ROMMELSBACH. Ein runder Geburtstag ist immer eine Feier wert. 20 Jahre gibt es ihn jetzt schon: den Buchladen Rappertshofen. Und in diesen zwei Dekaden sind schon Unmengen von Krimis, Liebesromanen, Fantasy-Abenteuern und Fachliteratur über den Ladentisch gegangen. Das Besondere ist, dass in dem Buchhandel in der Ortsmitte zunehmend Menschen mit Handicap ihrer Arbeit nachgehen. Angefangen hatte es damit, dass Manfred Sonntag mit einigen Leseratten, die seine Passion für das geschriebene Wort teilten, im Erdgeschoss in Rappertshofen einen Buchladen eröffnete. Doch dort wurde unter anderem bald der Platz knapp und man wollte die Welt der Bücher mit noch viel mehr Menschen teilen. So kam es, dass im November 1998 im Reutlinger Stadtteil Rommelsbach der Buchladen Rappertshofen in der Ermstalstraße Nr.2 Einzug hielt.

»Geschafft wie ein Brunnenputzer«

Auf die Frage, was sie an dem Tag der Eröffnung gemacht hat, antwortete Franziska Schiller keck: »Geschafft wie ein Brunnenputzer. Am ersten Tag war sehr viel los«, erinnert sich die Frau im Rollstuhl, die neben ihrer Arbeit im Buchhandel auch gerne auf Reutlingens Theaterbühnen unterwegs ist. So ist sie in den kommenden Wochen in der Tonne in den Stücken »Diktatoren UA« und »Die Dreigroschenoper« zu sehen. »Franziska Schiller gehört zum Buchladen, wie die Kasse und die Bücher, zum Inventar«, so die anerkennenden Worte von Friedrich Haselberger, Bereichsmanager der Werkstätten und Service der LWV. Eingliederungshilfe. Auch er erinnert sich noch lebhaft an die Eröffnung des Rommelsbacher Buchladens und an die eine oder andere Herausforderung im Vorfeld. »Am Anfang hatten wir keine Treppe«, so Haselberger. Die wurde wohl vergessen, konnte aber noch rechtzeitig zum Eröffnungstag eingebaut werden. »Die Nacht vor der Eröffnung war für alle Mitwirkenden eine lange Nacht«, so das Resümee des Bereichsmanagers. 
Aber nicht nur die Nacht davor - auch der Tag hatte es ganz schön in sich. Das mag auch daran gelegen haben, dass damals eine Postagentur im Haus eingerichtet war. Noch heute kämen Leute vorbei, um ihre Briefe loszuwerden. Die müsse man dann darüber aufklären, dass es die Postannahmestelle schon lange nicht mehr gibt. Dafür bietet der Laden neben den Büchern auch weitere Dienstleistungen an, wie Ticketverkauf, Online-Shopping und ein Sortiment an Schreibwaren und Geschenkartikeln.

Gelungene Inklusion

Obgleich dieses Wort damals noch gar nicht in aller Munde war, schafften es die Verantwortlichen der LWV. Eingliederungshilfe und die Mitwirkenden des Buchladens Rappertshofen, ihr Geschäft zu einem Ankerplatz in der Rommelsbacher Gemeinde zu machen. »In 20 Jahren ist es uns gelungen, besonders attraktive und qualifizierte Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap nicht nur zu erhalten, sondern sogar deren Zahl auszubauen«, so Enrique Herrera, Leiter der Werkstätten und Service in Rappertshofen. »Dabei haben wir immer gemeinsam mit unseren Klienten auch eine große Fachkompetenz im Buchhandel aufgebaut.« Heute arbeiten neun Menschen mit einer schweren Behinderung im Buchladen. Zusätzliche finanzielle Unterstützung erhält man durch Zuschüsse des Landkreises. Und anders als bei so mancher Online-Konkurrenz können Angestellte sowie Kunden hier einfach Mensch sein. Letztere können im Laden nach Herzenslust in Büchern stöbern oder mit dem belesenen Personal ein Schwätzchen halten.                                                                                                                                                                                                                  –boe