»Der Mensch lebt nicht vom Brot allein …«, der alte Lutherische Vers wurde vor ein paar Jahren von einer allseits bekannten Fastfoodkette als Werbeslogan benutzt. Dabei hat der Ursprung rein gar nichts damit zu tun. Oder etwa doch? Nun darüber lässt sich streiten. Auf alle Fälle reimt sich darauf hervorragend »…es darf auch etwas Wurst drauf sein«. Dem alten Luther hätte es bestimmt gefallen, war doch der Geistliche ein ausgesprochener Genussmensch. Und früher wie heute lässt sich über gute Qualität aus der Wurstküche kaum streiten. Nur braucht’s eben dazu eine Wurstküche respektive ein Schlachthaus. Wohl dem, der noch eins hat. Metzingen hat nämlich keins mehr. Das stimmt zwar so nicht ganz, denn das Gebäude als solches gibt es ja noch, nur der Betrieb steht derzeit wegen eines Heizungsschadens still. Ende des Monats soll sich entscheiden, ob die Stadt noch einmal Geld in die Hand nimmt und in eine neue Heizung investiert. Wäre denkbar, da die hiesigen Metzger noch bis Ende 2020 in diesem Gebäude schlachten dürfen. 


Aber vielleicht war der Heizungsschaden auch ein Zeichen, denn das Gezerre um die Schlachterei in einem Wohngebiet nahe des Holy Stammsitzes passt nicht so ganz in die mittlerweile weltweit bekannte Outlet-City. Es wurde viel gemunkelt und geschrieben, wo die vier ortsansässigen Metzger ihr Vieh zum Schlachten bringen sollen. Letztendlich kam immer wieder die Landmetzgerei Rapp ins Spiel. Die hätte Kapazität auf der Alb. Zum damaligen Zeitpunkt, also kurz vor Jahresende, für viele Metzinger ein Unding. Nicht allein die längeren Wege, vor allem die Fahrt im Winter in Richtung Alb bereiteten Kopfschütteln. Letztendlich stünde auch die Nachhaltigkeit zur Debatte – nicht zuletzt bedeuten längere Wege auch immer höhere Transportkosten, die sich auf den Preis niederschlagen. Und gerade da gilt der Schwabe als sehr empfindlich, will doch kaum einer für die geliebte Schwarzwurst exorbitante Summen ausgeben. Es müsse doch ein Platz rund um Metzingen zu finden sein, bei anderen Großprojekten sei es doch schließlich auch möglich, so der einhellige Tenor. 


Doch es kommt Hoffnung auf. Denn wie die Tage bekannt wurde, gibt es mittlerweile eine Interessengemeinschaft die für ein gemeinsames Schlachthaus plädiert. Einen Investor aus Stuttgart gibt es bereits. Dies bestätigte Dr. Alexander Maisch auf Nachfrage. Der Tierarzt aus Grafenberg, der plötzlich im Mittelpunkt steht, brachte den Stein via Leserbrief in der Südwestpresse ins Rollen. Zutiefst beeindruckt von den vielen Anrufen und Mails gerade auch von Landwirten, Biohöfen und Direktvermarktern weiß er, wo der Schuh drückt. Sie alle wollen einen den Bedarf angepassten Schlachthof vor Ort und nicht auf der Alb und das möglichst schnell. Doch der Bedarf müsse erst ermittelt werden. Dafür gibt’s jetzt online die Möglichkeit dazu. E-Mail und Homepage stehen bereit (siehe Textende). Irgendwie erleichtert, wenngleich auch der Stress die Tage immens ist, zeigt sich Maisch. Der Fleischbeschauer weiß um die Zustände in Großschlachtereien, deshalb bestehe umso dringlicher Handlungsbedarf. »Ich gehe doch auch nicht zum Metzger und verlang nach IKEA-Möbeln«.

Diese Aussage könnte treffender kaum sein. »Ein Tier ist doch kein Material, was man zwei Jahre lang ins Regal stellen kann«, so Maisch. Maisch plädierte dafür, dass die Schlachterei vorerst in Metzingen bleibt und die Stadt das bisschen Geld für die kaputte Heizung in die Hand nehmen soll. Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler sagte in seiner Neujahrsrede: »Wir und auch ich persönlich werden uns für eine interkommunale Lösung einsetzen«. Aber Metzingen alleine könne das nicht schultern. »Regionale Fleischererzeugung kann aber nur dann funktionieren, wenn wir sowohl für die Metzinger Nutzerinnen und Nutzer als auch für diejenigen aus anderen Gemeinden auf eine regionale Kooperation gemeinsam mit anderen Kommunen und Partnern setzen«, waren die Worte von Carmen Haberstroh, Metzingens Finanzbürgermeisterin Ende letzten Jahres. Martin Wurz, einer der betroffenen Metzger, ist sehr interessiert an einer Lösung, die einen Kommunalen Schlachthof im Ermstal vorsieht, bei der sich die Gemeinden wie auch die Metzger beteiligen könnten.

»Ein kleiner regionaler Schlachthof ist sehr im Sinne vieler Bürger unserer Städte«, so Wurz und fügte hinzu. »Die Stadt Metzingen beteiligt sich an einer Marktstrukturanalyse im Biosphärengebiet, um den Bedarf eines solchen Schlachthofs zu ermitteln. Uns würde es sehr freuen, wenn sich in diese Richtung etwas ergeben werde und wir für die Tiere, die Bauern, die Menschen in unserer Region einen Schlachthof realisieren könnten«. 


Für Robert Schmid stand der Schlachthof schon vor 30 Jahren nicht an der richtigen Stelle. In einem Gespräch vor ein paar Wochen sagte der Metzgermeister: »Um nachhaltig eine Lösung zu finden, sollte man andere Städte und Gemeinden aus dem Landkreis mit ins Boot holen, und möglicherweise auch mit Unterstützung von Plenum eine gute Lösung finden. Schließlich ist doch die Regionalität das einzige Alleinstellungsmerkmal für uns verbleibende Metzgereien, wo wir uns abheben können«. Da dürfte ihn die jetzt in Gang kommende Initiative freuen, übernehmen doch andere die dringend benötigte Lobbyarbeit. Und wer weiß, vielleicht tun sich ja in kürzester Zeit ungeahnte Möglichkeiten nicht nur für die Metzinger Metzger auf irgendeiner grünen Wiese im Landkreis auf. Die spannende Frage bleibt jedoch, wo gebaut we Foto: Adobe

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