Eines ist jetzt schon sicher: Es wird eine schmutzige Angelegenheit. Seit Wochen künden Plakate vor den Toren der Stadt von Metzingens anderer Seite: Am 21. September werden nämlich nicht nur, wie jeden Samstag, gestylte Smartshopper die Innenstadt stürmen, sondern durchtrainierte Körper sich im Schlamm wälzen und dabei auch noch Spaß haben. Mudmates heißt das Vergnügen und ist nichts anderes als ein Lauf über elf Kilometer mit 16 Hindernissen. Doch inzwischen hat sich Tough Mudder oder Mudmates zu einem Trendsport entwickelt.

Ganz neu ist ein derart schlammiger Wettbewerb nicht. Ursprünglich hieß es Tough Guy Race (engl. für »Harter-Kerl-Rennen«) und bist heute ein jährlich stattfindendes Hindernisrennen in Perton, in der Nähe der Stadt Wolverhampton bei Birmingham. Es wurde 1987 von Billy Wilson entwickelt und gestartet, der früher bei den königlichen Grenadier Guards Trainingscamps für Elitetruppen entwarf. Termin ist jedes Jahr der letzte Sonntag im Januar. Der Lauf gilt als erster ziviler Hindernislauf.  In Konkurrenz mit dem Tough Guy steht Tough Mudder von Will Dean. Er bringt rund eine Million Menschen im Jahr dazu, freiwillig durch den Schlamm zu kriechen und über Hindernisse zu klettern. Tough Mudder profitiert dabei vom wachsenden Zulauf für Extremsportarten. Das Unternehmen veranstaltet inzwischen rund 70 Hindernisrennen pro Jahr und macht umgerechnet rund 92 Millionen Euro Umsatz.

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Wer aber steckt hinter Mudmates? Im Gegensatz zu Tough Mudder geht es bei Mudmates nicht um Kommerz. Dahinter verbirgt sich die evangelisch-methodistische Kirche in Metzingen in Person von Pfarrer Bernd Schwenkschuster. Er hat klar definiert wofür Mudmates steht: MATES steht dabei für MAtchTEamSpirit. MATES steht im Englischen allerdings auch für »Freunde, Kumpels, Kameraden«. Und genau diese dürfen sich als Vierer-Team im Mud (Schlamm) so richtig austoben.  Es geht um Spaß und um Zusammenhalt. Es zählen Power, Teamspirit und Fairness. Die soll, so Schwenkschuster, Menschen zusammenbringen und lässt sie über sich hinauswachsen. »Ganz egal, wie lange das Team bis ins Ziel braucht, der Wille zählt. Denn Mudmates soll kein Wettkampf sein, sondern eine Challenge, bei der alle nur gewinnen können!«, betont er.

Und der Zulauf ist riesig. Bislang haben sich rund 1100 Teilnehmer angemeldet. Schwenkschuster rechnet mit 1500 bis 2000 Teilnehmern. Die Strecke hat es in sich. Die 11,6km lange Laufstrecke führt vom Stadtrand von Metzingen über Wiesen und Feldwege durch den «Äußeren Wald«. Dreh- und Angelpunkt von MudMates ist das Otter-Dipper-Stadion: wo der Start- und Zieleinlauf gelegen ist. Neben einigen natürlichen Hindernissen werden auf dem Streckenverlauf weitere kleinere und auch einige große Hindernisse und manche Höhenmeter zu bewältigen sein. Denn der höchste Punkt liegt oben am Stauseedamm. Bei den Hindernissen hat das rund 70 Personen starke Eventteam echte Kreativität bewiesen. Da gibt es den »Roller Coaster«, den »Power-Tower«, den »Dirt-Slider«, den »Flying Fox« oder den »Death Rope«. 

Gestartet wird in Vierer-Gruppen im Abstand von drei Minuten, damit sich die Teams nicht an den Hindernissen in die Quere kommen. Auch bei den Teamnamen ist dem Einfallsreichtum keine Grenze gesetzt. Da starten die »Die GeKNECHTeten«, die »Stiftung Wadentest« oder die »Schlammpfoten«. Anmelden können sich auch Einzelpersonen. Sie werden vor dem Start zu Viererteams zusammengesetzt. Alle Infos dazu gibt es unter www.mudmates.de

Was den Großen Recht ist, ist den Kleinen billig: Im Rahmen von Mudmates bieten unsere Kooperationspartner, die Pfadfinder Metzingen, einen Lauf für Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren an, den Muddy Kids Cup. Start dieses Laufes wird am Ferientagheim, dem Freizeitgelände der Evangelischen Kirchengemeinde Metzingen, sein. Ziel ist der Jugend- und Naturzeltplatz Metzingen beim Pfadfinderheim. Und natürlich darf eine Afterparty nicht fehlen. Ab 17 Uhr geht es in der Motorworld (ehemaliges Hennig-Areal) lost, ab 21 Uhr öffnen die Dancefloors mit coolen DJs.

Bleibt zum Abschluss die Frage offen, warum veranstaltet die Kirche ein solches Event und nicht ein Sportverein? Bernd Schwenkschuster hat auch darauf eine Antwort: »Wir haben in den letzten Jahren erlebt, was alles möglich ist, wenn sich eine Gruppe aus engagierten, motivierten und mutigen Menschen zusammenschließt und bereit ist, verrückte Ideen umzusetzen. Wir sind davon überzeugt, dass Kirche nur dann relevant ist, wenn sie eine »gute Nachricht« für die Menschen hat. Und für viele ist die Information, dass es Mudmates gibt, eine sehr gute Nachricht. Wir hören immer wieder: Auf so eine Veranstaltung haben wir gewartet. Schön, dass ihr den Mut habt, so ein Event zu organisieren und durchzuführen.«