Bezahlbares Wohnen wird zur größten Herausforderung der sich Kommunen in den nächsten Jahren stellen müssen. Ganz schlimm ist es in Großstädten. 17,54 Euro kostete der Quadratmeter einer neu vermieteten Wohnung in München Mitte 2018 laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, und zwar nettokalt. Die Stadt an der Isar ist damit die teuerste Stadt in Deutschland. Soweit ist es in Metzingen noch nicht. Aber die aufstrebende Große Kreisstadt mit einem Zuwachs von rund 150 Beschäftigten pro Jahr und einer steigenden Bevölkerungszahl von 175 Bürgern benötigt dringend bezahlbaren Wohnraum. Dafür wurde 2016 die Bürgerstiftung Communia ins Leben gerufen, in dessen Vorstand unter anderem Bürgermeisterin Jacqueline Lohde und Ulrich Gärtner sitzen.

Die Idee von Communia ist vom Grundsatz her bestechend. Die normale Belegung von Sozialwohnungen, die in der Regel nach 20 oder 25 Jahren endet, wird aufgehoben. Die Nutzung des jeweiligen Grundstückes bleibt über die Stiftung an soziale Zwecke gebunden. Das Ganze funktioniert über das Erbbaurecht, das über 99 Jahre läuft. Mit dem Stiftungsgeld (Erträge und Spenden) werden Grundstücke gekauft, die dann über das Erbbaurecht an Bauwillige und Investoren zur Verfügung gestellt werden. Diese Bereitstellung erfolgt zweckgebunden zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Der Pachtzins für das Grundstück geht seitens des Bauherrn oder Investors an die Stiftung zum Ankauf weiterer Grundstücke. Der Investor profitiert von den Zuschüssen für den sozialen Wohnungsbau und verdient an der Vermarktung.

An zwei Ecken klemmt es fast drei Jahre nach Stiftungsgründung. Schnell wurde zwar ein Grundstück in der Nürtinger Straße 95 gefunden, eingebettet zwischen der B 313 und der Bahnlinie, genau da, wo die Straße ins Wohngebiet Millert abzweigt und die Friedenskirche ihre Gemeindemitglieder zusammenruft. Dort sollte ein Gebäude mit zehn bis 14 kleineren Zwei- bis Vierzimmer-Mietwohnungen erstellt werden. Bis heute verhindert jedoch durch juristische Spitzfindigkeiten ein Nachbar, dass die fertigen Pläne aus der Schublade geholt werden können. Ein weiteres gravierenderes Problem sind rund 140 000 Euro, die zum nötigen Grundkapital von 200 000 Euro fehlen. Erst wenn diese Summe beisammen ist, erlauben die Aufsichtsbehörden, dass die Stiftung an den Start gehen kann. Bislang fungiert die Stiftung Trias, die im Ruhrgebiet ihren Sitz hat, quasi als Treuhänder, bis die Communia auf eigenen Beinen stehen kann. Über sie wurde auch der Kauf des Grundstücks an der Nürtinger Straße finanziert. Ein zweites Metzinger Grundstück würde die Communia gerne selbst erwerben, aber dazu muss sie als selbstständige Stiftung aktiv werden können.

Deshalb werben Communia-Vorstandsvorsitzende Jacqueline Lohde und ihre Mitstreiter sowohl bei Bürgern als auch bei Unternehmen um Spenden oder Zustiftungen. Privatpersonen erhalten Spendenbescheinigungen, Unternehmen können die Zustiftungen innerhalb von zehn Jahren steuerlich geltend machen. Die Communia sieht sich nicht in Konkurrenz zu Staat oder Politik. »Wir wollen Grund und Boden der Spekulation entziehen«, so Ulrich Gärtner. Lohde ist überzeugt, dass dieses Modell, das in Deutschland sicherlich seinesgleichen sucht, erfolgreich sein wird. »Jeder Euro zählt«, so die Bürgermeisterin. »Die Unterstützer der Communia, die die Schaffung von Wohnraum durch Zustiftungen ermöglichen, haben die Gewissheit, dass ihr Engagement zielgerichtet eingesetzt wird«, betont Lohde. Durch die Zweckbindung der Stiftung ergebe sich eine klar nachvollziehbare Verwendung der Zustiftungen. Dadurch erfahre die Stadtgesellschaft eine Entspannung des Wohnungsmarkts und damit eine Stabilisierung des sozialen Friedens in der Stadt. Alle, die ihren Beitrag für die Communia leisten wollen, finden im Internet unter www.communia-metzingen.de mehr Informationen.