Das Wort Fremdenzimmer ist den meisten Menschen kaum noch geläufig. Im deutschsprachigen Raum findet man noch die Schilder in Urlaubsgebieten. Sie werden gegen Entgelt den Touristen vermietet. Unentgeltliche Fremdenzimmer stellt jetzt die Gemeinde Dettingen zur Verfügung. Sie hat nämlich schon vor über einem Jahr die Traditionsgast-stätte Kelter gekauft und die Fremdenzimmer zu »Fremden«-Zimmer für Asylbewerber umgebaut, für die nach Abschluss des Asylver-fahrens eine Anschlussunterbringung benötigt wird. Anfang Oktober ist es soweit, dass in das Dettinger Traditionsgasthaus Kelter die ersten Bewohner einziehen können. Seit 2013 stellt die Unterbringung von Geflüchteten die Gemeinde Dettingen vor eine große Herausforderung. Zunächst stand die Erstaufnahme im Mittelpunkt, jetzt die Aufnahme der Asylsuchenden in der Anschlussunterbringung. Allein in den letzten beiden Jahren wurden über 100 Menschen in Dettingen in der Anschlussunterbringung untergebracht und aufgenommen. Für das laufende Jahr werden nach aktueller Schätzung des Landratsamts etwa 50 weitere Personen in die Anschlussunterbringung aufgenommen werden müssen, hinzukommen noch Personen des Familiennachzugs. So werden bis Ende dieses Jahres rund 160 Menschen in der so genannten Anschlussunterbringung leben.

Platz geschaffen hat die Gemeinde mit der Übernahme des Gebäudes Kreuzgasse 1 sowie durch die Anmietung einer Wohnung in der Glemser Gasse. Schon vor einem Jahr hat Dettingen jedoch das Gebäude mit dem meisten Potenzial erworben. Es ist die Kelter in Dettingen. Da wo früher Pizza, Spagetti und andere italienische Spezialitäten serviert wurden und Gäste nächtigten, werden bald Dauergäste wohnen. Für den Dettinger Bürgermeister Michael Hillert liegen die Vorteile der Kelter klar auf der Hand: Es sind die Fremdenzimmer, die die Immobilie für die Kommune attraktiv machen. Die Räume entsprechen der vorgeschriebenen Größe von circa sieben Quadratmeter, die Umbauarbeiten waren überschaubar, auch wenn einige Unwägbarkeiten dazu kamen. Das größte Problem, war, den Brandschutz auf das für Asylbewerberunterkünfte notwendige Level zu bringen. Zum Einbau gehörten Küchenzeilen und Etagenduschen. Gestemmt wurde das Ganze vom Bauhof. Aller Voraussicht nach werden 18 Einzelpersonen und eine größere Familie in der Kelter wohnen, der Gastraum bleibt als Reserve falls 2019 die Notwendigkeit entstünde, mehr Flüchtlinge oder Personen in Anschlussunterbringung aufzunehmen. Dettingen hat von allen Kommunen im Ermstal nach der großen Flüchtlingswelle 2014/15 und Merkels großer Geste »Wir schaffen das« am schnellsten pragmatische Lösungen geschaffen und die Gemeinde zeichnete sich von Anfang an durch eine hohe Bereitschaft zur Hilfe aus. »Der Arbeitskreis Asyl leistete in den letzten fünf Jahren hervorragende Arbeit«, konzedieren Verwaltung und Kirche unisono. Er ist die tragende Säule bei der Integration der Geflüchteten. Tatsache ist jedoch, dass durch die stark angestiegenen Zahlen das Ehrenamt an seine Grenzen kommt. Eine hauptamtliche Kraft fehlt. Geplant ist eine halbe Stelle auf drei Jahre, die zu 50 Prozent gefördert wird. Damit soll das Ehrenamt entlastet werden.

Durch den Arbeitskreis sowie durch die Unterstützung von Gemeinde und Landkreis, die neudeutsch eine Integrationsmanagerin (Sozialarbeiterin) eingestellt haben, die in der Kreuzgasse sitzt, ist es der Gemeinde gelungen, ohne große Nebengeräusche, die Dettinger Neubewohner aufzunehmen. Nun soll der nächste Schritt erfolgen: Die Flüchtlinge sollen so mit den bestehenden Strukturen (Vereinsangebote, Öffentliche Infrastruktur, etc.) vertraut gemacht werden, dass sie daran umfassend teilnehmen können. Und so lange der Gastraum in der Kelter bestehen bleibt, kann sich ja das Märchen wiederholen, das einem Paar aus Karlsruhe widerfahren ist. Es hielt eine Flüchtlingsunterkunft im oberfränkischen Zapfendorf für einen Gasthof. Doch eine Mahlzeit bekamen sie dort trotzdem. Der Bewohner und seine Freunde zauberten spontan eine Brotzeit auf den Tisch.