Es stehen in Metzingen keine Wahlen auf der Tagesordnung, es ging nicht darum, ob die Stadt nun ein Kombibad bekommt oder nicht und dennoch war vorige Woche der Klosterhof in der Sieben-Keltern-Stadt rappelvoll. Geladen hatte die Freie Wählervereinigung, um über die Verkehrsprognose 2025 des Ingenieursbüros Karajan aus Stuttgart zu diskutieren. Geladen - im übertragenen Sinne - waren auch die über 50 Bürger, die zunächst den Ausführungen des Fraktionsvorsitzen-den Peter Rogosch lauschten. »Wir wollen Anregungen und Bedenken in die Gemeinderats-debatte mitnehmen, hatte Christiane Haubold, stellvertretende Fraktions-vorsitzende, als Ziel für den Abend ausgegeben. Das zweite Ziel, das Rogosch nannte, dürfte allerdings der Quadratur des Kreises gleichkommen: »Es darf keine Innenstadtberuhigung auf Kosten der Wohngebiete geben«. Anders ausgedrückt: Der in dieser Woche im Gemeinderat zu verabschiedende Lärmaktionsplan, der zum Schutz der Bürger in den Durchgangsstraßen laut EU realisiert werden muss, müsste mit dem Karajanschen Verkehrsleitplan in Einklang gebracht werden. Unstrittig an diesem Abend war lediglich die Tatsache, dass Metzingen eine prosperierende Stadt ist und dank des Magneten Outlet ständig mehr Besucher anzieht. So erwartet die Prognose allein durch die Erweiterung des G & V-Areals eine Zunahme von 4 250 Fahrten am Tag. 

Doch nicht allein die Besucherzahl wird steigen, die Attraktivität der Outlets schafft mehr Arbeitsplätze und die Zahl der Einwohner steigt. Hier geht das Büro von rund 1 600 bis 2 025 aus. Laut Stadtverwaltung beträgt die Anstieg der Bevölkerung von 2013 bis 2017 bereits über 730. Eine große Schwäche der Studie liegt in der Zahlenbasis begründet. Erhoben wurde die Verkehrsstatistik mit den Belastungen durch Autos bereits 2012. Eine der Hauptforderungen der Bürger an diesem Abend war – nicht zu Unrecht – ehe neu in das Thema im Gemeinderat eingestiegen wird – die aktuellen Zahlen zu verifizieren. Die Prognose geht von mehreren Szenarien aus: Dem Planungsnullfall, also wenn nichts geschieht bis 2025. Fall zwei: wenn der Lindenplatz verkehrsberuhigt wird. Dritte Variante wäre die Stuttgarter Straße mit einer Pförtnerampel dicht zu machen und im Fall vier den Umweltverbund zu stärken, sprich mehr Bürger dazu zu bewegen, aufs Auto zu verzichten und sich innerhalb der Stadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Rad oder zu Fuß zu bewegen.

Die Studie zeigt, dass bei Eingriffen in der Stuttgarter Straße /Lindenplatz es zu einer Verdrängung des Verkehrs in die Wohngebiete kommt. Doch auch hier gibt es Diskussionsbedarf. Die Zahlen, die Anwohner in einem der stark betroffenen Gebiete (Ohmstraße/Sannentalstraße) über 24 Stunden vorlegten, liegen jetzt schon höher als die Prognose von 2025. Völlig außer Acht lässt Karajan in seinen Betrachtungen den Haugenrain mit der Römerstraße, die zur Durchgangsstraße mutiert und der Kanalstraße, die genutzt wird, um eventuell im Wohngebiet direkt vor dem Outlet einen Parkplatz zu finden. »Wer Verkaufsflächen genehmigen kann, der muss auch für die Anwohnergebiete sorgen«, war denn auch das zentrale Argument in der zweitweise stark emotionalisierten Debatte. Vom »geduldeten Verkehrsinfarkt« sprach einer der Anwohner, den die Stadt in Kauf nehme. Kritisiert wurde von einigen Teilnehmern, dass die Verkehrskontrollen durch die Stadt vor allem an Samstagen und Brückentagen nicht ausreichend seien, um Outlet-Gäste von der Fahrt in die Wohngebiete abzuhalten. Ein weiteres Manko sind veraltete Navigationsgeräte die Besucher beispielsweise immer noch über die Stuttgarter Straße zu den Outlets führten.

Lösungsvorschläge wurden den Freien Wählern ebenfalls mit auf den Weg gegeben: Ein erster Schritt wären Parkberechtigungskarten für die Anwohner, ein zweiter Wohngebiete mit Schranken zu versehen, wie es im Gebiet Pulverwiesen schon der Fall ist. Um den Ziel- und Quellverkehr im Hart-Hölzle zu reduzieren, sprach sich ein Bürger für die Weiterführung der Einsteinstraße bis zur Reutlinger Straße aus. Seit Jahren endet die Straße dort im Nichts.