Sommerloch hin oder her: Der Fipronil-Skandal hat die deutschen Medien fest im Griff. Nun berichtet die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, dass doppelt gestempelte Eier über die Herkunft keine exakte Auskunft geben. Wir wollten es genauer wissen und haben mit Christiane Manthey, der Abteilungsleiterin für Lebensmittel und Ernährung gesprochen. 

Frau Manthey, ist die Eierwelt noch in Ordnung?
Christiane Manthey: Es kommt darauf an: Fipronil ist ein Insektizid, das gegen Läuse oder Milben wirkt. Es darf beispielsweise bei Hunden eingesetzt werden, aber nicht bei lebensmittelliefernden Tieren. Es wurde bisher in Millionen von Eiern aus den Niederlanden nachgewiesen, die allerdings auch in Deutschland verkauft und verarbeitet wurden. Einige Betriebe in Niedersachsen haben das betroffene Desinfektionsmittel »Dega 16«, das illegal Fipronil enthält, zur Desinfektion von Legehennenställen eingesetzt.

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Dadurch sind auch Eier mit niedersächsischem Erzeugercode betroffen. Im Moment scheint es so, dass Baden-Württemberg mit einem blauen Auge davon gekommen ist, weil bisher kein Fipronil in Eiern von Erzeugern aus Baden-Württemberg nachgewiesen wurde. Mit Ausnahme von Niedersachsen gilt das auch für weitere Bundesländer. Allerdings berichten uns Verbraucher von komplett ungestempelten Eiern im Handel und in einem Fall von einem widersprüchlichen Doppelstempel. Hier besagt der erste Stempel, dass es sich um ein Käfig-Ei aus den Niederlanden handelt und der zweite Stempel deklariert das Ei als Freiland-Ei aus Baden-Württemberg.

Der Verbraucher wird doch bewusst getäuscht?
Manthey: Welche Ursache die Doppelstempelung hat, wissen wir nicht. Tatsache ist, dass zwei widersprüchliche Stempel auf dem Ei nicht zulässig sind, weil das die Herkunft der Eier verschleiert.
Und Verpackungen mit ungestempelten Eiern sind ebenfalls unzulässig. Der Eierstempel ist eine Pflichtangabe, fehlende oder widersprüchliche Codes sind deshalb Verbrauchertäuschung, unabhängig davon, ob bewusst oder unbewusst.

Braucht es die Stempel überhaupt?
Manthey: Ja, natürlich. Wenn der Stempel korrekt angebracht ist, gibt er dem Verbraucher auf einen Blick wichtige Informationen zur Haltungsform der Legehennen und zur Herkunft der Eier. Und grenzüberschreitend kann man anhand des Erzeuger-Codes die Eier bis zum Stall zurückverfolgen, was sich im Falle Fipronil als sehr hilfreich erwiesen hat. Man veröffentlicht die Codes und ruft betroffene Eier im Rahmen einer Lebensmittelwarnung zurück. Diese Erzeugercodes kann man auch auf unserer Internetseite nachlesen.

Wie muss der korrekte Erzeugercode aussehen?
Manthey: Er besteht aus einem Zifferncode beginnend mit einer 0= ökologische Haltung oder einer 1=Freilandhaltung bzw. einer 2= Bodenhaltung oder 3=Käfighaltung, gefolgt von einem Länderkürzel wie DE (Deutschland), NL (Niederlande) oder BE (Belgien). Die anschließenden beiden Ziffern geben bei deutschen Eiern das Bundesland an, also beispielsweise 08 für Baden-Württemberg oder 03 für Niedersachsen. Die letzten Ziffern nennen die Betriebs- und Stallnummer.
Der Stempel auf dem Ei darf nicht mit der Packstellennummer verwechselt werden, die sich auf der Verpackung befindet. Packstellennummern beginnen immer mit dem Länderkürzel. So kann es sein, dass eine deutsche Packstelle niederländische Eier verpackt.

Bei Missachtung ist was zu tun?
Manthey: Findet man im Einzelhandel eine Packung mit ungestempelten Eiern, widersprüchlich oder unleserlich gestempelten Eiern, kann man das zuständige Veterinäramt informieren oder die Verbraucherzentrale.
Zu beachten ist allerdings, dass es toleriert wird, wenn in einem Eier-Karton bis zu 20% (in einem 10er Karton also bis zu 2 Eier) schlecht leserlich gestempelte Eier sind, beispielsweise mit verwischtem Stempel.

    Interview von Gabi Piehler