Auf dem Parkplatz verlieren sich nur einige wenige Autos, die Damen beim Bäcker ganz vorne im Markt haben auch nicht gerade alle Hände voll zu tun und ein paar Schritte weiter sieht es noch trostloser aus. Drei Kassen, an denen keine einzige Kassiererin sitzt, großflächig gähnen Einen leere Regale an. Das ist die Realität in Neuhausens Nahkauf.
Das stark reduzierte Warenangebot treibt die Neuhäuser um und auf die Straße. In wenigen Tagen hat die »Noikauf-Initiative« bestehend aus Monika Frischknecht, Marco Reichhardt, Kerstin Engel und Elke Preusch 800 Unterschriften von Bürgern aus Neuhausen und Glems eingesammelt, die sich alle für den Markt stark machen. Sie wollen ihren Nahversorger nicht verlieren. Schließlich dient der Markt der Zentralversorgung. »Leere Regale send ons et egal«, oder »Nemme Lemme« in Anspielung auf die Marktleiterin Silvia Lemme war auf den Plakaten der rund 250 Demonstranten zu lesen, die sich am vergangenen Freitag zu einer Kundgebung vor dem alten Rathaus versammelten und zum Nahkauf marschierten. 
Seit 37 Jahren existiert dieser Supermarkt in der Ortsmitte von Neuhausen. Damals hieß er noch »Minimal«. Mittlerweile ist der Nahkauf Teil der Rewe-Gruppe, die nur 2,5 Kilometer entfernt einen modernen großen Markt betreibt.
Als der Minimal 1982 eröffnet wurde, war die Situation noch eine andere. Die alte Bundesstraße 28 führte mitten durch den Ort. Und so nutzten nicht nur die Neuhäuser selbst, sondern auch viele auf der Durchfahrt die Einkaufsmöglichkeit.
Ende 2003 wurde die Ortsumfahrung eingeweiht – eine Wohltat für die stau- und lärmgeplagten Anwohner. Seit dieser Zeit hat Neuhausen an Wohnqualität gewonnen, mit der Erschließung des Gebiets Amtäcker-Brühl sind Neubürger hinzugezogen. Der Metzinger Ortsteil hat mittlerweile knapp 5 000 Einwohner. Also genug, um einen mittelgroßen Supermarkt am Leben zu erhalten. Ein Umsatzknick, so die Betreiberin, kam jedoch 2016 als die Ortsdurchfahrt wegen Sanierungsmaßnahmen sieben lange Monate gesperrt war. Damals hatten auch andere Geschäfte um ihr Überleben gekämpft.
Ob es die Laufkundschaft ist, die nach der Sperrung der Ortsdurchfahrt nicht mehr zurückgekehrt ist oder es andere Ursachen gibt, sei dahingestellt. Fakt ist, dass trotz hoher Mobilität in der Bevölkerung, die es einfach macht, nach Metzingen oder Dettingen zum Einkaufen zu fahren, eine wachsende Zahl älterer Menschen gibt, die nicht mehr in der Lage ist Auto zu fahren und deshalb auf kurze Wege angewiesen ist.
Eine Studie des Bundes zeigt, dass auf der Nachfrageseite die Bindung der lokalen Kaufkraft seit Langem abgenommen hat, da die Mobilität gestiegen ist und die Ansprüche der Konsumenten bezüglich des Preises, der Auswahl- und Kopplungsmöglichkeiten zugenommen haben. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass sich der Lebensmitteleinzelhandel in einem stagnierenden, umkämpften Markt mit oligopolistischer Struktur befindet. Auf der Angebotsseite lässt sich entsprechend der gewandelten Nachfrage eine Entwicklung hin zu größeren Verkaufsstellen beobachten. 
Außerdem steigt der Wettbewerbsdruck auf Grund der expansiven Strategie der größeren Anbieter. Der frühere städtische Wirtschaftsförderer Jochen Krohmer (seit 1. September in Ruhestand) spricht dennoch von einem absoluten Muss eines Nahversorgers. 
Auch der Ortschaftsrat wird sich nach der Sommerpause mit dem Thema beschäftigen. Die Einwirkungsmöglichkeit von Verwaltung und Gemeinderat sind allerdings beschränkt, da es sich um ein privatwirtschaftliches Konstrukt handelt. Marktbetreiberin ist Silvia Lemme, die in Zainingen ebenfalls einen Discounter führt. 
Das Gebäude gehört einem Vermieter, der am bayerischen Ammersee sitzt und zudem mit der am Markteingang ansässigen Filiale von Becka-Beck einen Vertrag hat. Franchisegeber für den Nahkauf ist die Rewe-Gruppe. 
Niemand weiß genau, wie lange die Verträge zwischen den Beteiligten noch gültig sind. Die Marktleiterin betont, dass es »irgendwie« weitergehen wird. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass Rewe kein wirkliches Interesse am Nahkauf mehr hat, um den nur sechs Autominuten entfernten Rewe-Markt nicht zu schwächen.
Am Ende fällt jedoch der Verbraucher selbst das Urteil über den Nahkauf. Für eine positive Ökobilanz sein, aber mit dem Auto nach Metzingen fahren, weil es dort ein vielleicht größeres und günstigeres Angebot gibt, wird dem Nahkauf in Neuhausen nicht helfen. Solidarität auf der Straße ist das Eine, die beim Einkauf eine andere.