Ein Sieger der Kommunalwahl 2019 stand schon um 18 Uhr fest, als die Wahllokale geschlossen wurden: Der Wähler. Er hat weder vor einer immer wieder prognostizierten Politikverdrossenheit noch vor dem schwierigen Wahlmodus der Kommunalwahl mit Kumulieren und Panaschieren der Stimmen kapituliert. Er hat sich engagiert. Überall, von Münsingen auf der Alb bis Riederich, war die Wahlbeteiligung deutlich höher als vor fünf Jahren: Immer über 50 Prozent, teilweise gingen fast 60 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen. Die großen Sieger – nicht nur bei der gleichzeitig abgehaltenen Europawahl – sind die Grünen, aber auch die Freien Wähler haben gepunktet. Die Sozialdemokraten verloren am stärksten, die CDU kann sicherlich mit den Ergebnissen nicht zufrieden sein.

Trauer trägt die Farbe Rot – nicht überall! In Münsingen ticken die Uhren noch ein wenig anders: Dort verzichtete die CDU auf eine Kandidatur, was Folgen hatte. Die Sozialdemokraten gewannen wie die Freien Wähler je einen Sitz hinzu. Um zwei Köpfe stärker als 2014 ist die FDP. Die neue Liste der Grünen schaffte auf Anhieb vier Sitze. Die SPD holte 37 306 (32,6 Prozent) Stimmen und gewann acht Sitze, die Freie Wählervereinigung (FWV) kam auf 32 579 Stimmen (28,5 Prozent), das sind sieben Sitze, ebenso wie die Liberalen Bürger (LB) 29 014 (25,4 Prozent). Am Fuße der Alb in der Kurstadt Bad Urach waren die Sozialdemokraten im Verbund mit den Aktiven Bürgern (AL), die zwei Sitze einbüßten. Die holten sich die Grünen ab und besitzen nun mit vier Mandaten Fraktionsstärke. Werner Grad von den Freien Wählern bleibt Stimmenkönig, stark das Ergebnis von Sabine Hunzinger-Miran (FWV), die direkt das zweitbeste Ergebnis holte. Die Freien Wähler bleiben stärkste Kraft mit acht Sitzen vor der CDU, die sieben einnimmt. Je vier teilen sich SPD/AB und Grüne.

Auf drei Mandate kommt die FDP. Ermsabwärts in Dettingen sind die Wähler am aktivsten: 58,3 Prozent der Wahlberechtigten gingen zur Urne, ein Plus von mehr als zehn Prozent gegenüber 2014. Besonders ist auch das Ergebnis eines Mannes: Rolf Hägele von den Freien Wählern und stellvertretender Bürgermeister holte fast 6 000 Stimmen. Das sind mehr als doppelt so viele Stimmen wie der CDU-Mann Simon Nowotni erzielte. Die Freien Wähler behalten ihre neun Sitze. Zugelegt hat die Unabhängige Liste, die statt bisher vier nun fünf Sitze im Gremium hat. Einen Sitz verloren hat die CDU.Ein Desaster erlebten die Sozialdemokraten in Metzingen: Sie verloren 5,6 Prozent und stellen mit Ulrike Sippli und Michael Breuer nur noch zwei Gemeinderäte, damit ist auch der Fraktionsstatus dahin. Fehlenden Rückenwind aus der Bundespolitik macht Sippli für das schlechte Abschneiden verantwortlich. Jubel dagegen bei den Grünen, die künftig sechs Sitze belegen – zwei mehr als bisher – und zu den Christdemokraten aufschlossen, die einen Sitz abgeben musste. Den holte sich die Freie Wählervereinigung (FWV).

Robert Schmid wurde auch der Stimmenkönig vor Parteifreundin Lilli Reusch und Robert Bahnmüller, der wie Fraktionskollege Bernd Hettich neu im Gremium ist. Die Liberalen behielten ihre drei Sitze. Nummer 1 bleibt Bernhard Mohr, mit Isabel Aurenz und Isabelle Wohlauf zogen jedoch zwei junge FDPlerinnen ins Gremium ein. Drei neue Gesichter weisen auch die Grünen auf: Franziska Fora, Nico Schmitt und Georg Bräuchle. Positiv auch in Metzingen: Die Wahlbeteiligung stieg von 43,3 Prozent im Jahr 2014 auf 52,2. Gut war auch die Wahlbeteiligung in Riederich mit 53,1 Prozent. Dort traten keine Parteien oder Wählervereinigungen an, nur Einzelkandidaten. Stimmenkönigin wurde Petra Bäuerle mit 1 042 Stimmen. Erstaunlich: Sechs von 14 Plätzen im Gremium sind von Frauen besetzt. Neu in den Gemeinderat gewählt wurden André Brunkau, Lothar Schefenacker, Antonia Kästner, Heiko Klever und Doris Hagemann. Bei der Wahl zum Kreistag stellen die Freien Wähler gleich drei Sitze mit Metzingens Oberbürgermeister Ulrich Fiedler, Lilli Reusch und Newcomerin Carmen Haberstroh (Finanzbürgermeisterin). Metzingens Feuerwehrchef Hartmut Holder (CDU) komplettiert das Quartett aus der Sieben-Kelternstadt.