Leben die Bewohner der Buchhalde mit einer tickenden Zeitbombe? Gefährden Altlasten der Deponie Wachtertal und des früheren Auffüllplatzes Kuhfriedhof die Menschen dort? Den Eindruck hätte gewinnen können, wer am vergangenen Donnerstag einen Radiobeitrag im Deutschlandfunk hörte. Autorin ist Ursula Götz – eine Uracherin, die ihre journalistische Laufbahn bei RTL Radio begann. Alles andere als begeistert war Dettingens Bürgermeister Michael Hillert über den Beitrag. Er spricht von unseriösen Methoden. So wird in dem Radiobericht die Behauptung aufgestellt, dass »das Wohngebiet Buchhalde in der schwäbischen Gemeinde Dettingen an der Erms früher Krebshügel genannt wurde. Es habe dort mehr Krebskranke als woanders gegeben, erzählte man sich.« Das Kreisgesundheitsamt wollte aber weder für damals als die Deponien entstanden noch für heute bestätigen, dass in der Buchhalde mehr Menschen als in anderen Regionen an Krebs erkrankten. Durch so eine Aussage wird fahrlässig mit den Ängsten der Menschen gespielt. Journalistischer Ehrgeiz, eine aufrüttelnde Geschichte zu erzählen, übertrumpft in solchen Fällen gerne die gründliche Recherche. 

Dass in unserer Wegwerfgesellschaft die Müllentsorgung ein Kardinalproblem ist, sollte jedoch niemand aus den Augen verlieren. Jedes Jahr fallen in Deutschland 350 Millionen Tonnen Abfall an, davon sind 17,8 Millionen Verpackungsmüll. Rund 8,3 Millionen Tonnen steuern die Privathaushalte bei. Während heute strenge Vorschriften bei der Entsorgung von Müll bestehen, wurde bis in die siebziger Jahre Vieles einfach auf so genannten Auffüllplätzen abgekippt. Dazu gehörte auch der Kuhfriedhof in Dettingen, auf dem zum Teil das Wohngebiet Buchhalde und eine Freizeitanlage gebaut wurde. Dort wurden nicht nur Tierkadaver beseitigt, sondern auch Bauschutt oder Hausmüll entsorgt. Rund 100 000 Kubikmeter sollen es gewesen sein. Bis zum ersten Abfallwirtschaftsgesetz im Jahr 1972 wurde Hausmüll vielerorts einfach an Steilhängen und Böschungen in die Landschaft gekippt. In den 60er-Jahren gab es bundesweit rund 50 000 unkontrollierte Müllkippen. Städte kippten ihren Abfall sprichwörtlich auf die grüne Wiese. In Dörfern gab es die sogenannten »Bürgermeisterkuhlen«, in denen der Müll landete. Alles ganz legal. Gegenüber des Wohngebiets Buchhalde, in dem knapp ein Viertel der Dettinger lebt, befindet sich die Deponie Wachtertal. Auf rund elf Hektar Gelände wurden rund 850 000 Kubikmeter Industrie- und Hausmüll vergraben.

Was in der Deponie Wachtertal lagere, ergibt sich nach den Worten von Bürgermeister Michael Hillert aus der Untersuchung im Jahr 2009: »Das war Hausmüll, Bauschutt. Man hat damals eigentlich alles in diese Deponie hineingeworfen. Bezüglich der Gefährdung von Sickerwasser oder von Oberflächenwasser wurde aber eine Detailuntersuchung angeordnet. Die wurde dann im Jahr 2012 durchgeführt und kein weiterer Handlungsbedarf festgestellt.« Diese Erkenntnisse habe man der Deutschlandfunkreporterin zur Verfügung gestellt. Erbost hat ihn, dass ein Tübinger Professor zitiert werde, der sich noch nie die ehemalige Deponie angeschaut habe. Eher Entwarnung gibt Thomas Leichtle, Geschäftsführer des Zweckverbands Abfallverwertung Reutlingen/Tübingen. In dem Radiobericht sagt er: »Das Sickerwasser vom Wachtertal wird zwei Mal im Jahr nach Schadstoffen untersucht. Demnach geht die Verschmutzung langsam zurück. Es falle auf, dass sich die Kurve langsam abflacht.« Aus Vorsichtsgründen rät er davon ab, das Sickerwasser in einen Bach abzuleiten. Bis dies möglich sei könnten noch Jahre vergehen.

Panikmache ist nicht gefragt bei so einem heiklen Thema, den Kopf in den Sand zu stecken, hilft ebenfalls nicht weiter. Für die Gemeinden sind solche ehemaligen Mülldeponien ein Risiko – nicht nur unter möglichen Gesundheitsaspekten, sondern wegen möglicher Kosten, die entstehen.