Es hätte so schön sein können: Die Regionalstadtbahn (RSB) als »Revolution« des hiesigen Schienenverkehrs mit Verbindung quer durch die Kreise Tübingen und Reutlingen – von Herrenberg bis auf die Schwäbische Alb. Ein großer Traum der Nahverkehrsplaner, angelehnt an das »Karlsruher Modell« für Tram-Train-Systeme in dem 1992 erstmals eine Zweisystemstadtbahn im engeren Sinne eingeführt wurde, um umsteigefreie und damit attraktive Stadt-Umlandverbindungen zu schaffen. Nach den neuesten Erkenntnissen steht die RSB jedoch wohl kurz vor ihrem Aus. 
Es geht mal wieder um das liebe Geld. Von Anfang an war klar, dass ein solches Mammutprojekt mit einer Streckenlänge von 190 Kilometern, davon 44 Kilometer, die neu gebaut werden und 166 Kilomter, die elektrifiziert werden müssten, nur mit Bundesmitteln aus dem so genannten Gemeindeverkehrsfinanzierungs-Gesetz (GVFG) sich realisieren lassen würde. Diese Förderung läuft aber 2019 aus. Da das gesamte Projekt sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht realisieren lassen würde, entstand die Idee zunächst das Modul 1 umzusetzen. Hierbei handelt es sich um baureife Abschnitte wie die Elektrifzierung der Ammertalbahn zwischen Herrenberg und Tübingen und der Ermstalbahn zwischen Metzingen und Bad Urach. Außerdem sollen auf der Neckar-Alb-Bahn zwischen Tübingen und Metzingen neue Haltestellen gebaut werden. 
Die Vorteile für die RSB liegen auf der Hand: 28 000 Fahrgäste könnten nach einer Untersuchung vom Auto auf die Schiene umsteigen, rund 100 000 Personen wären täglich mit der Stadtbahn in der Region unterwegs. Berufspendler würden ebenso profitieren wie der Tourismus. Doch nun scheint der Zug für die Stadtbahn abgefahren. Hintergrund ist ein Gespräch kurz vor Ostern auf höchster Ebene. Die Landräte der Landkreise Reutlingen und Tübingen, Thomas Reumann und Joachim Walter sowie Annette Widmann-Mauz, Parlamentarische Staatssekretärin und Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Tübingen und Michael Donth, Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Reutlingen trafen sich mit dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Enak Ferlemann (MdB) zu einem Gespräch bezüglich der weiteren Vorgehensweise in Sachen Regional-Stadtbahn Neckar-Alb.

Was harmlos klingt, hat erhebliche Brisanz. Auslöser für den dringenden Gesprächsbedarf der Landräte war eine Information aus dem baden-württembergischen Ministerium für Verkehr und Infrastruktur, die Anlass zur Sorge bot, dass das Land sich nicht mehr an die in vergangenen Gesprächen gefundene gemeinsame Abstimmung bezüglich der Umsetzung des ersten Moduls für die Regional-Stadtbahn gebunden fühlt. Und die Antwort von Ferlemann war alles andere als beruhigend. Er erläuterte, dass sich Bund und Länder im Rahmen der sogenannten Föderalismuskommission darauf geeinigt hätten, dass es keine direkten Finanzbeziehungen des Bundes zu den Kommunen mehr geben dürfe. Für die Fortführung des Bundes-GVFG, auf die sich die Länder mit dem Bund bereits grundsätzlich geeinigt haben, ist genau dies aber der Fall. 
Auf gut Deutsch: Es gibt kein Geld mehr vom Bund für die RSB. Außer eine Änderung des Grundgesetzes werde herbeigeführt, die aber frühestens im Herbst und völlig unwahrscheinlich ist. Gibt es kein Geld mehr vom Bund, heißt dies im Klartext nichts anderes, als dass die Kommunen das Risiko der Gesamtfinanzierung mit über 100 Millionen Euro tragen. 
»Mit der raschen Umsetzung von Modul 1 wollen die Landkreise Reutlingen und Tübingen den Einstieg in das Generationenprojekt Regional-Stadtbahn Neckar-Alb schaffen. Schließlich geht es um eine wichtige Zukunftsentscheidung für die Verkehrsinfrastruktur unserer ganzen Region«, betonte Landrat Thomas Reumann. Das klingt so ein bisschen wie das Pfeifen im dunklen Wald. Ganz gleich ob Metzingen, Dettingen oder Bad Urach – keine der Ermstalgemeinden wird sich angesichts eigener finanzieller Prioritäten in ein Abenteuer stürzen, das am Ende zwar ein Vorzeigeprojekt nicht nur für die Region sondern das ganze Land wäre, aber die Kommunen in den Bankrott führt. So bleibt die Regionalstadtbahn wohl ein Traum, der in den nächsten zehn bis 20 Jahren weiter geträumt werden darf.