Dettingen hat die Tradition in vielen Bereichen stets hoch gehalten. Dazu gehört auch, dass in der Gemeinde immer noch drei Backhäuser öffentlich betrieben werden: Das obere Backhaus am Mühleplatz, das mittlere Backhaus am Bettelsteg und das untere Backhaus am Kelternplatz. Fast logischerweise gehörte zum festen Bestandteil des Gemeindelebens in den vergangenen Jahrzehnten die Backhaushockete. Alle zwei Jahre durchgeführt war sie zu Hochzeiten ein echter Besuchermagnet für Jung und Alt aus Dettingen und der Umgebung. Wie an der Schnur gezogen präsentierten sich die Vereine auf einer rund zwei Kilometer langen Strecke vom oberen zum unteren Backhaus. Doch das Fest leidet seit geraumer Zeit unter Teilnehmer- und dadurch auch unter Gästeschwund. Deshalb befasst sich der Gemeinderat damit. Die Aufgabe als eigenständiges Fest und die Integration in den Kunsthandwerkmarkt war fast schon beschlossene Sache. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Die Zeiten, da zur Dettinger Backhaushockete die Besucher strömten, sind längst vorbei. Die Spezialitäten wie Rahmkuchen aus den drei Backhäusern werden immer weniger nachgefragt. Nun geht es ans Eingemachte. Wie soll es mit diesem Fest weitergehen, das eine 40-jährige Tradition hat. 2017 wurde die 21. Dettinger Backhaushockete durchgeführt. Der einstmalige Gedanke war, die Besonderheit der Dettinger Backhäuser mit ihren kulinarischen Spezialitäten einem breiten Besucherkreis anzubieten. Immer wieder hat die Verwaltung versucht der Backhaushockete mehr Attraktivität zu geben beispielsweise mit dem Räuberkarrenrennen oder Spielaktivitäten der teilnehmenden Vereine. Alle Bemühungen waren nicht wirklich von Erfolg gekrönt, immer mehr Vereine sprangen ab. Bei der letzten Hockete waren es über die gesamte Strecke nur noch elf Vereine. Der Alternativvorschlag, der dem Gemeinderat vorgelegt wurde, war, interessierte Vereine und vor allem die Tradition »Backen im Backhaus« in einem neuen Veranstaltungskonzept in den Kunsthandwerkermarkt zu integrieren. Die Kosten für die Backhaushockete in Höhe von zirka 7 000 Euro Werbung und allgemeine Kosten sowie etwa 7 000 Euro Bauhofkosten würden entfallen. Von erwähnenswerten Mehrkosten durch die Erweiterung des Kunsthandwerkermarktes sei laut Verwaltung dauerhaft nicht auszugehen. Viele Gemeinderäte konnten der Schilderung der Verwaltung folgen und bestätigen, dass die Hockete »nicht mehr das ist, was sie mal war«. Auch dass ein neues Konzept in Verschmelzung mit dem Kunsthandwerkermarkt sinnig wäre und eine ‚Win-Win-Situation’ auch für die hauptsächlich beteiligten Vereine entstehen kann, fanden sie nachvollziehbar.
Trotz zweimaliger ausgiebiger Diskussion war sich das Gremium nicht einig, selbst nicht einmal innerhalb der Fraktionen. Von einer lebendigen Leiche wurde bei den Freien Wählern gesprochen, aber auch davon, das Fest nach vier Jahrzehnten nicht einfach zu begraben. Von Michael Allmendinger (CDU) kam die Idee, die Konzeption des Festes zu ändern, weg von der Aufreihung der Stände vom oberen zum unteren Backhaus, stattdessen die Hockete beispielsweise um den Kirchplatz zu konzentrieren. Aus der Reihe der Unabhängigen Liste wurde angeregt, die Vereine für 2019 nochmals gezielt anzuschreiben, um eine stärkere Resonanz zu befördern. Regine Ries vom Kulturamt verwies darauf, dass diese Aufrufe schon seit Jahren gemacht würden.

Die Debatte zeigte, wie schon vier Wochen zuvor, dass das Gremium in seiner Gesamtheit noch nicht bereit war, der Backhaushockete den Todesstoß zu versetzen. Das spiegelte die Abstimmung wider: Sieben Ratsmitglieder sprachen sich für das Ende des Hocks aus, zehn dagegen, eine Enthaltung wurde gezählt. Bürgermeister Michael Hillert votierte für das Integrieren des Festes in den Kunsthandwerkermarkt. 
So erhält die Backhaushockete für 2019 eine Galgenfrist. Schon jetzt kann aber prophezeit werden, dass wenn kein Wunder geschieht und die Vereine sich wieder massiv beteiligen, das Totenglöcklein für das Traditionsfest geläutet wurde.