Kein Tag vergeht, ohne dass Handzettel im Briefkasten landen, die Straßen sind voll plakatiert und vor einem liegen ein Haufen Wahlzettel, die einem die Gemeinde ins Haus geschickt hat. Während bei den gleichzeitig stattfindenden Europawahlen ein Kreuz an der richtigen Stelle reicht, sind die Kommunalwahlen richtig Arbeit. Hier kann nämlich jeder seinen Gemeinderat so zusammensetzen wie er ihn gerne hätte. Viele die sich bewerben, kennt man persönlich, aber welche Politik vertritt derjenige oder die Partei für die er antritt: Wir geben von der Alb bis zur Ermsmündung, einen kleinen, kein Recht auf Vollständigkeit reklamierenden, Überblick. Vier Fraktionen treten in Münsingen: Auffällig: Die CDU schickt keine Kandidaten ins Rennen, bleiben die Freien Wähler, die Grünen, die SPD und die FDP übrig. Übergreifend haben alle Fraktionen den Erhalt der Albklinik auf der Agenda. Bezahlbarer Wohnraum ist den Freien Wählern wichtig, bei den Grünen ist es das Thema Mobilität, sei es eine fahrradfreundliche Stadt, die Anbindung an die Regionalstadtbahn oder der ÖPNV. Bei der SPD steht die soziale Gerechtigkeit im Mittelpunkt: Familien stärken, Bildung fördern und die VHS und die Stadtbücherei erhalten. Die Freien Demokraten wollen mit ureigenen Themen punkten von der Stärkung des Wirtschafts- bis zum Ausbau des Schulstandorts.Albabwärts in Bad Urach treibt die Wähler und damit die Parteien – wie in Münsingen – das Gesundheitswesen um.

Hier ist es der Erhalt der Ermstalklinik, die wie die Albklinik zum Verbund der Kreiskliniken gehört, also auch vom Kreis gesteuert wird. Nicht erst seit gestern ist Bad Urach verkehrstechnisch ein Nadelöhr. Fünf Fraktionen treten an. Die Freien Wähler wollen unter anderem mehr Transparenz für die Bürger, den Tourismus fördern, bei Migration und Integration das Miteinander fördern, Entwicklung der Teilorte, sowie ein Konzept für die Innenstadtentwicklung und den Marktplatz. Bei der CDU liegen die Schwerpunkte bei Wohnen und Arbeiten, Gesundheit, Verkehrskonzepte, Bildung und die Einführung eines digitalen Portals für Bürger. SPD / Aktive Bürger sehen die kleine Landesgartenschau 2027 als Herausforderung und Chance. Die Themen Verkehr und Entwicklung der Teilorte bestimmen ebenso die Agenda wie Sicherheit und Sauberkeit. Bei den Liberalen soll der Bildungsstandort Bad Urach gestärkt werden, sie wollen das Mobilitätskonzept weiterentwickeln, die Sicherung der Daseinsvorsorge erhalten, Handel, Tourismus und Handwerk stärken, Ehrenamt fördern und die Wirtschaftsförderung neu aufstellen. Nachhaltigkeit haben sich die Grünen zum Kernthema gemacht. Mobilität soll nicht zu Lasten von Umwelt und Klima gehen. Sie sind für transparente Bürgerbeteiligung.

In Dettingen treten die Freien Wähler unter dem Motto »Heimat, Arbeit, Leben« an. »Heimat« steht für den Erhalt der Natur und Tradition, Wertschätzung des Ehrenamts und des bürgerschaftlichen Engagements. »Arbeit« steht für Stärkung des Mittelstands und der Industrie, für Handel und Tourismus und Stärkung der innerörtlichen Strukturen. Themen, die die CDU bewegen sind: Die Bildung unserer Kinder, bezahlbarer Wohnraum, Verkehr und Infrastruktur und der Schutz von Heimat, Natur und Klima. Maßvolles Wirtschaften - vor allem nach den Ausgaben für die Schillerschule haben sich die Christdemokraten auf die Fahne geschrieben. Bei der Unabhängigen Liste (UL) genießen Jugend und Bildung, Wohnen und Verkehr, Finanzen und Arbeit, Umwelt und Energie Priorität. Das größte Ratsgremium im Ermstal stellt die Große Kreisstadt Metzingen mit fünf Fraktionen. 17 Vertreter für Metzingen, vier für Neuhausen und ein Vertreter für Glems sind zu wählen.

Die Schwerpunktthemen, die alle Fraktionen beschäftigen, sind das zu bauende Kombibad, die Lösung der innerstädtischen Verkehrsprobleme, der Neubau am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium und die Entwicklung von bezahlbarem Wohnraum für die kontinuierlich wachsende Stadt. Gebaut werden soll außerdem das neue Feuerwehrhaus samt Bauhof. Bei all diesen Millionenausgaben sind der CDU die Architektenwettbewerbe ein Dorn im Auge, die die Preise in die Höhe treiben. Ansonsten reicht die Palette der CDU-Ziele von Sicherheit und Sauberkeit in der Stadt, dem Schaffen einer leistungsfähigen Infrastruktur, dem Thema Bildung und Familie bis zum Erhalt des Luna-Kinos am Bahnhof. Die Freien Wähler verstehen sich als basisdemokratische Bürgerinitiative für die Stadt sowie den Kreistag. Auf lokaler Ebene Themen in lebbare kommunale Politik umzusetzen, haben sie sich auf die Fahnen geschrieben. Bei der FWV ist man für das Kombibad, setzt sich für den Erhalt des Schlachthofs ein und wirbt für Wohnraum in der Stadt und Stärkung der Teilorte.

»Nah am Bürger, orientiert an der Sache, offen für Neues« lautet der Slogan der FDP. Sie wirbt für ein Mobilitätskonzept, fordert bezahlbaren Wohnraum ein, Kinderbetreuung soll verstärkt werden und die Schulen gefördert, Stadtentwicklung und Schutz vor Verkehrslärm gehen Hand in Hand. Einen Masterplan zur Stadtentwicklung fordert die SPD, die nur 11 Kandidaten für 22 Plätze ins Rennen schickt. Sie will die Kita-Gebühren sozial staffeln, den ÖPNV stärken und Kultur und Sport ausgewogen fördern. Bei den Grünen liegt der Schwerpunkt auf dem Thema »Wohnraum schaffen«, Mobilität soll intelligent konzipiert werden, neue Ansätze in der Wirtschafts- und Umweltpolitik sollen gewagt und Bildungschancen für alle ermöglicht werden. Alles etwas anders ist in Riederich. Dort sind 14 Plätze zu vergeben, für die es 18 Bewerber gibt. Da aber keine Fraktionen kandidieren, gilt in Riederich nicht die Verhältnis- sondern die Mehrheitswahl. Gewählt sind die Bewerber oder andere namentlich Genannten in der Reihenfolge der auf sie entfallenen Stimmen. Dabei sind die Wähler jedoch nicht daran gebunden, die vorgeschlagenen Bewerber zu wählen, sondern können bis zur Ausschöpfung ihrer Stimmenzahl andere Namen von wählbaren Riedericher Bürgern (über 18 und kein Beamter oder Angestellter der Gemeinde) auf dem Wahlzettel ergänzen. Jeder Name, der auf dem Stimmzettel steht, bekommt eine Stimme.