Die Bilder des langen 2018er Sommers vermittelten ein trügerisches Bild: Menschen, die auf dem Marktplatz flanierten und unter Sonnenschirmen das gastronomische Angebot genossen. So stellen sich die Verantwortlichen eine florierende Einkaufsmeile vor. Dies ist trügerisch deshalb, weil nicht jeder Sommer ein Jahrhundertsommer wird und weil der Marktplatz in Metzingen - anders als bei vielen Gemeinden dieser Größenordnung - nicht als Shopping-Mittelpunkt taugt. Den letzten Beweis dafür lieferten zum Jahresende die Firma Feinkost Brunner, die ihren Standort am Marktplatz ebenso aufgeben hat wie das direkt nebenan liegende Märklin-Geschäft. Was hat der Metzinger Marktplatz noch zu bieten: Eine Parfümerie, eine Bäckerei mit Café und zwei weitere Gastronomiebetriebe. Die Einzelhandelsgeschäfte entlang der Reutlinger Straße vom Linden- bis zum Marktplatz lassen sich mittlerweile an zwei Händen abzählen. Das Ladensterben scheint nicht aufzuhalten. Auch in der Kurstadt Bad Urach ist es seit geraumer Zeit festzustellen.

Dort sind es die alteingesessenen Geschäfte, die es trifft: Lederwaren Schwenkel und Textil Betz schlossen ihre Pforten, ebenso die Filiale der Metzgerei Oscar Zeeb. Die Rathausapotheke ist zu, ein Schild weist auf die Filialen in den Einkaufszentren. Die Gründe in der Kurstadt sind vielfältig. Bad Urach hat mit dem Elsach-Center und den Einkaufzentren am Seilerweg wie Rewe, Lidl, Baywa oder Müller Einkaufmöglichkeiten hinzubekommen, die Parkplätze vor der Tür und damit kurze Wege bieten. Dass die Firma Brunner, die im Marktkauf in Reutlingen ihre Hauptfiliale hat und ein Fischmobil betreibt, in Metzingen nicht Fuß fassen konnte, genauso wenig wie die Metzgerei, die vorher dort ihren Sitz hatte, verwundert, denn zentraler geht es nicht. Viele Metzinger Einzelhändler hadern immer noch mit dem Durchfahrverbot in der Reutlinger Straße. Natürlich fährt der Metzinger am liebsten mit dem Auto vor das Geschäft, da macht der Bad Uracher keine Ausnahme - dort wurde die Gemeinderatsentscheidung den Marktplatz zu sperren, vom Einzelhandel versucht zu kippen, was knapp scheiterte.

Wer jedoch sieht, wie in der Hindenburg- oder Schönbeinstraße, in der Stuttgarter oder Nürtinger Straße die Autos sich im Schritttempo durchquälen, der weiß, dass dies nicht des Rätsels Lösung sein kann. Dass zudem Händler, die eher eine Nische bedienen – wie das Märklin-Fachgeschäft – zwar gerne zum Schauen und sich beraten lassen betreten werden, aber dann Online gekauft wird, ist eine kaum umkehrbare Entwicklung. Gerne weisen Städteplaner darauf hin dass ein funktionierender Einzelhandel eine Innenstadt belebt. Fakt ist aber auch, dass eine neue Generation heranwächst, die ihre großen Einkäufe in den Supermärkten oder Discountern tätigt, die aber ansonsten nur noch einen Fernseh- oder Waschmaschinen-Fachhändler mit Reparaturservice zu schätzen weiß.

Ansonsten wird bei den großen Versandhändlern bestellt und wenn‘s nicht passt, wieder zurückgeschickt. Das geht viel einfacher, als dem Verkäufer im Fachgeschäft wieder unter die Augen treten zu müssen. Eine Studie des bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur und Technologie hat ergeben, dass bereits wer länger als 200 Meter zu Fuß gehen bis er beispielsweise die autofreie Einkaufsstraße erreicht, davon Abstand nimmt.
Bad Urach versuchen noch die Einzelhändler an einem Strang zu ziehen, in Metzingen sind eher Auflösungserscheinungen erkennbar. Der Realität ins Auge zu blicken, ist in beiden Städten wichtig. In Metzingen ist die Verlinkung des Outlet-Bereichs mit der Innenstadt gescheitert. Das einzige was die Shopping-Touristen noch bis zum Marktplatz bringt, sind gute kulinarische Angebote - wer etwas anderes erzählt, betreibt Augenwischerei.