Vergangene Woche hat das geplante Metzinger Kombibad, das voriges Jahr noch höchst umstritten war und erst mittels eines Bürgerentscheids im November auf den Weg gebracht werden konnte, zwei große Hürden genommen. Zunächst segnete der Gemeinderat am Donnerstag den Finanzrahmen ab: Maximal zwei Millionen Euro darf das Bad jährlich in der Unterhaltung kosten. Am Samstag trafen sich über 80 Bürger zur zweiten Planungswerkstatt. Thema war, aus den aufbereiteten Ergebnissen aus der ersten Planungsphase vom 9. Februar eine Empfehlung für die konkreten Inhalte der Ausschreibung zu erarbeiten. Hatte man bei den streitbaren Gegnern des Kombibades den Eindruck, einer Seniorenfraktion gegenüberzustehen, zeichnete die Planungswerkstättler ein gesunder Mix aus. Jung und Alt diskutierten, wie das Bongert-Bad in Zukunft aussehen soll. 

Oberbürgermeister Ulrich Fiedler stimmte die Teilnehmer in der Aula des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums auf die Größe der Aufgabe ein: »Sie gestalten ein wichtiges, schönes und nachhaltiges Stück Zukunft.« Eingeladen waren wie schon beim ersten Mal Bürger der Stadt sowie so genannte Schlüsselakteure wie Vertreter der Schulen, Schwimmsportvereine, die Vertreter der Schülermitverwaltung, der Jugendgemeinderat, die Gesamtelternbeiräte der Schulen und Kindergärten, das Zukunftsteam Stadtentwicklung / Aktiv-Park und die Initiative Pro-Kombibad. Um zu verhindern, dass die Kosten aus dem Ruder laufen, hatte der Gemeinderat zwei Tage zuvor die Rahmenbedingungen festgelegt. Da heißt es: »Das neue Kombibad soll so ausgestaltet werden, dass der jährliche Zuschussbedarf höchstens 1,76 Millionen Euro beträgt. Darin enthalten sind die Personal- und Betriebskosten, aber auch Zins und Tilgung. Das entspricht einer Einsparung von 20 Prozent gegenüber dem prognostizierten Zuschussbedarf für den Betrieb zweier getrennter Bäder, der geschätzt 2,2 Millionen Euro jährlich betragen würde. Ein wenig Luft nach oben gelassen hat sich das Gremium, denn sollten sich in der Planung ein Mehrwert für die Bevölkerung herauskristallisieren kann diese Grenze um zehn Prozent überschritten werden. Das wären dann 1,98 Millionen Euro. Was der Mehrwert ist, darüber befindet der Gemeinderat.

Er hat für die Planungswerkstatt und deren Teilnehmer die Leitplanken gesetzt. Der in der Bürgerempfehlung vorgeschlagene Standort für das neue Kombibad an der Auchtertstraße hat Vorrang. Die Zufahrt zum Bongert-Bad primär soll über die Auchtertstraße erfolgen. Das Bad selbst soll als familienorientiertes Sport- und Freizeitbad ausgestaltet sein und es muss durch den Stadtbus angebunden sein sowie fahrradfreundlich ausgestaltet werden. Auch ökologische Aspekte sollten beim Neubau miteinfließen. Steuern kann die Stadt den jährlichen Abmangel durch eine wichtige Bezugsgröße: Den Eintritt. Bezahlt der Badegast nur 2,50 Euro wie in der Vergangenheit bewegt sich der Zuschussbedarf bei 83 Prozent der Gesamtkosten. Ganz anders sieht es aus, wenn sich Metzingen an den landesweit geltenden Werten orientiert. Bei vier Euro Eintritt würde der Zuschussbedarf auf die üblichen 73 Prozent sinken.

Finanzbürgermeisterin Carmen Haberstroh bestätigte die in der ersten Planungswerkstatt entwickelte Idee kein Spar-Bad, sondern ein gut ausgestattetes Spaß-Bad etwa auch mit einer Sauna zu bauen, am Ende günstiger kommt, weil dann die Attraktivität und die Besucherzahl größer ist und ein höher Eintrittspreis verlangt werden kann. Nichts spricht jedoch dagegen, dass für Menschen mit kleinem Geldbeutel, beispielsweise über die Metzingen Card, ein spezieller Tarif vom Gemeinderat festgelegt wird. Bei der Diskussion am Samstag waren sich die Beteiligten einig, dass ein gut ausgestattetes Ganzjahres-Bongert-Bad gewünscht wird. Mit einer möglichst großen Schnittmenge der Interessen lässt sich der Zugewinn bei Metzingens Sport- und Freizeiteinrichtungen erreichen. Schließlich hat ein Bad dieser Qualität und Dimension eine Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren. Bevor es weitergeht, entscheidet am 2. Mai der Gemeinderat noch vor der Kommunalwahl über die Ideen der Planwerkstatt für das Bongert-Bad.