Wir sind hier nicht bei »Star Wars«, aber das was vorige Woche beim Verwaltungsgericht Sigmaringen verkündet wurde, war schon ein harter Schlag für alle die sich schon siegreich wähnten im Kampf gegen die Firma Sowitec, die fünf Windräder auf Undinger Gemarkung aufstellen will. Das Gericht gab dem möglichen Betreiber teilweise Recht: Schloss Lichtensteins denkmalwürdige Ansicht wird durch die Windräder auf dem Hohfleck nicht gefährdet. Wer nun glaubt, dass morgen die Bagger in Sonnenbühl anrücken, muss enttäuscht werden. Richter Christian Heckel wies darauf hin, dass Fragen des Naturschutzes nicht genügend vom Landratsamt bewertet wurden.

So richtig Fahrt aufgenommen hat die Windkraft-Debatte im Sommer 2016 als es zum ersten Erörterungstermin in der Genkinger Sporthalle kam. Der Fall Hohfleck ist ein gutes Beispiel, wohin das Engagement der so genannten »Wutbürger« in unserer Republik führt. 18 500 Einwendungen gab es gegen das Projekt der Firma Sowitec hauptsächlich aus den Bereichen Denkmal-, Landschaftsbild- und Artenschutz. Der Rückzug des Landratsamtes auf den Denkmalschutz ersparte der Behörde die weitaus wichtigere Überprüfung, ob die Anlagen genügend Wind produzieren, dass davon 12 500 Haushalte versorgt werden können, wie Sowitec in ihrem Antrag auf eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung dargestellt hat. Richter Heckel, Präsident des Verwaltungsgerichts, der das Urteil fällte, beließ es nicht dabei die Kontrahenten im Rathaussaal von Unterhausen anzuhören. Er fuhr mit Gegnern und Befürwortern zunächst zu zwei Standorten bei Holzelfingen, um sich sodann einen Eindruck von den Blickbeziehungen auf das Schloss vom Albtrauf aus beim Rötelstein und am Locherstein zu verschaffen. Zuletzt wurde der Augenschein auch im Hof des Schlosses Lichtenstein und vom Innern des Gebäudes aus eingenommen, bevor die mündliche Verhandlung im Rathaus von Lichtenstein geschlossen wurde. 

Das Ausmaß der fünf Windräder soll nicht verharmlost werden: Was die Sowitec auf dem Hohfleck bauen will, hat eine Nabenhöhe von 137 Meter und einen Rotordurchmesser von 126 Meter. Damit beträgt die Gesamthö-he der Windräder 200 Meter über Grund. Die nächste Wohnbebauung ist 2,5 Kilometer entfernt (Sonnen-bühl) und gar drei Kilometer (Engstingen). Die Diskussion in Unterhausen und vor Ort wurde durchaus heftig geführt. Während der Anwalt der Firma Sowitec, Martin Maslaton, dem Klimaschutz das Wort redete, argumentierte Martin Hahn vom Landesdenkmalamt mit der besonderen Bedeutung des Schlosses, das jährlich rund 140 000 Besucher sehen. Kurz und knackig lautete dagegen das Urteil des Verwaltungsgerichts: Der Denkmalschutz verhindert das Aufstellen der Windräder nicht. Fragen des Naturschutzes seien allerdings noch zu prüfen. Damit ist der Fall zurück ans Landratsamt verwiesen worden.

Der Teilerfolg freut Harald Rudolph, Geschäftsführer von Sowitec und macht ihm auch Hoffnung. Rudolph geht davon aus, dass Sowitec nun die naturschutzrechtlich geforderten Untersuchungen wieder aufnehmen wird. Vor zwei Jahren hatte man zum Beispiel einen Rotmilan-Horst entdeckt, der aber nicht besetzt gewesen war. Sowitec, das im Ortsteil Willmandingen seinen Sitz hat und 200 Mitarbeiter beschäftigt, hat als weltweit führender Entwickler von Projekten der Energiewende bislang rund 1000 Windräder in vielen Ländern gebaut. Harald Rudolph ist überzeugt vom eigenen Produkt: »Deshalb wollen wir diese Standorte selbst entwickeln und nicht anderen überlassen.« Für ihn ist es widersinnig aus der Kohle auszusteigen und gleichzeitig keine Windräder bauen zu wollen.

Ob nun Windräder die Sichtachse des Kulturdenkmals Lichtenstein stören oder nicht, ist keine Entscheidung von Wochen oder Monaten. Regierungspräsidium und Landratsamt warten auf die schriftliche und ausführliche Urteilsbegründung. Als sicher gelten kann, dass um den Hohfleck-Standort noch weiter gerungen wird. Zu prüfen ist ja noch, ob der Rotmilan gefährdet