Als kurz vor Weihnachten die Buchhandlung Stoll samt schräg gegenüberliegender Papeterie in der Schönbeinstraße Insolvenz beantragten, Fisch-Brunner und der Märklin-Shop am Marktplatz zum Jahresende dicht machten, war dies nur der Anfang der Veränderungen im Metzinger Einzelhandel. Jüngster »Höhepunkt« ist die Aufgabe des Foto Studios Höss’ in der Reutlinger Straße 3. Auch auf dem Kelternplatz tut sich einiges. In die Innere Heiligenkelter zieht nach Renovierungsarbeiten die indische Familie Singh, die dort ein Eiscafé mit Cocktailbar betreiben wird, außerdem wird mittags und abends klassische ayurvedisch-indische Küche angeboten.
Nun ist die Aufgabe von Ladengeschäften und die Frage nach den Gründen das Eine, genauso spannend ist, wer oder was anstelle kommt. Und da beginnt sich das Karussell zu drehen.
Aufgesprungen ist Osiander: Der Südwest Filialist Osiander mit Sitz in Tübingen baut weiter seine Kette aus: Osiander eröffnet in Metzingen und übernimmt die insolvente Buchhandlung Stoll. Die Papeterie wird von einer ehemaligen Stoll-Mitarbeiterin, Andrea Ströbel (wir berichteten), weiter geführt. Die Buchhandelskette startet allerdings nicht in der Schönbeinstraße den Neuanfang, sondern in 1 A-Lage in der Reutlinger Straße. Vieles spricht dafür, dass das Fotostudio Höss, das zum Ende Februar seine Tür schließt, der Osiander-Standort wird. Noch nicht ganz aus dem Rennen scheint das Gebäude in der Reutlinger 43, wo laut Buschfunk Tchibo noch in diesem Frühjahr ausziehen wird. »Wir hatten Metzingen schon sehr lange im Blick, haben uns allerdings zurückgehalten, weil es bereits zwei Buchhandlungen in der Innenstadt gab«, sagte Osiander-Chef Christian Riethmüller. »Mit der Insolvenz haben sich die Rahmenbedingungen für uns grundlegend geändert«, so Riethmüller. »Am jetzigen Standort wäre es auch für Osiander schwer, einen wirtschaftlich rentablen Laden mit Zukunft zu betreiben. In bester Lauflage sieht Riethmüller dagegen großes Potential. »Für uns war dann aber schnell klar, dass wir diesen neuen Laden nicht zusätzlich aufmachen, sondern dass wir die Buchhandlung Stoll mit all ihren Mitarbeitern übernehmen und gemeinsam an den neuen Standort umziehen.« Von Osiander mit genutzt werden könnte nach Aussage von Jochen Krohmer, Leiter des Geschäftsbereichs Wirtschaft und Tourismus bei der Stadt und Geschäftsführer von Metzingen Marketing und Tourismus (MMT), die Räume der ehemaligen »Kurven-Queen« (Wäschehaus Schmid) die leer stehen. Offen bleibt, was mit den Stoll’schen Ladenräumen in der Schönbeinstraße passiert.
Für Axel Höss, der das Geschäft 1990, damals noch gegenüber der Martinskirche, von seinem Vater übernommen hatte und dessen Großvater 1949 den Laden eröffnet hatte, ist definitiv Schluss.
»Die Rahmenbedingungen haben sich enorm verändert, die Fixkosten sind gestiegen und der Internethandel ist die größte Konkurrenz. Was ihn am meisten schmerzt, ist das Beratung nicht mehr honoriert werde. »Die Leute kommen zwar ins Geschäft und informieren sich, aber gekauft wird im Media-Markt oder im Internet. Einen Grund zur Freude gibt es: Seine acht Mitarbeiter haben alle einen neuen Job.

So schließt nach Stoll ein weiteres traditionelles Einzelhandelsgeschäft. Metzingen bleibt jedoch mit Foto Braun zumindest noch ein Fotostudio erhalten.
Einen Nachfolger gibt es bereits für Fisch-Brunner am Marktplatz. Laut Jochen Krohmer hat ein italienischer Gastronom der früher in der Reutlinger Markthalle sein Geschäft hatte, den Laden gepachtet, baut gerade um und will dort Speisen anbieten und Lebensmittel verkaufen. Für den daneben liegenden...
Märklin-Shop gebe es noch keinen neuen Pächter, so Krohmer.
Erfreuliches gibt es von der Inneren Heiligenkelter in Metzingen zu berichten. Das historische Gebäude, das zum einmaligen Ensemble der Metzinger sieben Keltern gehört, das in Erbpacht (99 Jahre) Eva Müllerschön gehört, erhält nach einer aufwändigen und teuren Sanierung einen neuen Pächter für das Erdgeschoss. Die Familie Singh eröffnet bereits am 14. Februar und neben Cocktails und einem Eiscafé wird in Metzingen erstmals indische gekocht.
Geschlossen ist momentan noch die »Reblaus«, bis 31. Dezember vom Ehepaar Kahlenberg geführt. Nach der Kündigung des Pachtvertrags will Eva Müllerschön in Ruhe das Restaurant im Untergeschoss sanieren. »Auf jeden Fall wird es dort wieder gute deutsche Küche geben«, verspricht sie.