Eine Straße die Promillesteige genannt wird, hat per se einen zweifelhaften Ruf. Aber selten hat eine Verbindung zwischen zwei Orten ein derart falsches Etikett aufgeklebt bekommen. Die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Dettingen und Hülben ist ein kleiner, jedoch wichtiger, zusätzlicher Albaufstieg, der den Autofahrern eine Menge Zeit und Sprit erspart. Nun droht aber der Straße die endgültige langfristige Sperrung. Sanierungsarbeiten an der schmalen Straße und am Hang werden nötig. »Das ist auf Dauer nicht mehr stemmbar«, betont der neue Ortsbauamtsleiter Felix Schiffner. 

Schon vor mehr als drei Jahren hatte die Gemeinde Dettingen den Versuch unternommen, diese Gemeindeverbindungsstraße zur Kreisstraße hochstufen zu lassen, was eine deutliche Kostenentlastung gebracht hätte. Doch der Gang vor das Verwaltungsgericht in Sigmaringen und der anschließende zweite Schritt vor das Oberverwaltungsgericht in Mannheim blieben erfolglos. Das Gericht erkannte 2015 die überörtliche Bedeutung der Promillesteige nicht an, bedauerte Bürgermeister Michael Hillert, obwohl die Gemeinde ein Verkehrsgutachten vorgelegt hatte, das dies belegen sollte. Die Zahlen stammten aus dem Jahr 2008 und liegen heute vermutlich wesentlich höher. Laut Zählung sind damals schon täglich
1 800 Fahrzeuge auf der schmalen Steige hoch auf die Alb oder hinunter ins Ermstal unterwegs gewesen. 

Dettingen zahlt für den aufwändigen Winterdienst, außerdem zwischen 20 000 und 40 000 Euro im Jahr, wenn nur das Nötigste gemacht wird, wie Felsen wegräumen. Die jährlichen Routinearbeiten sind mittlerweile erledigt. Nun soll sich Felix Schiffner als gelernter Bauingenieur die Strecke genauer ansehen. »Das ist nicht an einem Nachmittag getan, sondern ein längerer Prozess«, erläutert Schiffner. Unterschieden werden muss zudem zwischen kurz- und langfristigen Maßnahmen. Irgendwann ist es mit Flicken des Straßenbelags nicht getan, eine Hangsicherung ist unabdingbar.
Der Frust der Dettinger Verwaltung ist nachvollziehbar. Als einzige Gemeinde im ganzen Landkreis soll sie einen Albaufstieg allein unterhalten. Wer mitverfolgt wie viele Millionen Euro seit Jahren in die Böhringer, Wittlinger oder Sirchinger Steige investiert werden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, der weiß, dass dies kein Dauerzustand ist. 

Nachbarschaftliche Hilfe ist nicht zu erwarten. Hülben hat schon abgewunken. Und die Kurstadt Bad Urach, die mit am meisten profitiert, da ein guter Teil des Verkehr über die Promillesteige läuft, verweigert ebenfalls die Unterstützung. Eine Aufwertung der Straße auf Kreisstraßenniveau – mit Verbreiterung der Fahrbahn – würde laut Felix Schiffner einen ordentlichen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Selbst wenn nur der Status Quo aufrechterhalten wird, muss in die Promillesteige siebenstellig investiert werden. Wären es nur die Autos, die das schmale Sträßchen benutzen, würde der Verschleiß langsamer vonstattengehen. Tatsächlich nutzen jedoch auch Brummifahrer die Abkürzung, obwohl das LKW-Verbotsschild nicht zu übersehen ist. Die schweren Lastwagen beschleunigen das nahe Ende. 

Kurz und knapp: Dettingen fehlt es schlichtweg am Geld für die Straße. Schließlich hat die Gemeinde noch mit der Finanzierung des Schillerschulanbaus, der rund 18 Millionen Euro verschlingt, zu kämpfen. Es muss in den Hochwasserschutz investiert werden und das nächste Großprojekt, die Sanierung des Feuerwehrmagazins am Ort oder ein Neubau an anderer Stelle, erfordern weitere finanzielle Mittel und dies zu einem Zeitpunkt wo die Steuererlöse nicht mehr so fließen wie in den Jahren zuvor. Wenn also alle die Promillesteige fahren, aber keiner dafür zahlen will, hilft nur die Sperrung. Dann wird sich bald zeigen, ob es genügend nörgelnde Autofahrer gibt, die bei Politik und Landkreis vorstellig werden, dass Dettingen doch noch einen kreiseigenen Albaufstieg erhält.