Junge Menschen, besonders junge Männer suchen den Adrenalinkick, sie lieben den Nervenkitzel, das Abenteuer. Wo aber ist dies in unserer „gepamperten“ Gesellschaft noch möglich? Bei illegalen Autorennen, beim Base-Jumping, beim Bergsteigen und beim Fallschirmspringen. Auch das Höhlenbegehen oder Höhlentauchen gehören dazu.  Hier hat unsere Region einiges zu bieten. Der Blautopf bei Blaubeuren hat schon einige Opfer gefordert, jetzt kam ein weiteres Touristenziel, die Falkensteiner Höhle zwischen Grabenstetten und Bad Urach, mal wieder in die Schlagzeilen.  Schon ihr Anblick, ein schwarzer Schlund, lässt den Puls höher schlagen. Die ersten 20 Meter sind noch gut begehbar, dann wird das Licht schwächer, es geht kilometerweit ins Innere, dort ist es stockdunkel, verwinkelt und nass, alles wirkt feindlich und doch faszinierend. 


Ein Höhlenguide hatte seinen Kunden  mit in diese wasserführende Höhle genommen, obwohl die Wetterprognose Starkregen vorhersagte. Es kam, wie es kommen musste. Die vom Himmel fallenden Wassermassen versperrten den beiden den Rückweg. Ein weiteres Höhlen-Team, ein Veranstalter für Erlebnistouren aus dem Kreis Esslingen, hatte die Rettungskräfte informiert. Der Trupp hatte die Höhle noch rechtzeitig verlassen können. Die beiden anderen mussten die Nacht in der Höhle verbringen. Etwa 90 Sanitäter, Feuerwehrleute und Einsatzkräfte der Berg- und Höhlenrettung waren an der Befreiung der beiden eingeschlossenen Männer in der Falkensteiner Höhle auf der Schwäbischen Alb beteiligt. Sie befreiten den Guide und seinen Kunden aus etwa 650 Metern Tiefe. Bis jetzt unbeantwortet geblieben ist, die Frage:  Wer muss für die Rettung der beiden leichtsinnigen Männer zahlen?
Handelt es sich um Rettung von Menschen aus akuter Gefahr – geht diese in der Regel auf Kosten der Staatskasse. Zahlen muss, wer vorsätzlich oder grob fahrlässig handelt. Roland Deh, Bürgermeister der Gemeinde Grabenstetten, sprach von einer Dummheit in die Höhle reinzugehen. Seinen Worten zufolge werden die Kosten dem Verursacher in Rechnung gestellt. Die Gemeinde werde den Betrag vorstrecken, sich diesen aber wieder zurückerstatten lassen. Die Summe werde vermutlich bei 15 000 bis 20 000 Euro liegen.  Michael Hottinger, Einsatzleiter der Höhlenrettung spricht von Leichtsinn. Bei der Wetterlage und dem starken Regen hätten die beiden Höhlenbegeher wissen müssen, dass die Senken in der Höhle volllaufen und so den Rückweg versperren könnten.


Nach Aussage von Deh hatte der gewerbliche Anbieter, der mit seinem Kundenin der Höhle in Not geraten war, eine Genehmigung der Gemeinde Grabenstetten. Diese ist seit April 2018 notwendig, um die Höhle über die ersten Meter hinaus zu betreten. Sie ist immer für eine Saison gültig und wird nur ausgestellt, wenn eine Versicherung nachgewiesen werden kann, die für eventuelle Rettungsaktionen aufkommt. Da Versicherungen jedoch nicht gerade dafür bekannt sind, freiwillig und gerne zu bezahlen, wird das Betreten der Höhle sicherlich gerichtlich geklärt werden. Der Richter hat dann zu entscheiden, ob das Betreten grob fahrlässig war. Die Falkensteiner Höhle gilt als Magnet für alle, die den Nervenkitzel einmal nachempfinden wollen. Dutzende Menschen klettern, schwimmen und tauchen am Wochenende durch Teile des Systems, »Die Höhle ist zu Tode getrampelt«, sagt Hottinger. 
Gerade mal ein Jahr ist es her, dass in Thailand zwölf Jungen mit ihrem Trainer bei einem Ausflug in eine Höhle stiegen. Damals dauerte es 17 Tage bis alle – gottseidank unverletzt – wieder das Tageslicht erblickten. 2014 wurde der Höhenforscher Johann Westhauser aus Baden-Württemberg in den Berchtesgadener Alpen aus 1 000 Metern und über elf Tagen gerettet. Es ist der Leichtsinn und die Risikobereitschaft, die zu solchen Dramen führen. Die gut informierte Öffentlichkeit kann sich je nach Emotionslage gruseln oder mitleiden. Ändern wird sich nichts. Die Gemeinde hat alles richtig gemacht, mehr kann man nicht tun – außer den Zugang komplett sperren. Doch selbst solche Maßnahmen helfen nicht. Wo ein Adrenalin-Junkie ist, findet dieser auch einen Weg. Gleichzeitig wird allen Vernünftigen das Naturerlebnis verwehrt.