Carsharing ist deutschlandweit ein Erfolgsrezept: Insgesamt gibt es hierzulande mittlerweile circa 165 Anbieter, bei denen über 2,1 Millionen Bundesbürger registriert sind (Stand Anfang 2018). Die größten Anbieter sind gleich in mehreren Städten vertreten und haben inzwischen Tausende von Kunden und Autos an Stationen im ganzen Bundesgebiet verteilt. In 677 Städten und Gemeinden ist Carsharing bereits verfügbar. Darunter befindet sich auch die Große Kreisstadt Metzingen mit ihren rund 22 000 Einwohnern. In der Sieben-Keltern-Stadt fristet das gemeinsame Projekt der Stadtwerke mit dem Anbieter teilAuto aber eher noch ein Schattendasein. Dennoch ist der kaufmännische Werkleiter der Stadtwerke Metzingen, Alexander Schoch, nicht unzufrieden. »Es läuft vernünftig. Wir betrachten unser Engagement beim Carsharing immer noch als eine Marketingaktion für alternative Mobilität.«

Im Frühjahr 2019 sind es fünf Jahre, dass dieses Projekt gestartet wurde. Drei Autos stehen in Metzingen: Eines hinter dem Rathaus und zwei am Bahnhof. Das ehemals vierte, das an der Neuhäuser Kelter geparkt war, wurde wieder zurückgegeben, weil es zu wenig in Einsatz kam. Die Zahl der Nutzer ist überschaubar. Die 30 bis 35 Personen passen locker in einen Reisebus. Ab Januar 2019 wird laut Schoch das Haus Matizzo zunächst mal teilAuto nutzen bis feststeht, welcher Bedarf die Diakonie für den ehrenamtlichen Senioren Hol- und Bringdienst hat. Die drei Metzinger Fahrzeuge sind dank unterschied-licher Größe auf die verschiedenen Bedürfnisse der Nutzer zugeschnitten. Vom wendigen Stadtflitzer, einem Opel Coras über den VW Up bis hin zum geräumigen siebensitzigen VW Caddy findet jeder das passende Gefährt. Dass sich in ländlicheren Regionen Carsharing für den Betreiber nicht rechnet, leuchtet ein, nicht zuletzt weil das Auto Teil des täglichen Lebens ist und höchstens darüber nachgedacht wird, den Zweit- oder Drittwagen wegzulassen statt ein Carsharing-Angebot in Betracht zu ziehen.

Nicht viel anders sieht die Situation in Bad Urach aus, wo die Stadt Partner von teilAuto und ein Fahrzeug zur Verfügung steht. In Tübingen sieht es dagegen ganz anders aus. Nach Auffassung von Anita Gaiser, Projektleiterin bei teilAuto Neckar-Alb herrscht in der Studentenstadt eine anderes Bewusstsein in Sachen Mobilität: »Das Auto hat einen nachgeordneten Stellenwert.« Tübingen zählt ihren Worten zu Folge – neben Freiburg – zu den sogenannten Hotspots im Ländle was die ökologisch motivierte Form der Mobilität anbelangt. »In Tübingen ist teilAuto kontinuierlich gewachsen, auch wenn in den letzten Jahren die Kurve sich etwas abgeschwächt hat«, sagt Anita Gaiser. Auf 80 000 Einwohner kommen 2 248 Personen, die mit einem teilAuto unterwegs sind. An über 70 Stellplätzen in der ganzen Stadt stehen die Fahrzeuge. Kontrastprogramm Reutlingen: In der benachbarten Großstadt, zugegeben eine Autostadt, sind es nur zwölf Stellplätze und 15 Autos bei über 100 000 Einwohnern. Da liegen die Metzinger im Verhältnis gar nicht so schlecht. Dabei funktioniert Carsharing relativ simpel: Der Kunde muss eine einmalige Aufnahmegebühr bezahlen und erwirbt damit eine Mitgliedschaft. Vor dem ersten Start muss er eine Kaution als Sicherheit hinterlegen. Die automobilen Fixkosten beschränken sich auf die monatliche Grundgebühr. Die Fahrtgebühren errechnen sich aus der gebuchten Zeit, den gefahrenen Kilometern und der Buchungsgebühr. Sämtliche Kosten für Betriebsstoffe, Versicherung und Wartung sowie die Mehrwertsteuer sind in den Fahrtgebühren enthalten. 

Metzingen und Bad Urach werden auch in den nächsten Jahren das Carsharing-Modell anbieten. »Das ist eher eine strategische, denn einen ökonomische Entscheidung«, wie Anita Gaiser erklärt. Metzingens Alexander Schoch, der von einer roten Null spricht, was die Wirtschaftlichkeit anbelangt, stellt neben dem Marketingaspekt auch noch das Thema alternative Mobilität ins Zentrum der Überlegungen. Zwei der drei teilAutos in der Stadt fahren mit Erdgas, mittlerweile gibt es auch zwei E-Tankstellen – auf dem Gelände der Stadtwerke und an der Wilhelmstraße. Für Stadtwerke und teilAuto Neckar-Alb geht es darum,  Präsenz auch in der Fläche zu zeigen, selbst wenn noch viel Wasser die Erms runterfließt bis damit Geld verdient wird.