Das Bienensterben ist menschengemacht. Ökologische Probleme, Überzüchtung oder die Varroamilbe bedrohen unsere Honigbienen. Was jüngst in Dettingen passierte, ist ebenfalls menschengemacht: Vandalismus in Reinkultur. Opfer war der passionierte Imker Paul Eberle. Als er seine Bienenvölker besuchte, traf ihn ein verheerender Anblick: Tausende toter Bienen, die Bienenkästen mit langen Stützen umgestoßen und die Bienenwohnungen auf den Kopf gestellt, mit Steinen beworfen, so dass die Futterwaben im weiten Umkreis verstreut waren. Paul Eberle tat das einzig Richtige, informierte die Polizei und brachte diese frevlerische Tat zur Anzeige. Von den Tätern fehlt bislang jede Spur. Eberle hat für ihre Ergreifung sogar eine Belohnung von 300 Euro ausgesetzt. Bei der Polizei Reutlingen hält man sich bedeckt, will über laufende Ermittlungen nicht sprechen. Die Hinweise, die vorliegen müssten erst geprüft werden. 

Sicher ist, dass Paul Eberle und seine Bienenvölker schon öfters Ziel solcher Attacken waren. Mehrfach wurde seine Imkeranlage in den letzten drei Jahren heimgesucht. Dabei sind seinen Worten zufolge insgesamt rund 400 000 Bienen getötet worden. Bei so einer Tat schießen die Vermutungen ins Kraut: Sind es Jugendliche, die aus Langeweile handeln und sich den Umstand zu Nutze machen, dass die Bienenanlage weit ab vom Schuss ist, sind es Menschen, die aus Freude am Zerstören so einen Frevel begehen? Oder trifft es die Bienen und gemeint ist Paul Eberle der Eigentümer und gleichzeitig Vorsitzender des Bezirksimkervereins Metzingen? Von der Hand zu weisen ist dies wegen der Häufung der Delikte nicht. 

Es mutet wie ein schlechter Witz an, dass in Zeiten, in denen sich die Imker bundesweit fürs Überleben der Bienen stark machen, es zusätzlich zu solchen Übergriffen kommt. Unbestritten ist, die Bienen nehmen eine wesentliche Funktion im Naturkreislauf ein. Wie sagt der Volksmund: »Willst du Gottes Wunder seh’n, musst du zu den Bienen geh’n.« Fast 80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen werden von der Westlichen Honigbiene bestäubt. Die restlichen 20 Prozent gehen auf das Konto von Hummeln, Fliegen, solitären Wildbienen und anderen Insekten. Wenn die Bienen vollständig aussterben würden, und dazu noch andere Bestäubungsinsekten, dann ginge weltweit die Ernte massiv zurück. Bienen haben also einen großen Einfluss auf unsere Ernährung. Ohne ihre Bestäubungsarbeit müsste der Mensch auf etwa ein Drittel der Nutzpflanzen in seiner Ernährung verzichten, vor allem bei Obst und Gemüse wären die Rückgänge stark.

Die Politik sei auf nationaler oder europäischer Ebene ist kaum hilfreich. Die Verschärfung des Verbots von Neonikotinoide in Europa – das komplette Verbot eines Freilandeinsatzes ist nur Augenwischerei. »Jetzt hat die EU wieder Millionen Euro investiert, um zu zeigen, dass Insektizide Insekten schädigen. Das wissen wir doch schon seit den Sechzigerjahren«, sagt Peter Neumann, Tiermediziner und Leiter des Instituts für Bienengesundheit an der Universität Bern in einem Interview. Der Erfolg eines Totalverbots von Neonikotinoiden sei fraglich, denn Bauern würden notgedrungen auf andere Methoden und Mittel ausweichen. Die nächste Generation der Pestizide stehe schon bereit.

Der Mensch ist aber auch sonst der größte Feind der Bienen. Gärten werden zu Steinwüsten oder zu grüner Ödnis, genannt Rasen mit Thujahecken eingefasst. Der Mensch bereinigt die Feldgehölze, fällt Bäume, begradigt Bäche und Flüsse, legt Moore trocken und pflügt Ackerrandstreifen. Blütenreiche Wiesen werden gedüngt und gemäht bis sich außer Löwenzahn und Gänseblümchen nichts mehr aus dem Boden wagt. Dabei ist die Biene nach Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier bei uns. Bienen bevölkern seit 40 Millionen Jahren unsere Erde, den Mensch (homo habilis) gibt es auf unserem Planeten seit 2,3 Millionen Jahren. Möglicherweise reichen ihm für das Ausrotten wenige Jahrzehnte…