BAD URACH. Eine neue Ära beginnt. Das renommierte Hotel am Berg ist verkauft. Die neuen Besitzer heißen Helmut und Gunther Single, kommen aus Nürtingen und sind entfernt miteinander verwandt. Der eine ist Freier Architekt, der andere Inhaber des gleichnamigen Stukkateurbetriebes. Geht es nach den beiden könnte schon bald der Hotelbetrieb wieder laufen. In Anlehnung an den Albtrauf käme auch ein Sporthotel samt Wellnessbereich infrage oder eventuell eine Seniorenresidenz. Der rechte Gebäudeteil könnte aber auch separat in Betrieb gehen. Vorstellbar wären Arztpraxen oder Anwaltskanzleien - den herrlichen Ausblick in Richtung Hohenurach gäbe es gratis dazu. Doch zunächst einmal wird ein Betreiber gesucht. Im nächsten halben Jahr soll die »Partnersuche« beendet sein. Gespräche in die Richtung laufen bereits. »Wir sind variabel«, sagt Gunther Single.  Der Architekt verweist auf die Villa Behr in Wendlingen am Neckar, die Parallelen aufweist. Dort haben die beiden die alte Behr-Kantine zu neuem Leben erweckt. Heute hat das 1910 erbaute, denkmalgeschützte Haus drei Bereiche - Hotelbetrieb, die Osteria Bonomi, die kulinarische Besonderheiten anbietet und die angegliederte Vinothek.

In Bad Urach möchten die Singles den Ballsaal wieder beleben. Dort, wo früher rauschende Feste stattfanden, soll’s Leben zurückkehren. Hochzeiten und große Gesellschaften fänden ein traumhaftes Ambiente vor. Der Gewölbekeller, der möglicherweise auch separat erreicht werden kann, bietet sich perfekt als Jazzkeller samt Bar an. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Denn Jahre des Leerstandes haben Spuren hinterlassen. Kaputte Dielen und Decken, verdrecktes und heruntergekommenes Inventar, ganz zu schweigen von den zurückgelassenen Überbleibseln der letzten »Bewohner« - hier muss von Grund auf einiges passieren. »Wir gehen in gewisser weiße ein großes Risiko ein«, sagen die Inhaber und fügen hinzu: »Man muss mit der kaputten Substanz umgehen können«. Das relativ-große in den Hang rein gebaute Grundstück stellt ebenfalls eine Herausforderung dar. »Die Erschließung werden wir neu definieren«.

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Bewegte Geschichte
Gastwirtschaft mit Brauerei und Landwirtschaft, Reserve-Lazarett, Kurhaus, Hotel mit Kino, Erholungsheim für französische Kinder und letztendlich doch wieder Hotel: Wenn Wände reden könnten, kämen vermutlich noch viele spannende Geschichten hervor. Vor 190 Jahren legt Johannes Bichteler den Grundstein für das Anwesen - ein vermögender Bierbrauer aus Isny. Das Landgut »Berg« erfährt danach ein ziemliches Auf und Ab. Die Eigentümer wechselten rege. 1952 erwirbt die Stadt Bad Urach das am Rande der Kernstadt dominante Haus, renoviert es aufwendig und betreibt es von 1954 bis zum Verkauf an die Familie Mayer im Jahre 1965 über Pächter. Der letzte Besitzer war ein Russe. Doch seit zwei Jahren steht das Haus leer. Nun kommt Gunther Single ins Spiel. Der Architekt radelte mit seinem Mountainbike dran vorbei und hat sich wohl ziemlich schnell in das Anwesen »verguckt«. Single machte sich schlau. Die Stadtverwaltung half bei der Suche nach dem letzten Besitzer und so kam man ins Geschäft. Für Elmar Rebmann ein Glücksfall, gehört doch damit der Zerfall des Hauses der Vergangenheit an. »Beide Herren sind durchaus erfahren in der Gebäudesanierung«, so der Bürgermeister. Und die ist dringend nötig. Läuft alles nach Plan, könnte es in zwei Jahren ein rauschendes Fest zur Wiedereröffnung geben.