Wochenlang haben sich die beiden gegensätzlichen Lager erbittert gestritten: Für den Erhalt des preisgekrönten Hallenbads und des altehrwürdigen Freibads auf der einen Seite, für den Bau eines neuen Kombibads auf der anderen Seite. Wenige Sekunden dauerte dagegen am Sonntagabend im Rathaus die Verwandlung in eine Gruppe der Jubler und eine der Verlierer. Das Ergebnis ließ keine Zweifel, wer der große Sieger des Abends war: 71,4 Prozent der Wähler hatten für das Kombibad gestimmt, die Gegner kamen gerade mal auf 28,6 Prozent.

Ein Blick auf das Abstimmungsverhalten in den einzelnen Stadtteilen zeigt, dass je weiter weg vom Stadtkern, stärker für das Kombibad votiert wurde (Neugreuth, Ohmstraße, Neuhausen oder Glems). In der Kernstadt waren die Befürworter einer Sanierung der Bäder stärker vertreten - immerhin sind von da aus beide Bäder gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar. Erstaunlich ist die große Ablehnung des Kombibads im Haugenrain. Hier kann nur vermutet werden, dass die Bewohner nach dem Bau des neuen Bades an der Auchtertstraße/Bongertwasen ein höheres Verkehrsaufkommen befürchten. Dass dieses Thema die Metzinger Bürger umtreibt, zeigt die hohe Wahlbeteiligung von 47,7 Prozent. Wahlberechtigt waren alle über 16 Jahre alten Metzinger, insgesamt 18 017 Personen. Hans-Joachim Polte, einer der Sprecher der Pro-Komibad-Gruppe brachte es kurz nach Bekanntgabe auf den Punkt: »Allen, die mit uns gekämpft haben, fällt ein Stein vom Herzen, auch angesichts des eindeutigen Ergebnisses.« Dieter Ernst, Sprecher der Bürgerinitiative für den Erhalt und Ausbau der Metzinger Bäder meinte lakonisch: »Der Souverän hat gesprochen«. 

Die Spannung stand den Besuchern ins Gesicht geschrieben, als am Sonntag um 18 Uhr die Wahllokale ihre Türen schlossen und die ersten Bürger im Rathaus eintrafen, um das Ergebnis zu erfahren. Kurz vor 19 Uhr traf die Verwaltungsspitze mit Oberbürgermeister Ulrich Fiedler, Wahlkampfleiter Albrecht Gaiser sowie den beiden Bürgermeistern Jacqueline Lohde und Carmen Haberstroh ein. Fiedler meinte: »Die Bürgerschaft hat bestätigt, was der Gemeinderat einstimmig entschieden hat. Er rief alle Metzinger auf, sich nun in den zweiten Teil des Bürgerdialogs einzubringen, bei dem es darum geht, die Bedürfnisse und Wünsche für das neue Kombibad zu spezifizieren, ohne die Frage außen vor zu lassen: »Was können wir uns leisten?« Vor allem aber appellierte er an die Bürgerschaft, die aufgegriffenen Gräben wieder zuzuschütten. »Wir müssen im Interesse eines neuen Bades wieder zu einem Miteinander kommen«, betonte der Schultes.

Persönlich zeigte sich Fiedler zufrieden damit, dass die Bürgerschaft die gewählte Methode einen Bürgerkonsens in Sachen Bäder herbeizuführen, bestätigt hatte. »Es war der richtige Weg und wir haben belastbare und wichtige Ergebnisse gewonnen.« Bereits im vorigen Jahr wurde von der Kommune der »Bürgerdialog Zukunft Bäder« eingeleitet. Dieser gipfelte in einer Empfehlung an den Gemeinderat mit einem klaren Ja zum Kombibad. Dieses soll Hallen- und Freibad unter einem Dach, aber kein reines Spaßbad sein, das für nur für Jugend gebaut wird. Die Akteure im Bürgerbeteiligungsprozess entschieden für ein modernes Sportbad. Hinter dieser Idee stehen die Schwimmvereine, der Gesamtelternbeirat, Jugendgemeinderat und im Mai votierte auch die eindeutige Mehrheit des Gemeinderats dafür. 
Lob gab es dafür sogar von höchster Stelle: Das Staatsministerium des Landes Baden-Württemberg unterteilte, die Stadt setze Maßstäbe in Sachen Bürgerbeteiligung.

Metzingen hätte einen reizarmen Sommer erlebt, hätte sich nicht gegen den Beschluss die Bürgerinitiative pro Erhalt und Ausbau der Metzinger Bäder gebildet. Diese startete ein Bürgerbegehren bei dem sie 2096 Unterschriften sammelte (das Quorum lag bei 1270) und so den Bürgerentscheid erzwang. Von da an ging der Zwist mitten durch die Metzinger Bürgerschaft, ja sogar in den Familien gab es Pro und Kontra. Gegenseitige Vorwürfe mit Fake-News zu arbeiten, machten die Runde, vor allem die Gegner des Kombibads taten sich mit waghalsigen Finanzbeispielen wie günstig das Sanieren der alten Bäder und wie teuer das neue werde, hervor. Insofern kann die Stadt froh sein, dass es zu einem Bürgerentscheid kam, verhindert dieser doch die Legendenbildung, der Konsensus-Prozess sei sowieso von Verwaltung und Gemeinderat gesteuert gewesen. Dass direkte Demokratie ihren Preis hat, ist der einzige Haken. Bezahlt werden die Kosten für die Wahl, die sich in sechsstelliger Höhe bewegen, von allen Bürgern.