Seit Wochen liegt eine lang anhaltende drückende Hitze über dem Landkreis, und die Angst der Bürger steigt, dass ein Hagelunwetter wie 2013 droht. Vergangenen Donnerstagmittag fegte ein schweres Unwetter über Hamburg hinweg. Der Himmel über der Hansestadt verdunkelte sich und schien zeitweise fast schwarz zu sein. Die Folge: Heftiger Regen und teilweise Hagelkörner prasselten nieder! Dies rief auch hierzulande wieder Erinnerungen wach. 


Gottlob haben die Hagelflieger, die in Stuttgart am Flughafen stationiert sind, ihren Betrieb aufgenommen und waren bereits einmal im Einsatz. Bezahlt wird der Hagelflieger aus den Mitteln des »Vereins zur Hagelabwehr im Landkreis Reutlingen. Das Ziel ist klar: während der Gewitter- und Hagelsaison zwischen Mitte Juni und Ende September wird der Hagelflieger bei kritischen Wetterlagen einsatzbereit vorgehalten, um im Falle eines drohenden Hagelunwetters Gewitter-wolken frühzeitig mit Silberjodid zu impfen. Das umweltverträgliche Silberjodid verhindert, dass die Hagelkörner immer größer werden, im Idealfall bleiben sie klein genug, dass sie schmelzen, während sie vom Himmel fallen und nur noch als schwere Regentropfen auf der Erde landen. So können schlimmere Unwetter und damit einhergehende Schäden verhindert werden.


Obwohl der Verein seit seiner Gründung im Jahr 2013 bereits 918 Mitglieder zählt, darunter auch die Große Kreisstadt Metzingen und Grafenberg, reicht das Geld aus Beiträgen und Spenden gerade mal bis Ende Juli, um Flieger und Pilot zu bezahlen. »Wir brauchen mehr Mitglieder«, sagt die Vorsitzende Gabriele Gaiser, die für die CDU im Reutlinger Stadtrat sitzt. 


Sie hofft ähnlich wie der Hagelabwehr-Verein im Schwarzwald-Baar-Kreis in den nächsten Jahren über 3 000 Mitglieder vorweisen zu können. Der Verein dort genießt mehr Unterstützung, was daran liegt, dass über der Region schon mehrere Unwetter niedergingen. 
Lediglich im ersten Jahr der Vereinsgründung steuerte der Landkreis Reutlingen 24 000 Euro bei, eine weitere Unterstützung lehnte der Kreistag ab. Um eine komplette Saison abzudecken, würden jedoch rund 130 000 Euro benötigt. Geld das der Verein nicht hat. Der naheliegende Gedanke die Versicherungen mit ins Boot zu nehmen, schließlich hat der Schaden 2013 Milliarden gekostet, funktioniert nur eingeschränkt. Der WGV-Konzern hat einen eigenen Hagelflieger, der seit 2015 im Rems-Murr-Kreis im Einsatz ist. Dort sei die Schadensquote niedriger als anderswo.


Die Sparkassenversicherung, die vom Reutlinger Verein zur Hagelabwehr angesprochen wurde, erklärte sich bereit, Forschungen zur Wirksamkeit von Hagelfliegern zu unterstützen. Hier liegt die groß Krux: Bis heute bestreiten Kritiker die Wirksamkeit des Einsatzes von Hagelfliegern. So habe es am 24. Juni vorigen Jahres trotz Einsatz eines Hagelfliegers enorme Schäden in Pfullingen gegeben, sagen diese. Die Befürworter argumentieren, dass der Hagelflieger wegen der einbrechenden Dunkelheit zum Stützpunkt zurückkehren musste.


Gaiser kennt die Argumente der Gegner, betont aber, dass Hagelflieger in Österreich und den USA schon viel länger als in Baden-Württemberg eingesetzt werden. Diese Methode wird in diesen Ländern zum Teil seit Jahrzehnten als Katastrophenschutz eingesetzt. Dennoch verhehlt sie nicht, dass das Thema Hagelabwehr stark emotional besetzt ist. Umso wichtiger ist es für sie Kritiker zu überzeugen, Menschen als Mitglieder zu gewinnen oder zumindest zu informieren. Vor zwei Wochen war der Verein auf dem Reutlinger Wochenmarkt präsent. Am vergangenen Wochenende in Metzingen. Am 23. Juli präsentiert sich der Verein zur Hagelabwehr auf dem Neigschmeckt-Markt. Im September ist man beim Weinlehrpfad in Neuhausen vor Ort. Unterstützen kann den Verein jede Privatperson oder jede Firma. Der Mindest-Jahresbeitrag beträgt 20 Euro, bei Firmen ist er gestaffelt nach der Zahl der Mitarbeiter.


Wer Mitglied werden will, wendet sich an den Verein zur Hagelabwehr im Landkreis Reutlingen: Vorsitzende Gabriele Gaiser – Lange Äcker 4.
E-Mail. info@hagelabwehr-lk-reutlingen.de