Die einen shoppen, die anderen schaffen. So könnte man das Dilemma der verkaufsoffenen Sonntage kurz auf einen Nenner bringen. Oder noch anders ausgedrückt, die einen wollen Trubel und Umsatz, den anderen liegt das Wohl der Mitarbeiter am Herzen. Dies führte dazu, dass die Stadt aus Angst vor einer Klage und einer dann notwendigen kurzfristigen Absage am 7. Mai dieses Jahres den verkaufsoffenen Sonntag strich.


Nun hat die Outlet-City Metzingen zumindest einen kurzfristigen Erfolg erzielt. Am Sonntag, 29. Oktober, sind die Geschäfte geöffnet und es darf eingekauft werden, was die Kreditkarte hergibt. Die verkaufsoffenen Sonntage werden immer mehr zum Zankapfel von Gewerkschaften, Handel und Städten. Dabei haben die Kritiker der Sonntagsarbeit die aktuelle Rechtsprechung auf ihrer Seite. Immer mehr Gerichte kippen den verkaufsoffenen Sonntag. Das Bundesverwaltungsgericht hat im Jahr 2015 ein richtungsweisendes Urteil gesprochen. So ist ein verkaufsoffener Sonntag nur noch dann zulässig, wenn eine Veranstaltung im Mittelpunkt steht. Das Öffnen der Läden dürfe nicht die Hauptrolle spielen.

Zudem sollen dann nur noch Geschäfte geöffnet haben, die sich im direkten Umfeld des Veranstaltungsortes befinden. Und genau hier liegt das Problem der Metzinger. Zwar gibt es im Jahreslauf der Stadt viele Veranstaltungen, die durchaus gute Resonanz erzielen, doch anders als in anderen Städten, die keine Outlets haben, strömen die Besucher aus nah und fern nicht wegen eines städtischen Anlasses, sondern um Schnäppchen in den Outlets zu machen. Das, was die Stadt zu bieten hat, ist höchstens schmückendes Beiwerk. Dies schlägt sich auch in den Zahlen nieder: bis zu 50 000 Besucher kommen an so einem Sonntag in die Sieben-Keltern-Stadt und nicht wegen des »Sieben-Keltern-Festes«. 


Dass jetzt eine Einigung zustande kam, ist den Verhandlungen der Stadt, der Holy AG und der Metzingen Marketing und Tourismus GmbH (MMT) mit der Verdi-Bezirksstelle Alb-Neckar-Fils zu verdanken. Somit ist zumindest der 29. Oktober gesichert. »Verdi wird keinen Einspruch gegen diesen verkaufsoffenen Sonntag einlegen und keine Klage erheben«, sagt MMT-Geschäftsführer Jochen Krohmer. 


Eine Dauerlösung ist damit nicht gefunden – zumal die Metzinger gerne zwei Veranstaltungen jährlich durchführen wollen. Krohmer sieht das Problem in der atypischen Situation der Stadt, die nicht aufzulösen ist. Das Weinfest auf dem Kelternplatz, das am 29. Oktober endet, ist am verkaufsoffenen Sonntag ein Anlass abseits des Shoppings, dazu kommt noch der kulinarische Herbstmarkt, der am Lindenplatz aufgebaut wird. 
Wenn nach der Sommerpause weitere Verhandlungen mit Verdi anstehen – allerdings dieses Mal mit der Landesdirektion, wird der Sonderfall Metzingen sicher diskutiert werden. Dass die Stadt den hiesigen Einzelhandel ins Spiel bringt, der wie in anderen Städten auch die Chance auf einen verkaufsoffenen Sonntag haben soll, ist eher vorgeschoben.


Großes Gewicht in der MMT hat die Holy AG, für deren Partner die Sonntagsöffnung nicht nur ein Verkaufs-, sondern auch ein Werbeargument ist.  »Der Sonntag hat besonders für Familien einen sehr hohen Stellenwert«, sagt ein Verdi-Sprecher. Kleinere Händler oder Familienbetriebe profitieren laut Verdi vom verkaufsoffenen Sonntag ohnehin kaum.


Verdis Engagement zum Wohl der hauptsächlich weiblichen Mitarbeiter, die am verkaufsoffenen Sonntag zum Einsatz kommen in allen Ehren. Nicht vernachlässigen sollte Verdi die wirtschaftliche Situation der Mitarbeiter beispielsweise in den Outlets. Die verdienen so wenig, dass sie auf die Sonderzulagen an solchen Sonntagen regelrecht angewiesen sind.