Er gehört zu denjenigen, die am »schmotziga Doschdig« für knapp eine Woche keinen Job mehr haben. Mario Storz (34) ist Bürgermeister in Engstingen. Rathauschefs sind die beliebten Opfer in der schwäbisch-allemannischen Fasnet, die am Öbersten, am 6. Januar beginnt. Dann entstauben landauf, landab die Narren ihr Häs und starten in die fünfte Jahreszeit. Einer ist bei der Fasnet mittendrin. Mario Storz. Aber nicht nur weil er in einer der Fasnetshochburgen der Region lebt und arbeitet. Der Schultes pflegt nämlich seit Kindesbeinen dieses Hobby und zieht sich selber ein Häs über. Aber nicht das der Großengstinger, sondern des Trochtelfinger Narrenvereins »Schrei Au«. Wir haben uns mit dem närrischen Schultes unterhalten.


Hallo Mario Storz, wann steigt denn die Anspannung: vor der Häsentstaubung oder ist sie etwa schon da?
Mario Storz: Die Vorfreude auf die nächste Fasnet steigt gleich nach der letzten Fasnet, wir stauben in Trochtelfingen das Häs nicht ab. Mit den Vorbereitungen starten wir immer so richtig nach den Sommerferien.

Wie läuft das dann bei Euch ab?
Storz: Die heiße Zeit beginnt im Grunde vor Weihnachten. Man muss viele Sachen vorbereiten und organisieren, herrichten, dass man vorbereitet ist, wenn es dann auf die Hauptfasnet geht.

Was machen Sie dann am 6. Januar?
Storz: Am 6. Januar? Nichts, da laufen bei uns in Trochtelfingen nur die Heiligen Drei Könige verkleidet durch’s Städtle.

Wann geht es dann richtig los?
Storz: Wir gehen meistens nach Drei-König auf die ersten Umzüge. Dieses Jahr aber etwas später, weil die Fasnet a bissle länger ist. Der 6. Januar hat bei uns selber keine besondere Bedeutung. Die Hexen machen am 11.11. ihre Hexentaufe und die meisten anderen Gruppen treffen sich zu einem Stammtisch zum Auftakt der Saison.

Warum ist das so?
Storz: Die Fasnet in Trochtelfingen ist nicht rein schwäbisch-allemanisch. Wir sind ein freier Narrenverein und die erste urkundliche Erwähnung unserer Städtlemer Fasnet finden wir bereits im Jahr 1565. Wir sind vor allem auch durch karnevalistische Elemente geprägt. Trochtelfingen hat ja früher zu Preußen gehört. Im 19. Jahrhundert sind dann Lehrer aus Trochtelfingen in Boppard im Rheinland ausgebildet worden und haben von dort dann karnevalistische Elemente mitgebracht haben. Wir haben einen ganz eigenen Fasnetsstil, auch mit Elementen aus der schwäbisch-allemanischen Fasnet wie Masken und Hästräger. Aber wir haben beispielsweise auch ein Prinzenpaar und eine Prinzengarde.

Man merkt, sie kennen sich aus, Sie sind mittendrin. Wie lange sind Sie denn schon im Narrenverein?
Storz: Meine Mutter hat mich damals schon im Kinderwagen in ein Bärenfell eingepackt und mit auf die Fasnet genommen (lacht). Fasnet hat bei uns daheim immer eine große und wichtige Rolle gespielt. Meine Oma war schon aktiv, mein Vater war lange Jahre im Narrenrat und stellvertretender Narrenmeister.

Wie lief es bei Ihnen persönlich?
Storz: Ich war immer bei den Bären aktiv, 2008 bin ich in den Narrenrat gekommen, dann war ich bis 2013 Narrenschreiber, bis ich in Engstingen Bürgermeister geworden bin. Dann war es einfach zu viel.
Grundsätzlich war und ist bei mir die Fasnet ein fester Bestandteil im Jahresablauf. Sie gehört im Städtle einfach dazu. Wenn man damit aufgewachsen ist, dann gehört es zum Leben dazu. Auch der ganze Freundeskreis ist in der Fasnet aktiv. Einmal Narr, immer Narr, im Städtle ist die Fasnet ein Lebensgefühl.

Das ist eine schöne Überleitung: Nun sind sie ja Bürgermeister. Wie lässt sich die Fasnet mit ihrem Job vereinbaren?
Storz: Das lässt sich zum Glück ganz gut vereinbaren. Die Engstinger haben dafür auch Verständnis und ich bin ja als Bürgermeister bei allen wichtigen Fasnetsterminen in Engstingen mit dabei.

Wie läuft es dann beim Rathausstrurm?
Storz: Ich werde zum Glück so rechtzeitig abgesetzt am Schmotziga Doschdig, dass es mir selber auch noch auf die Fasnet reicht.

Das wäre die nächste Frage gewesen: Was machen sie beim Rathaussturm?
Storz: Erst werde ich im Rathaus Engstingen gestürmt, dann helfe ich beim Stürmen vom Rathaus Trochtelfingen. In Engstingen ist er vormittags, in Trochtelfingen nachmittags um 17 Uhr. Das passt ziemlich gut.

Und die anderen Termine?
Storz: Der Fasnetssamstag mit dem großen Umzug ist in Engstingen der wichtigste Tag, da bin ich selbstverständlich immer mit dabei: von der Narrenmesse über den Zunftmeisterempfang bis zum Umzug. Der große Haupttag in Trochtelfingen ist der Rosenmontag. Da sind die Engstinger auch ganz oft zu Gast. Und natürlich gehört der Bürgerball in Engstingen auch zum Pflichtprogramm.

Wie oft sind sie auf Umzügen und Brauchtumsabenden, bei denen man Sie als Mario Storz nicht erkennt ?
Storz: Wenn ich keine Termine habe, dann bin ich auf Umzügen immer mit dabei. Aber zu erkennen bin ich ganz einfach. Ich bin ja Narrenrat und habe deshalb keine Maske auf mit unseren roten Hüten auch ein auffallendes Häs. So gesehen ist es auch witzig, wenn ich mit den Trochtelfingern auf einem Umzug bin und dann die Engstinger Narren treffe.

Was sagen eigentlich ihre Bürgermeister-Kollegen dazu?
Storz: Es ist immer lustig und schön, wenn man sich beim Zunftmeisterempfang oder auf Umzügen, beispielsweise in Oberstetten oder in Hayingen sieht, wir haben‘s dann meistens auch recht witizig…

Was sagt Ihr Kollege Christoph Niesler, wenn Sie sein Rathaus stürmen?
Storz: (lacht) Er freut sich immer, wenn wir kommen. Für ihn wäre es, glaub ich, auch eher eine Strafe, wenn wir sagen würden, du bleibst über die Fasnet im Rathaus.

Was sagen die Engstinger Narren dazu, dass sie einen Bürgermeister haben, der auch aktiv ist, halt eben nicht bei ihnen?
Storz: Ich glaube die freuen sich. Das Verständnis für die Bedeutung der Fasnet für mich persönlich ist bei den Engstinger Narren schon vorhanden, vor allem, weil ich auch schon so lange in Trochtelfingen aktiv bin. Die Fasnet spielt natürlich auch in Großengstingen eine wichtige Rolle. Ich glaube, sie freuen sich, dass sie einen Schultes haben, der nicht nur zwangsläufig dabei sein muss, sondern dem das auch eine Herzensangelegenheit ist und der mit der Fasnet etwas anfangen kann. Es gibt ja durchaus auch Kollegen, für die ist die Fasnet nicht unbedingt der Hit des Jahres ist.
  

 Interview von Dieter Reisner