Der Super-Gau – der größte anzunehmenden Unfall – ist eingetreten. Die beste aller Ehefrauen erklärt, dass es am Sonntag kein Essen vom heimischen Herd gibt. Der Zumba-Kurs bei der VHS verträgt sich nicht mit dem Zeitmanagement der Gattin. Kurzerhand wird beschlossen, eine gastronomische Einrichtung in der Sieben-Keltern-Stadt aufzusuchen, die fußläufig zu erreichen sein muss, denn ein Bier und ein Viertele dürfen es zum Essen schon sein. Und – jetzt wird es schon schwieriger – der Herr des Hauses hätte gern einen Zwiebelrostbraten.
Also wohin? Von welchem neuen Lokal hat kürzlich die Kollegin geschwärmt: Einzelstück. Doch ein kurzer Blick ins Mobiltelefon zeigt, erstens am Sonntag nicht geöffnet, zweitens vom Napoli-Burger bis zum norwegischen Lachs ist Europas Küche vertreten, ein paar Schweine-Medaillons verlieren sich auch noch im Angebot.

Nächster Vorschlag: Das Achtender - erneut ein Fehlgriff, weil sonntags geschlossen. Nun, das Restaurant genießt einen guten Ruf, der an sechs Tagen genügend Outlet-Touristen ins Lokal schwemmt, da muss doch nicht für die paar Metzinger oder Ermstäler am Sonntag noch geöffnet werden. Also ins Kelternrestaurant »Rebla – geöffnet nur zwischen 12 und 15 – da ist nichts mit Spontan-Besuch, telefonische Vorbestellung notwendig.Kurzer Schwenk vom Kelternplatz zum Gasthaus Rose, das wegen seiner einfachen aber guten schwäbischen Küche bekannt ist. Doch Pech gehabt. Am Sonntag bleibt die Küche in der Rose kalt. Nur wenige Meter entfernt: Metzingens Vorzeige-Gastronomie »Die Schwane«. Doch geöffnet hat nur der Ableger Mezzo - das Restaurant bleibt sonntags geschlossen. Ganz anders dagegen die Gastronomen ausländischer Provenienz. Ob Italiener, Chinese, Grieche, Thailänder oder gar Vietnamese am Sonntag ist das Lokal geöffnet. Die internationale Küche hat Metzingen längst erobert. Einwanderer haben erfolgreich die hiesige (Ess-)Kultur aufgemischt und punkten beim Service. Während in vielen kleineren deutschen Gastronomiebetrieben die Personalkosten kaum zu kontrollieren sind, die Ansprüche der Gäste aber wachsen, ist beim Italiener, Griechen oder Chinesen die ganze Familie im Einsatz und hilft den Kostendruck zu mildern.
Eine weitere Erklärung für reduzierte Öffnungszeiten liefert der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga): Laut einer neuen Umfrage haben 54,2 Prozent der Betriebe seit 2015 wegen des Arbeitszeitgesetzes ihre Öffnungszeiten reduziert.

Rund die Hälfte der Unternehmen haben die Küchenzeiten eingeschränkt, die Speiseauswahl verringert, Mittagstische abgeschafft und Veranstaltungen abgesagt. Die Branche stört sich vor allem an der Vorschrift, nach der Küchen- und Servicepersonal täglich höchstens acht Stunden arbeiten darf - im Ausnahmefall maximal zehn Stunden. Sie will eine wöchentliche Höchstarbeitszeit, was aber von der Gewerkschaft strikt abgelehnt wird. Der Gastronomie-Guide Trip-Advisor listet für die Sieben-Kelternstadt 48 Lokalitäten auf. Eindeutig belegbar ist, dass die italienische Gastronomie dominiert, ob klassischer Italiener oder Pizzeria mit Lieferservice. Im Ländle sieht es nicht anders aus. Zwar haben weder der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband noch das Landesamt für Statistik Zahlen darüber, ob es mehr Dönerbuden oder Pizzerien gibt in unserem Land, gefühlt wachsen beide. Laut einer Studie des Forsa-Instituts liegt die italienische Küche mit 61 Prozent vor der griechischen (50 Prozent) ganz weit vorne in der Gunst der Deutschen.

Zugenommen hat in den vergangenen Jahren der Bereich Ethno-Gastronomie. Hier gibt es inzwischen eine große Vielfalt, erklärt ein Dehoga-Sprecher. Früher ging man zum Chinesen, wenn man asiatisch essen wollte. Heute gibt es japanische, vietnamesische oder kambodschanische Küche. Letztere fehlt noch in der Outlet-City. Mittlerweile knurrt der Magen gewaltig, wohin also die Schritte lenken? Und so führt wieder einmal der Weg zu Metzingens erfolgreichstem Provisorium, einem rustikalen Container im bayerischen Ambiente, genannt Schlemmerstüble, wo sonntags von 10 bis 21 Uhr der Zwiebelrostbraten nicht ausgeht!