1 000 000 Unterschriften. Mehr Hintergrundinfos stehen auf www. aktion.bund.net/europäische-bürgerinitiative-gegen-glyphosat und auf stopglyphosat.org/de