Rappelvoll war am Freitagabend die Metzinger Medienakademie (Mametz). Thomas Zecher hätte sich gefreut, aber der Motor, der kreative Kopf des Mametz, ist nicht mehr da. Sein überraschender Tod stellt auf dramatische Weise die Zukunft dieser im Jahr 2015 gegründeten Metzinger Kultur-Institution in Frage. Eingeladen hatte Harald Hug, bisher zweiter Vorsitzender der Mametz, zu diesem Abend. Moderiert wurde er von den zwei überzeugten Mametz-Aktivisten Ursula und Karsten Lindner. Hug stellte gleich zu Beginn die Gretchenfrage: Quo vadis Medienakademie? Der nun ins Rampenlicht gerückte Hug stellte verschiedene Optionen in den Raum. Die reichten von der kompletten Auflösung des Vereins über eine Neuaufstellung oder einem reinen Wirtschaftsbetrieb bis hin zu einem Mediencafé als Trägerverein und Versammlungsort für Metzinger Vereine.
Unumstößliche Wahrheit sind die Fixkosten angefangen bei der Miete über Heizung, Strom und Internet. Um überhaupt existieren zu können, benötigt der als gemeinnützig geltende Verein 30 000 Euro jährlich.

Auf Rosen gebettet war die Mametz nie. Am Laufen gehalten wurde die Akademie durch den altruistischen Einsatz von Thomas und Petra Zecher. Und nicht zuletzt durch die förderungswürdigen Filmprojekte von Thomas Zecher, die zu den Vermietungen der Räumlichkeiten oder den Veranstaltungen den Löwenanteil der Einnahmen ausmachten. Von Seiten der Stadt war die Unterstützung bislang überschaubar. Im letzten Jahr genehmigte der Gemeinderat einen jährlichen Zuschuss von 2650 Euro.Alle, die gekommen waren, einte der Wunsch, die Medienakademie nicht sterben zu lassen. Oder wie es eine Besucherin formulierte: »dass es weitergeht im schönsten Wohnzimmer der Stadt.« Für den Erhalt dieser Herzensangelegenheit sprudelten die Ideen: Tanzveranstaltungen am Sonntag, Disco für Jung und Alt, Jahrgangstreffen, After-Work-Partys oder eine offene Kulturbühne wie der Musenstall in Wannweil. Immer wieder wurde auch die Volkshochschule als potenzieller Mieter für ihre Kurse ins Spiel gebracht. Wer aber weiß, wie stark die VHS am Tropf der Stadt hängt, der weiß auch, dass sie nicht viel für die 150 Quadratmeter Fläche bezahlen kann.

Die mehr rationalen als emotionalen Wortmeldungen gaben zu bedenken, dass ein Businessplan notwendig sein werde, bevor irgendwelche Entscheidungen getroffen würden. Nicht von der Hand weisen lässt sich auch die Aussage eines Metzinger Unternehmers der bezweifelte, dass ohne einen Kümmerer, einen hauptamtlichen Mitarbeiter, das Mametz funktionieren wird. Das wäre aber der Jahresetat schnell bei einer sechsstelligen Summe. Zwingend für den Fortbestand des Vereins ist zunächst, dass er Mitglieder generiert. Das Konzept von Thomas Zecher, den Verein nur mit der Minimalmitglieder 7 schnell und effektiv zu halten, funktioniert nicht mehr. Harald Hug sprach von 100 Mitgliedern, die mindestens benötigt würden, davon erhofft er sich einen harten Kern von 15, die aktiv mitarbeiten. Doch schon beim Mitgliedsbeitrag gingen die Meinungen auseinander. Die Bandbreite reichte von 25 Euro im Monat bis maximal 50 bis 100 Euro im Jahr. Die von Harald Hug aufgestellten Einnahmenerlöse mit 3000 Euro aus Mitgliedsbeiträgen sind sportlich, genauso wie die 5000 Euro für Sponsoring, 9000 Euro für Veranstaltungen und 13 000 Euro für Vermietungen um am Ende auf die 30 000 Euro zu kommen.

Die zusätzlichen Mitglieder, so viel ist sicher, müssen schnell gefunden werden, denn dem Verein laufen Kosten und Zeit davon. Am Freitag war der Wille erkennbar, die Mametz weiterzuführen. Am 12. April ist die Mitgliederversammlung und viele streckten die Hand, als Karsten Lindner abfragte, wer sich engagieren will. Vorab will sich eine kleinere Gruppe treffen, die ein Konzept erarbeiten will, wie es weitergehen könnte. Einen Versuch ist es allemal Wert, den Verein auf viele Schultern zu stellen und die Arbeit zu verteilen. Es wäre eine Fortführung im Geiste von Thomas Zecher. Aber nicht immer gehen Wunsch und Wirklichkeit den gleichen Weg.