Wie die Zeit vergeht: Es ist noch nicht allzu lange her, da liefen nicht nur die kommunalpolitischen Fäden in der Pressestelle des Reutlinger Rathauses zusammen, sondern auch jene aus dem Freizeitsektor. Wo kann Mann/Frau/Kind was erleben, wollten viele wissen. Das Arbeitsaufkommen wuchs rasant an – das damalige Team stieß an seine Grenzen. Eine neue Stelle musste her. Und so kam Tanja Ulmer, Diplom-Geografin und Marketing Spezialistin aus Fürth nach Reutlingen. Das war vor 15 Jahren. Was bis dato alles geschah wollten wir genauer wissen und haben uns mit Ihr unterhalten.


Hallo Frau Ulmer, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum 15-jährigen Bestehen der Startmarketing und Tourismus Reutlingen GmbH - kurz StaRT. Eine tolle Sache, oder?

Ulmer: Ja, 15 Jahre sind schnell vergangen. Wenn man zurück blickt und sieht, was sich in diesen Jahren alles verändert hat, ist es schon eine tolle Entwicklung.

2002, als Sie von Fürth nach Reutlingen kamen, was dachten Sie über die hiesigen Verhältnisse?
Ulmer: Ich war beeindruckt von der Großstadt Reutlingen, als wirtschaftliches Schwergewicht, gepaart mit schwäbischem Charme, der sich in allen zwölf Stadtbezirken wiederfindet. Eine quirlige Innenstadt mit starkem Einkaufsangebot und Wochenmarkt. Dazu das breite Angebot sowohl im Freizeit- als auch im Kulturbereich, und schon damals die Wettbewerbssituation mit Metzingen; viele engagierte Akteure. Für mich eine sehr vielversprechende Mischung.


Reutlingen war ja nun nicht gerade der touristische Hot-Spot. Oder? 
Ulmer: Stimmt. Aber seitdem sind sowohl im Tagestourismus als auch im Übernachtungstourismus die Potentiale gut genutzt worden. So konnte die Zahl der Übernachtungen um mehr als 50 Prozente gesteigert werden. Die Zugehörigkeit zum Biosphärengebiet ist ein großes Plus. Reutlingen verbindet Stadt und Land mit seinen kulturellen und städtischen Angeboten in der nachhaltigsten Region Deutschlands.

Die Nachfrage nach Freizeitangeboten stieg rasant an. Alsbald wurde die StaRT mit Ihnen als Chef gegründet? 
Ulmer: Zu Beginn waren wir mit vier Mitarbeitern noch am Bahnhof angesiedelt. Bald folgte der Umzug in eigene Räumlichkeiten ins Gerberviertel und 2009 die Tourist Information am Marktplatz.

Seither ist viel passiert. Jährlich gibt’s tolle Projekte. Was war für Sie bislang die größte Herausforderung?
Ulmer: Es ist schwer zu sagen, was die größte Herausforderung war. Zum Beispiel war die Dino-Aktion 2007 in Zusammenarbeit mit RTaktiv e.V. das erste große Netzwerkprojekt. So große Tiere im öffentlichen Raum hatte es davor im gesamten Großraum noch nicht gegeben. Auch mit der Aktion »WunschLOS« mit rund 800 000 ausgegebenen Losen haben wir Neuland betreten. Und das »Stadtfest Reutlingen« hat sich von einem Straßenfest hin zu einem Plätzekonzept mit Stars wie beispielsweise Max Giesinger entwickelt. Neue Projekte und die Weiterentwicklung von Bewährtem, alles ist eigens auf Reutlingen abgestimmt. Das macht die Arbeit so spannend.

Und bislang die größte Anerkennung?
Ulmer: Die größte Anerkennung ist die Zufriedenheit der Gäste und Bürger, die sich in vielen positiven Rückmeldungen widerspiegelt. Abgesehen davon haben wir 2009 den Touristikpreis der Sonntag Aktuell erhalten. Und sind nach zweimaliger Teilnahme in der Endrunde dieses Jahr – passend zu unserem 15-jährigen Jubiläum – mit dem Stadtmarketingpreis Baden-Württemberg für die »Science City Reutlingen« ausgezeichnet worden. Eine tolle Gemeinschaftsleistung von allen Partnern.

Wie viele Mitarbeiter sind es heute?
Ulmer: Zurzeit sind wir insgesamt 16 Mitarbeiter/innen, einige in Teilzeit. Am meisten freue ich mich darüber, dass wir unseren Auftrag als Ausbildungsbetrieb und dualer Hochschulpartner seit einigen Jahren wahrnehmen können.

Was ist Ihr nächstes großes Ziel?
Ulmer: Wichtig ist die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit Reutlingens. Mit der Digitalisierung verändern sich Tourismus, Einzelhandel, Verhalten der Besucher und Bürger und damit auch das Gesicht unserer Stadt. Die Stadt wird als Treffpunkt und Ort der Kommunikation immer wichtiger. Somit wird die Vernetzung unterschiedlicher Bereiche bedeutender. Nur ein ganzheitliches Erlebnis »Stadt« mit Angeboten für Kinder, Familien, aber auch Kulturinteressierte, Studenten und Senioren kann begeistern. Stadtmarketing will hierbei seinen Beitrag leisten, den Standort Reutlingen voranbringen.

Die Outlet-City Metzingen in unmittelbarer Nachbarschaft zieht jährlich über drei Millionen Besucher aus aller Welt an. Zahlen von denen Reutlingen nur träumen kann. Wäre künftig eine engere Verzahnung mit der dortigen MMT vorstellbar?
Ulmer: Wir arbeiten touristisch schon seit Jahren eng mit Metzingen und der MMT zusammen. Zum Beispiel präsentieren wir uns auf der CMT mit Metzingen und Tübingen gemeinsam und kooperieren auch auf anderen Gebieten. An weiteren Projekten planen wir bereits.

    Die Fragen stellte Gabi Piehler