REUTLINGEN. Das alte Fachwerkgemäuer in der Wilhelmstraße 127 platzte schier aus allen Nähten. Der Grund: Staatsministerin Annette Widmann-Mauz hatte sich angekündigt. Und das zieht in der Regel einen Pressetross hinter sich her. Die Christdemokratin, die seitens der Bundesregierung auch Beauftragte für Migration und Flüchtlingsarbeit ist, wollte mit eigenen Augen sehen, wie Asylbewerber beruflich integriert sind. Beim Biobäcker Berger war sie da genau richtig. Denn hier sind gleich fünf junge Männer in Lohn und Brot. Sie kommen aus Afghanistan, Syrien, Nigeria und Togo. Manch ein Name ist schier unaussprechlich, aber das sei alles kein Problem, versicherte Hubert Berger. Denn trotz der unterschiedlichen Nationalitäten werde in seinem Haus Deutsch gesprochen. Widmann-Mauz staunte nicht schlecht und unterhielt sich rege mit den Azubis. So erfuhr sie, dass die meisten Hefezopf, Brezeln und vor allem Körnerbrot lieben. Einer der jungen Männer hat sogar in seinem Heimatland schon als Bäcker gearbeitet, wurde allerdings bei seiner Einreise gar nicht nach seinen beruflichen Fähigkeiten gefragt. Dass müsse sich ändern, so die Staatsministerin. »Wir brauchen die Menschen. Und genauso brauchen wir ein Fachkräftegesetz«.
Dadurch soll der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt geregelt und eine mögliche Abschiebung verhindert werden. Kreishandwerksmeister Dieter Laible stimmte dem zu, weiß er doch selbst, wie schwierig es ist gute Leute zu gewinnen. In seinem Friseursalon erlernt derzeit eine junge Frau aus Afghanistan das Friseurhandwerk. Der Kammerbezirk steht dennoch gut da. Udo Steinort von der hiesigen Handwerkskammer brachte die neuesten Zahlen mit. Demnach haben 139 geflüchtete Frauen und Männer eine Lehre im Handwerk begonnen. Das sind 6,8 Prozent der 2050 Neuabschlüsse. Zurzeit werden insgesamt 269 Flüchtlinge im Kammerbezirk ausgebildet.                                                                                                                                                     –pi