Zugegeben die Überschrift ist etwas zugespitzt. Es handelt sich nicht um das potenziell tödliche Glücksspiel, das mit einem Revolver und einer Kugel gespielt wird. Es geht um die Wahrscheinlichkeit künftig in Metzingen geblitzt zu werden. Der Gemeinderat hat sich nämlich jüngst dafür entschieden, acht so genannte Tempomesssäulen aufzustellen, allerdings nur zwei mobile Messgeräte, die werden abwechselnd in einer der Säulen ihren Dienst tun. Gute alte Zeit! An der Ulmer Straße, Ecke Marienstraße, hing viele Jahre lang ein Starenkasten zur Überwachung der Fußgängerampel. Jeder wusste genau: Hier ist Vorsicht geboten. Wenig Angst einflößend war das mobile Einsatzgerät, das an 100 Tagen im Jahr Temposünder in und um die Stadt fotografierte, denn in der Stadt mit dem Dauerstau – außer sonntags – war die Gefahr gering, geblitzt zu werden.


Doch nun ist Schluss mit lustig. Es wird aufgerüstet. Die über zehn Jahre alte Anlage entspricht nach Aussage der Verwaltung zwischenzeitlich nicht mehr dem Stand der Technik und ist sehr reparaturanfällig geworden. Zudem läuft der technische Support für das alte Gerät aus. Die Anschaffung einer neuen, digitalen Geschwindigkeitsmessanlage sei also dringend erforderlich. Und die Stadt setzt auf modernste Lasermesstechnik bei Geschwindigkeitskontrollen oder Rotlichtüberwachung. Die Messsysteme werden dadurch kleiner, leichter, kompakter und somit vielseitiger einsetzbar. Die Messgeräte können aktuell universell auf einem Stativ zur mobilen Überwachung, im Fahrzeug, im Anhänger oder stationär in einer Säule eingesetzt werden.  Ganz billig ist die neue Technik nicht: 400 000 Euro investiert die Stadt. Aber das Geld ist gut angelegt, quasi eine Lizenz zum Geld drucken. Beispiel die B 27 bei Walddorfhäslach: Von Mai bis September 2018 hat es bei zwei neuen Radarfallen an der B27 zwischen Tübingen und Stuttgart auf Höhe Walddorfhäslach im Schnitt jede Minute einmal geblitzt, 1 400 Mal am Tag, 205 000 Mal in den fünf Monaten. 2,2 Millionen Euro hat der Landkreis Reutlingen nach eigenen Angaben bisher allein mit diesen beiden Anlagen eingenommen. Ein Fall von Abzocke? So viel Geld wird in Metzingen wohl nicht in den Stadtsäckel fließen, aber dass die Amortisation nicht lange auf sich warten lässt, davon ist auszugehen. 


Ob in Walddorfhäslach oder Metzingen überall werden die gleichen Argumente ins Feld geführt: Geschwindigkeitskontrollen dienen der Verkehrssicherheit und sollen dazu beitragen, Verkehrsunfälle zu verhüten und schwere Unfallfolgen zu vermeiden. Mit dem Ziel der Reduzierung des allgemeinen Geschwindigkeitsniveaus sollen insbesondere schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer vor Unfällen geschützt werden. Soweit die Theorie.  Die Zahl der Verkehrstoten ist allerdings – trotz gestiegener Geschwindigkeitsmessungen und einer deutlich höheren Zahl von stationären Blitzern – seit Jahren nicht mehr gesunken – verharrt bei ungefähr 3 200 Verkehrstoten im Jahr in der Bundesrepublik.Die Stadt hat noch nicht entschieden, welches die acht Standorte für die stationäre Messung sein werden. Das wird augenblicklich geprüft. Neben ortsfesten Standorten, die mögliche Geschwindigkeitsbeschränkungen im Zuge der Lärmaktionsplanung zum dauerhaften Erfolg führen können (beispielsweise besteht mit neuer Messtechnik die Möglichkeit einer automatisierten Überwachung der zulässigen Geschwindigkeit, tagsüber 50 nachts 30 Stundenkilometer) sollen laut Verwaltung Unfallschwerpunkte, Schulbereiche oder Ortseingangsbereiche in Frage kommen.


Mobil dürften die Blitzer in den ganztägig geltenden Tempo 30 Zonen in Wohngebieten aufgestellt werden. Oder in Fußgängerbereichen, wo Schritttempo gefordert ist. Welche Blüten das treibt, kann erleben, wer die Eberhardstraße Richtung Eisenbahnstraße fährt. Da ist Schrittgeschwindigkeit gefordert. Ein Einhalten dieser führt dazu, dass der Motor abgewürgt wird. Dies bestätigen auch Experten, die sagen, dass mittels Tacho ein Tempo zwischen fünf und zehn Stundenkilometer gar nicht mehr zuverlässig messbar ist. Hier klingelt einfach nur die Stadtkasse. Warum wird dieser Schleichweg für Autofahrer nicht einfach gesperrt? Noch ein anderer Aspekt spielt eine Rolle, denn viele Tempo 30-Zonen, etwa im Haugenrain, werden als Abkürzung genutzt, um den Verkehrsstau in der Innenstadt zu entgehen oder von Outlet-Touristen, die nach einem Parkplatz suchen. Hier wäre es angebracht, das Wohngebiet nur für Berechtigte zugänglich zu machen, aber das kostet Geld und bringt keine Einnahmen.