Wieland Backes, der durch seine »Nachtcafe«-Zeit einem großen Fernsehpublikum noch bestens in Erinnerung sein dürfte, hat das Fach gewechselt. Er spielt jetzt Theater. In dem Stück »Der Sheriff von Linsenbach« schlüpft der Fernsehjournalist in die Rolle des Pförtners Kunz. Am morgigen Freitag steht der 71-Jährige in Metzingen auf der Bühne. Wie es dazu kam wollten wir genauer wissen und haben nachgefragt.


Herr Backes ist Ihnen langweilig?
Backes: Kein bisschen! Die Moderation meiner Sendung »Ich trage einen großen Namen«, mein Engagement für das Literaturhaus Stuttgart, die Ausbildung von Nachwuchsmoderatoren…
Das alles klingt, glaube ich, nicht nach Langeweile. Ganz aktuell habe ich auch noch »Aufbruch Stuttgart« mitgegründet – eine Initiative zur Neugestaltung der »Kulturmeile«. Es ist fast zu viel. Aber das Theaterspielen ist einfach ein Stück Verrücktheit, das ich mir im Alter mit Vergnügen gönne.

Haben Sie schon jemals Theater gespielt?
Backes: Meine Eltern waren Lehrer und schleppten mich schon als Kleinkind auf die Bühne des Schultheaters. In der Unterprima inszenierte ich mit meinen Freunden dann »Pygmalion« von George Bernard Shaw. Und ich durfte den Professor Higgins spielen, für mich damals – Sie kennen sicher die Figur aus »My fair Lady« – die Erfüllung eines Traums.

Was hat Sie dazu bewogen in die Rolle des Pförtners zu schlüpfen?
Backes: Das entschieden letztlich die Regisseurin und der Intendant. Die waren ja mutig genug, einen absoluten Laien, wie mich auf Ihre professionelle Bühne zu lassen. Die Rolle von Pförtner Kunz schien ihnen wohl klein genug, damit das Risiko überschaubar blieb.

Und wie war das mit dem Text lernen?
Backes: Da hatte ich anfangs große Angst davor. Aber dann habe ich die für mich richtige Methode gefunden: Ich nehme die Dialoge – einmal mit und einmal ohne den eigenen Part – mit meinem Smartphone auf. Die Aufnahmen spiele ich mir dann – vorzugsweise beim Joggen – immer wieder vor und spreche sie lauthals nach. 

Das Stück ist eine schwäbische Komödie, in der der 2011 verstorbene Filmemacher, Autor und Kritiker Oliver Storz die heile Kleinstadtidylle auf die Schippe nimmt. Perfekt, um darüber nachzudenken, was »hinter den Kulissen« los ist oder nicht?
Backes: Intendant Friedrich Schirmer, sagt es sei ein Stück über schwäbischen Fundamentalismus. Die Dialoge von Oliver Storz treffen in der Abbildung der Schwabenseele mitten ins Schwarze, sie charakterisieren und sie entlarven. Für jemand wie mich, der fast seit Geburt unter Schwaben lebt, ein Hochgenuss. 

Im Oktober 2015 war Premiere. Wie oft standen Sie seither auf der Bühne?
Backes: Ich weiß gar nicht, ob ich richtig mitgezählt habe, aber so ungefähr waren es bis jetzt 25 Auftritte.

Wenn Sie nicht Theater spielen, wie sieht dann ihr Alltag aus?
Backes: Das Theater ist – außer wenn Proben für ein neues Stück anstehen – nur das kleine Sahnehäubchen auf einem ansonsten schon sehr erfüllten Leben in einer glücklichen Familie. Da mein jüngstes Kind erst
12 ist, bin ich als moderner Vater natürlich sehr gefragt. Da muss ich manchmal schon darum kämpfen, genügend Zeit für meine ganz persönlichen Leidenschaften freizuschlagen.

Die Fragen stellte Gabi Piehler

 

Kurz-Vita zu Wieland Backes

• Wieland Backes wurde 1946 als sechstes und jüngstes Kind in Feldbach, Österreich, geboren. Seine Eltern waren geflüchtete Rumäniendeutsche aus dem Banat. Er wuchs im Raum Stuttgart auf, drehte bereits mit 16 seinen ersten kleinen Spielfilm und stand wenig später bei Schulveranstaltungen erstmals als Moderator auf der Bühne.

• Ab 1968 studierte er Chemie und Geografie an der Universität Stuttgart. Ein Forschungsaufenthalt in der Republik Irland schloss sich dem Staatsexamen an.

• 1978 wurde er mit einer Arbeit über Planung und Lebensqualität in Großstadtregionen zum Dr.rer.nat. promoviert.

• Als Hospitant und anschließend freier Mitarbeiter begann er 1973 beim Fernsehen des Süddeutschen Rundfunks (SDR) seine Berufstätigkeit. Seit 1975 ist er als Moderator auf dem Bildschirm präsent. In der Abendschau Baden-Württemberg war er als Reporter, Redakteur und Moderator tätig und leitete von 1981 bis 1986 dieses Magazin.

• 1987 gründete Backes im SDR die neue Redaktion Unterhaltende Information. Er gilt als einer der Wegbereiter der »Journalistischen Unterhaltung«.
• 1982 begründete er mit Kabarettist Mathias Richling dessen erste aktuelle Fernsehsatire.

• 1987 startete Wieland Backes im Schloss Favorite in Ludwigsburg seine Talkshow Nachtcafé, mit der er nach Kritikermeinung (Die Zeit vom 31. Mai 2000) zum »ungekrönten König des Niveau-Talks« avancierte. Die Sendung, seit 2001 wöchentlich im Programm, entwickelte sich zum Flaggschiff des SWR Fernsehens und machte Backes auch bundesweit bekannt. Das Nachtcafé entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Formate des SWR-Fernsehens.

• Neben dem Nachtcafé moderierte Backes von 1988 bis 1992 die Personality-Show »Auf der Couch« mit Stargästen wie Senta Berger, Mario Adorf, Inge Meysel, Dieter Hildebrandt, Marcel Reich-Ranicki und Udo Jürgens. Die Sendung war 1992 auch im Hauptabendprogramm der ARD zu sehen.

• Wieland Backes realisierte neben seiner Arbeit als SDR-Moderator auch verschiedene Dokumentarfilme. 1975 machte er in »Ausverkauf einer Region« die Umwelt- und Lebensbedingungen im Ballungsraum Stuttgart zum Filmthema, und 1981 drehte er mit »Im Turm« einen Film über die Hausbesetzer in Berlin (für die ARD-Reihe »Unter deutschen Dächern« von Radio Bremen).

• 1999 übernahm er auch die Moderation der inzwischen wöchentlichen Sendung »Ich trage einen großen Namen«, ein Ratespiel um die Nachfahren berühmter Vorfahren, das zu den erfolgreichsten Sendungen des SWR-Fernsehens zählt.

• 2009 gab Wieland Backes den Anstoß zur Gründung des »Instituts für Moderation« an der Hochschule der Medien in Stuttgart, das sich die Ausbildung und Förderung von Nachwuchstalenten zum Ziel machte.

• Im Oktober 2010 wurde er zum Honorarprofessor ernannt.

• Im Februar 2012 feierte das Nachtcafé 25-jähriges Jubiläum. Wieland Backes ist mit seiner Sendung der deutsche Talkmaster mit der längsten Bildschirmpräsenz. Nach fast 28 Jahren und 706 Sendungen moderierte er seine letzte Ausgabe des Nachtcafés mit dem Titel »Happy End« am 12. Dezember 2014.