Der Sommer 2018 hat sich bereits am letzten August-Mittwoch verabschiedet, nicht Wenige sind froh, dass die Temperaturen Normalmaß erreicht haben, die unzähligen schweißtreibenden Tage zu Ende sind. Zu Ende geht damit auch die Freibadsaison im Ermstal. Sozusagen in einer konzertierten Aktion schließen die Bäder in Metzingen, Dettingen und Bad Urach am kommenden Sonntag. Montag, der 10. September, ist der klassische Ausbadetag. Einheitlich ist auch die Bewertung der Badesaison 2018: Die Zahlen liegen eindeutig über denen des Vorjahres. Doch ein weiterer Trend lässt sich beobachten. Die Besucherzahlen der Freibäder hier im Ermstal sind in den letzten 15 bis 20 Jahren rückläufig und die Verantwortlichen sind sich noch nicht ganz sicher, was die Ursachen sind.

Am besten lässt sich das Ganze am Dettinger Freibad nachvollziehen: Schwimmmeister Thomas Klingberg sagt mit einem Blick auf die Zahlen: Bei einem Sommer wie diesem mit 30 Grad Celsius und mehr müssten einem die Leute doch die Bude einrennen, doch statt 3500 Leute, die früher ins Bad strömten, sind es heuer im Schnitt 1000 weniger. Die Dettinger haben 1997 ihr Bad modernisiert, danach explodierte die Zahl der Badelustigen förmlich. In zehn Jahren bis 2006 wurden sechs Mal mehr als 100 000 Besucher gezählt, vier Mal schrammte man knapp daran vorbei. Höhepunkt war der erste Jahrhundertsommer 2003 mit 145 000 Freibadgästen. Im zweiten Jahrhundertsommer 2018, der noch mit dem von 2003 um die Spitze rangelt, passierten aber nur noch 81014 Badelustige die Schranken. Was ist passiert seither? Auch in Bad Urach wird mit über 70 000 Besuchern die Vorjahreszahl klar übertroffen. Karin Schwenkschuster vom Bad Uracher Bürgerbüro, registriert ebenfalls einen Rückgang. »Eigentlich schade, aber der Drang nach Schule und Hausaufgaben direkt ins Freibad zu gehen, hat nachgelassen«, stellt sie bei ihrer Jüngsten fest.

Das Metzinger Freibad, über dessen Zukunft derzeit heftig diskutiert wird, hat trotz seines angejahrten Charmes, um es vorsichtig  auszudrücken, rund zehn Prozent mehr Gäste als im Vorjahr gezählt. Irina Suppes, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, spricht von einem überdurchschnittlichen Jahr mit 55 000 Besuchern. Das Phänomen, dass die Freibäder nicht mehr so stark frequentiert werden wie in der Vergangenheit, ist kein Ermstalspezifisches. Ein Blick ins Umland oder der Republik beweist dies. Experten sprechen beim klassischen Freibad von einem »Auslaufmodell«. Ein verändertes Freizeitverhalten und das Altern der Gesellschaft brächten es mit sich, dass immer weniger Menschen einfach nur schwimmen wollen. Ein paar Wolken und Temperaturen unter 30 Grad genügten inzwischen schon, um das Freibad zu leeren - bis auf die unempfindlicheren Stammgäste. 

Dies bestätigt Thomas Klingberg. Die Leute schauen in ihre Wetter-App und wenn – wie in diesem Sommer häufig – Gewitter angesagt sind, bleiben sie zu Hause. Die Ursachen sind sicherlich nicht eindimensional. Fakt ist, dass Jugendlichen nicht mehr wie früher selbstverständlich ins Freibad gehen, weil es gar keine anderen Angebote gab. Die Vielzahl an Angeboten bei Freizeitaktivitäten könnten Erklärungen dafür sein, Smartphone und Computerspiele sind beliebte Alternativen und Zeitfresser. Private Pools, in welcher Größe auch immer, haben zugenommen. Vielleicht werden auch die Gefahren durchs Sonnenbaden stärker beachtet. Nicht zu vernachlässigen ist die Tatsache, dass im Zuge der Ganztagesschulen die Kinder nicht mehr schon um 14 oder 15 Uhr ins Freibad pilgern, sondern eher später oder gar nicht. Eine weitere wichtige Rolle spielt die Attraktivität. Die Jugendlichen vergleichen genau: Wo gibt’s eine Rutsche? Wo ein Dampfbad? Ein Sprungturm allein reicht da längst nicht mehr. Die Attraktivität eines Bades steht im Vordergrund. Das zeigt sich im Ermstal ganz genau, denn Dettingen als kleinste Gemeinde im Vergleich zu Bad Urach und Metzingen hat die meisten Badegäste.