Für die Bewohner des Pflegeheims »Haus am Calverbühl« haben die unruhigen Tage um die drohende Insolvenz ein gutes Ende genommen. Wie das Landratsamt und die geschäftsführende Gesellschafterin Mandy Theurer bestätigen ist das Haus bereits leer. Alle Heimbewohner sind in anderen Einrichtungen untergekommen. 22 Demenz- und Alzheimerkranke wurden in der Einrichtung gepflegt. Ursache soll ein akuter Mangel von Pflegekräften gewesen sein. Das privat geführte Pflegeheim bezog im Jahr 2012 in der Dettinger Karlstraße gemietete Räume. Ein ehemaliges Bürogebäude wurde umgebaut, so dass dort Demenz- und Alzheimerkranke gepflegt werden konnten. Außerdem wurde in den ersten Jahren noch eine Tagespflege angeboten.

Dettingens Bürgermeister Michael Hillert verwies darauf, dass zuständig für das Privatunternehmen die Heimaufsicht des Landkreises ist. Er bedauerte die Schließung, auch wenn es sich um ein kleines Heim gehandelt habe, fügte aber hinzu, dass er auf seine Fragen nach den Gründen keine befriedigenden Antworten erhalten hätte. Mandy Theurer, die zusammen mit drei weiteren Personen zu den Gesellschaftern des Hauses am Calverbühl gehört, macht fehlendes Fachpersonal, den hohen Krankenstand bei den Mitarbeitern und daraus resultierende Kündigungen verantwortlich. »Als ich die Entscheidung getroffen habe, Insolvenz anzumelden und das Haus aufzugeben, lagen mir drei Kündigungen und zwei Krankmeldungen vor«, rechtfertigt sich die geschäftsführende Gesellschafterin. Der Pflegenotstand in Deutschland ist groß. Das ist kein Geheimnis und hat sich bis zu Angela Merkel herumgesprochen. »Wir haben ein großes Fachkräfteproblem«, konstatierte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), als sie im vergangenen Sommer eine Pflegeeinrichtung in Paderborn besuchte. »Der Beruf muss attraktiver werden.«

Unter Fachkräften in der Altenpflege ist der Krankenstand überdurchschnittlich hoch, zeigt der Gesundheitsatlas der Betriebskrankenkasse BKK. Die Beschäftigten in diesen Berufen sind besonders oft von psychischen sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen betroffen. Die Zahl der Frühverrentungen liegt weit über dem Durchschnitt in anderen Gesundheitsberufen. Einer Studie des Inifes-Instituts zufolge können sich drei Viertel der Altenpflegerinnen und Altenpfleger nicht vorstellen, ihren Beruf bis zum Renteneintritt auszuüben. Nach zehn Jahren ist nur noch jede Dritte in der Altenpflege tätig, hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) festgestellt. Nach den neuesten gesetzlichen Regelungen haben Demenzkranke Anspruch auf Pflegegrad 5, was bedeutet, dass eine Pflegekraft zwei Kranke betreut. Daraus ist der enorme personelle Aufwand nachzuvollziehen, den ein Pflegeheim dieser Art betreiben muss. 

Laut Mandy Theurer sind es aber nicht allein die Personalprobleme. Geplant war, das Gebäude um eine Kurzzeitpflegestation mit zwölf Plätzen zu erweitern. Dafür hatte nach den Worten von Frau Theurer die Landesregierung einen Zuschuss in Höhe von 450 000 Euro bewilligt. Es habe jedoch Verzögerungen gegeben, die zur weiteren Schieflage geführt hätten. Wie es weitergeht entscheidet jetzt der Tübinger Rechtsanwalt Michael Riegger, der das vorläufige Insolvenzverfahren verantwortet. Er zeigte sich zufrieden, dass Mandy Theurer es zusammen mit der Heimaufsicht gelungen sei, bereits bis letzten Freitag den letzten Heimbewohner unterzubringen. 
Ausschlaggebend für ihn war tatsächlich der Pflegenotstand und die hohe Fluktuation der Mitarbeiter. Hier habe Frau Theurer zum Glück verantwortungsbewusst gehandelt und sofort die Heimaufsicht eingeschaltet. Der Nachteil sei, dass eine Fortführung des Betriebs damit ausgeschlossen sei.

Am Mittwoch voriger Woche habe zudem eine Betriebsversammlung stattgefunden auf der rund 15 Mitarbeiter erschienen seien. Die Belegschaft, so Riegger, sei über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Noch stehe er ganz am Anfang, betonte Riegger. Zunächst werde unter anderem geprüft, was an Masse da sei, um ein Insolvenzverfahren einzuleiten. Interesse an der Immobilie sei ebenfalls an ihn herangetragen worden. Dies betreffe das Verfahren aber nicht direkt, da das Haus am Calverbühl die Räume gemietet hätte.