Dettingens größtes Projekt, die Schillerschule, mit einer Bausumme von rund 15 Millionen Euro wird nochmals um rund 225 000 Euro teurer. Grund: Ein Projektsteuerer wird engagiert. Bis zum Sommer des Jahres 2020 bleibt die Schillerschule eine Großbaustelle. Dann soll das Schulzentrum als Ganztagsschule der einzige Bildungsstandort in der Gemeinde sein, denn die Uhlandschule wird nach der offiziellen Einweihung von Neubau und Mensa ihre Pforten schließen. Das erste Etappenziel auf dem Weg zu einer neuen Schullandschaft in Dettingen ist geschafft: Seit Pfingsten haben die Handwerker auf der Baustelle Schillerschule die Brandschutzarbeiten am Bau aus dem Jahr 1968 (Split-Level-Gebäude) abgeschlossen, so dass der Schulbesuch wieder uneingeschränkt erfolgen kann. Unterdessen wird in der direkten Nachbarschaft gebaut.


Bislang war der Gemeinderat der Meinung, dass die eigenen Fachleute die Neubauten selbst steuern können. Nun der plötzliche Sinneswandel: Ein externer Fachmann, sprich das Stuttgarter Büro Klotz und Partner soll die Ausschreibungen und Vergaben regeln und nicht zuletzt den Zeitplan und das Budget im Blick haben. Tatsache ist zunächst einmal, dass die 225 000 Euro Mehrkosten für den Steuerer zu Buche schlagen. Bürgermeister Michael Hillert stellte dies als etwas ganz Normales dar: »Größere Bauvorhaben werden heute immer häufiger mit Hilfe einer fachkundigen Projektsteuerung realisiert.« So ganz lässt sich das alles nicht nachvollziehen. Sicherlich ist richtig, dass das Baugewerbe derzeitig extrem gut ausgelastet ist, dass Höchstpreise verlangt werden oder manche Firmen gar kein Angebot abgeben, was zur Folge hat, dass bei der Vergabe keine konkurrenzfähigen Angebote vorliegen. 

Nicht ganz neu dürfte Verwaltung und Gemeinderat jedoch der Gedanke sein, dass die Sanierung beziehungsweise der Anbau bei dem Mammutprojekt durchaus komplex ist. Während des Augusts scheint dann beim Bürgermeister die Angst aufgekommen zu sein, dass Zeitplan und Kostenrahmen im Diskurs zwischen Verwaltung und Planung in Gefahr geraten könnten. Hillerts Aussage, dass er die 15 Millionen-Obergrenze mit »Zähnen und Klauen« verteidigen will, ist kritisch zu werten, denn dieses Limit gerät schon allein dadurch in Gefahr, dass vorab fast eine Viertelmillion Euro in der Tasche des Projektsteuerers verschwindet. Etwas seltsam mutet einem auch an, dass der Projektsteuerer bereits in den vergangenen Wochen auf Honorarbasis an einzelnen Besprechungen der Beteiligten dabei war.


»Die bereits umgesetzten Referenzobjekte haben uns von der sachlichen und fachlichen Leistungsfähigkeit des Büros überzeugt«, sagte Hillert. Der Gemeinderat stellte sich in der jüngsten Sitzung demonstrativ hinter den Bürgermeister. Von der fachlichen Seite argumentierte Archibald Fritz, Architekt und Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Liste: »Bei einem 15-Millionen-Projekt ist ein Projektsteuerer durchaus üblich.« Die CDU schmerzen die Mehrausgaben, aber im Sinne des Projekts wurde Zustimmung signalisiert. FWV-Rat Martin Sulzer dagegen fragte den zuständigen Architekten Thorismuth Gaiser zu Recht: »Wozu benötigen Sie als Planer eine Steuerer?
Ob die Ermahnungen von Rolf Hägele (Freie Wähler Vereinigung) fruchten (»bitte vertreten sie wirklich unsere Interessen«), bleibt zu hoffen, klingt aber eher naiv. Einen Vorteil hat das Hinzuziehen eines Projektsteuerers: Das Büro Klotz und Partner hat einen gewissen Druck, die Kostengrenze einzuhalten, will das 1975 gegründete Unternehmen nicht seinen guten Ruf aufs Spiel setzen. Verwaltung und Gemeinderat haben zudem ein Alibi, wenn’s doch teurer wird: Der Projektsteuerer war’s.


Die Gemeinde muss sich trotz allem fragen lassen, warum man Monate zugewartet, dann auf Honorarbasis Klotz und Partner, vielleicht auch etwas blauäugig, dazu geholt hat, statt gleich Nägel mit Köpfen zu machen. Dass der Projektsteuerer – einmal am Tisch sitzend – genügend Argumente pro domo findet dürfte einleuchten.