Laut Statistik hält eine deutsche Ehe im Bundesdurchschnitt 15 Jahre. Eine Silberhochzeit ist also heuer durchaus etwas Besonderes. Vor allem wenn es sich um Partnerschaft zwischen zwei Städten handelt. Am kommenden Samstag feiern die Metzinger gemeinsam mit ihren Gästen aus dem ungarischen Nagykálló 25 jähriges Jubiläum. Der offizielle Festakt steigt um 10.30 Uhr im Großen Sitzungssaal des Rathauses. Am Abend wird im Gewölbekeller der Holy Villa in der Hindenburgstraße gefeiert. Die Verbindung zwischen dem etwa halb so großen ungarischen Städtchen an der rumänischen Grenze, das schon 1315 vom König Karl Robert das Marktrecht verliehen bekam und der Sieben-Kelternstadt ist die jüngste. Fast 40 Jahre ist Metzingen mit Noyon in Frankreich und seit 1989 mit dem englischen Hexham verbandelt. 
Der Partnerschaftsverein Metzingen-Nagykálló wurde am 12. März 1993 aus der Taufe gehoben. Zuvor war im Oktober 1992 im ungarischen Nagykálló die Verbindung zwischen beiden Städten feierlich besiegelt worden, an Pfingsten 1993 fanden die entsprechenden Festlichkeiten in Metzingen statt. Zweck des Vereins ist die Förderung der Verständigung zwischen den Bewohnern der Partnerstädte Metzingen und Nagykálló. Dies geschieht beispielsweise durch die Mitorganisation gemeinsamer Begegnungen in Metzingen oder in Ungarn. Den Vorsitz im Verein hat seit vielen Jahren der Metzinger Stadtrat Eckhart Ruopp.

So etwas wie der Vater der Partnerschaft ist der Metzinger Unternehmer Frieder Gaenslen. Er pflegte schon in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wirtschaftliche Kontakte mit seinem ehemaligen Textilunternehmen Gaenslen & Völter zu einem ungarischen Produktionsbetrieb in Nagykálló. Es waren zunächst Textilfacharbeiter die aus Ungarn nach Metzingen zur Fortbildung kamen. Der nächste Schritt war, dass Schülerinnen und Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, eine Gruppe der Theater AG mit Horst Laubner und die Arbeiterwohlfahrt nach Nagykálló reisten. Einen Austausch gibt und gab es zudem bei den Feuerwehrleuten. Erst jüngst wurde ein Feuerwehrfahrzeug der Neuhäuser Wehr nach Ungarn kutschiert und versieht dort gute Dienste. Herzstück der Partnerschaft ist der Verein, der rund 50 Mitglieder hat, die sich in unregelmäßigen Abständen bei Stammtischen zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch treffen. Gründungsvorsitzender war Dr. Emmerich Bakonyi, seit 1995 ist Eckart Ruopp Vereinsvorsitzender. Der Jahresbeitrag liegt bei acht Euro, kein wirkliches Hindernis aktiv mitzuwirken. Während das ehemalige Stadtoberhaupt Nagykállós, János Fodor, der mit Bürgermeister Gotthard Herzig die Partnerschaftsurkunde unterzeichnete, 2004 zu Metzingens Ehrenbürger ernannt wurde, erfuhren Frieder Gaenslen und Eckhart Ruopp diese Ehre 2012 von den Ungarn.

Anders als bei Noyon, das mit 610 Kilometern Entfernung nur unwesentlich weiter weg ist als Dresden und Französisch viele Metzinger in der Schule gelernt haben, ist sich auf Ungarisch zu verständigen eher problematisch und mit 1250 Kilometer ist man doppelt so weit weg. Die Tatsache, dass Ungarn mit Viktor Urban derzeit nicht gerade einen lupenreinen Demokraten an der Spitze hat, tut den gewachsenen Verbindungen keinen Abbruch. Es sind die zwischenmenschlichen Kontakte, die jenseits der Politik die Grenzen überwindet. Hier gilt das Wort eines der berühmtesten Metzinger, der frühere FDP-Außenminister Klaus Kinkel, der schon 1992 der Ansicht war, Europa wachse nicht aus Verträgen, »es wachse aus den Herzen seiner Bürger oder gar nicht«.
So wird ein alle zwei Jahre stattfindendes deutsch-ungarisches Volkstanztreffen gepflegt, die AH-Kicker der Ungarn spielten bei Turnieren in der Öschhalle mit und ungarische Jugendliche jobben in Metzingen und wohnen im Ferientagheim. Die Hoffnung, die Eckhart Ruopp hat, ist dass sich die Metzinger von den Feierlichkeiten zum Jubiläum inspirieren lassen und aktiv dem Partnerschaftsverein beitreten, so dass auch die nächsten 25 Jahre die Verbindung nach Ungarn nicht abreißt.