In Metzingens größter Einrichtung zur Erwachsenen- und Weiterbildung grummelt es gewaltig. Die Volkshochschule hat sich von einer Lehrkraft getrennt, weil sie ihren Kursteilnehmern angedroht hat, die Unterrichtseinheiten zu kürzen. Sie fühlt sich schlecht bezahlt, gleichzeitig steige aber ihr Verwaltungsaufwand. Der Vorgang entbehrt nicht einer gewissen Skurilität: Eine bei Kursteilnehmern wegen ihres fachlichen Könnens geschätzte Englisch-Dozentin stellt sich kurz vor Semesterende vor ihre Klasse und verkündet, dass sie gedenke, künftig den Unterricht zu kürzen. Vorher schimpft sie jedoch ausgiebig über die Volksschule, besonders über die mangelhafte Organisation. Dass die Teilnehmer die Arbeit der Dozentin schätzen, manifestierte sich darin, dass sie anbieten, mit der VHS-Führung sprechen zu wollen, was die Englischdozentin jedoch ablehnt. Dies mit der Begründung, »die zahlten nur die wirklich geleisteten Unterrichtstunden und sie, die Dozentin, müsse deshalb befürchten, noch weniger zu verdienen.«

Die Diskussion gipfelt darin, dass die Dozentin den Teilnehmern die Pistole auf die Brust setzt, wenn dies nicht akzeptiert werde, sehe sie sich gezwungen hinzuschmeißen. Nicht genug damit. Die Lehrkraft besteht auf einer Abstimmung, wer bereit sei, die Kürzung zu akzeptieren. Öffentlich gemacht wurde dies von einer Kursteilnehmerin, die einen geharnischten Leserbrief schrieb, in dem sie richtigerweise anmerkt, dass zwischen Dozentin und Teilnehmern überhaupt kein Vertragsverhältnis besteht: Die Dozentin erhält Auftrag und Geld von der VHS, der Teilnehmer zahlt seine Gebühr an die VHS. Noch undurchsichtiger wird das Ganze, wenn man den VHS-Chef, Oliver Beck dazu befragt. Der bestätigt, dass die Dozentin bei ihm vorgesprochen und ein höheres Honorar gefordert hatte. Wenn nicht, werde sie ihren Kursteilnehmern vorschlagen, die Einheiten zu kürzen. »Ich habe ihr davon abgeraten«, so Beck. Er begründet die Kündigung zum nächsten Semester damit, niemanden beschäftigen zu können, der seine Anweisungen missachte. Wie so oft im Leben hat eine solche Geschichte zwei Seiten. Ist es notwendig, eine verdiente Dozentin, die seit 14 Jahren für die VHS arbeitet, einfach zu kündigen, ohne ihr eine zweite Chance zu geben? Andererseits: Wie ignorant muss jemand sein, der gerne mehr Geld hätte, seine vorgesetzte Stelle aber derart bloßstellt und glaubt, dass keine Gegenreaktion folgt.


Es ist kein Geheimnis, dass die Dozenten bei der VHS keine Reichtümer anhäufen – im Gegenteil: Bei einem Honorar von 19 Euro für 45 Minuten kann eher von einem besseren Taschengeld gesprochen werden. Mehr Geld gibt es nur für Dozenten mit höherer Qualifikation oder wer beispielsweise Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Da gibt es 35 Euro auf die Unterrichtseinheit. Hier zahlt jedoch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge das Geld. Eine Schande ist allerdings, dass das Hochtechnologieland Baden-Württemberg beim Zuschuss für seine Volkshochschulen nicht einmal den bundesweiten Durchschnitt erreicht. Und dies obwohl den Volkshochschulen immer wieder attestiert wird, dass sie im Bereich der Erwachsenenbildung professionelle Arbeit abliefern.

Die Volkshochschulen – mittlerweile über 100 Jahre alt – wachsen seit Jahren kontinuierlich. Da macht Metzingen keine Ausnahme. 1,28 Millionen Euro lautete das Wirtschaftsergebnis in 2017, rund 283 00 Euro steuert die Stadt bei, 132 00 Euro das Land. 864 000 Euro nimmt die VHS über Gebühren ein. Rund 950 000 Euro wendet die VHS für die angestellten oder freien Mitarbeiter auf. Zum Vergleich 2013 waren es noch 520 000 Euro. Kosten sparen ist also sicherlich ein Thema. Da werden dann Verwaltungsaufgaben auch schon mal an die Dozenten delegiert.  Die Kursteilnehmer sollen ihre Gebühren nicht per Überweisung bezahlen, sondern am liebsten ein Lastschriftmandat ausfüllen, weil dies am wenigsten Arbeit macht. Mails werden nicht oder spät beantwortet, am Telefon wird von den Mitarbeitern nicht immer der Eindruck erweckt, dass die VHS als Dienstleister agiert. Beck spricht von Einzelfällen und dass dadurch ein falscher Eindruck geweckt wird. Eine Institution wie die VHS lebt von ihrem Image. Beschwerdemanagement hat Priorität. Und das ist sicherlich verbesserungswürdig.